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Der Höhepunkt der Ernte wird für die kommende Woche erwartet / Weizenpreis derzeit sehr hoch

Ein paar Sonnentage braucht das Getreide noch

Weserbergland (wft). „Mein erster Blick gilt morgens dem Stand der Getreidebörse, denn von dem dort gezeigten Wert hängt ab, wie ich mich beim Verkauf meiner Ernte entscheide.“ An der Börse steht der Getreidepreis derzeit bei rund 255 Euro pro Tonne – ein Spitzenwert im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren. Und das ungewöhnlicherweise mitten während der Erntezeit. „Früher lag die Preisspitze immer vor der Erntezeit, wenn kaum noch jemand liefern konnte“, erläutert der Landwirt Andreas Voß aus Bisperode. „Das erleben wir so zum ersten Mal.“ Hintergrund seien die Meldungen aus den USA und Osteuropa, wo sehr schlechte Ernten prognostiziert worden seien. „Die Agrarmärkte sind eben vor allem Wettermärkte“, erklärt Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock, „die reagieren auf jede Meldung sehr sensibel.“ Vor allem die Situation in den USA bezeichnet Stukenbrock als bedrohlich. „Das ist dort eine echte Katastrophe.“

veröffentlicht am 18.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:41 Uhr

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Voß ist sich nicht sicher, wie er sich in den nächsten Wochen entscheiden wird – einen neuen Kontrakt zu einem bestimmten Preis für eine spätere Lieferung abschließen oder vielleicht doch einen Teil der Ernte schon jetzt verkaufen? „Ende Juni habe ich schon mal 200 Tonnen Weizen per Kontrakt zur Lieferung im September verkauft“, berichtet der Landwirt, der rund 300 Hektar bewirtschaftet. „Das ist etwa ein Fünftel der Menge, die ich in diesem Jahr an Getreide ernten werde.“ Für die nächsten Monate erwartet Voß einen „stabilen und steigenden Preis, aber da kann ich auch ganz falsch liegen“. Der Preis könne morgen auch schon wieder unter 200 Euro liegen, sorgt sich Voß.

Den derzeitigen Getreidepreis hält er für durchaus gerechtfertigt. Als die Bauern vor ein paar Jahren nur 12 Euro für 100 Kilo Weizen erhalten hätten, habe der Preis noch nicht einmal dem Energiewert des Korns entsprochen, den Voß mit einem Betrag von etwa 18 Euro ansetzt. „Dass wir heute zumindest etwa den Preis für den Energiewert erhalten, ist aus meiner Sicht nur marktgerecht.“

Bei Voß steht noch etwa die Hälfte des Weizens auf dem Halm. Den Höhepunkt der Ernte erwartet er für die kommende Woche. Auch Stukenbrock geht davon aus, dass erst rund 40 Prozent der Ernte eingefahren ist. „In manchen Betrieben sind es sicher sogar erst zehn bis 20 Prozent“, schätzt Stukenbrock, während er vom Trecker aus per Handy die Anfrage beantwortet. „Auf vielen Feldern ist der Weizen noch nicht ausgereift“, bestätigen Stukenbrock und Voß. „Da brauchen wir noch ein paar Sonnentage.“ Die Ernte habe sich in diesem Jahr verzögert, weil die Pflanzen im Frühjahr und im Frühsommer zu wenig Sonne gehabt hätten. Teilweise sei die Saat auch später ausgebracht worden, weil es schwierig gewesen sei, überhaupt Saatgut zu beschaffen. Dass in diesem Jahr vor allem Sommergetreide auf den Feldern steht, hänge damit zusammen, dass das Wintergetreide den harten Frost nicht überlebt habe, schildert Voß die Situation nach der kalten Jahreszeit. Deshalb habe er in diesem Jahr auch mehr Mais angebaut als ursprünglich geplant.

Stukenbrock und Voß erwarten als Ergebnis ihrer Ernten ein deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegendes Ergebnis. „10 bis 15 Prozent weniger werden es wohl sein“, schätzt Voß die Lage auf seinen Feldern ein. Die Qualität des Korns sei in Ordnung, meinen beide Landwirte. „Obwohl Sommergetreide grundsätzlich nicht das Potenzial wie Wintergetreide hat“, wie Stukenbrock betont. „Das liegt an der genetischen Struktur.“

Dass Andreas Voß im vergangenen Jahr das beste Ernteergebnis seit Jahren bei seinen Zuckerrüben eingefahren hat, kann er bis heute nicht verstehen. „Wir haben im vergangenen Jahr alles genauso gemacht wie in den vorangegangenen Jahren. Und dann hatten wir im Frühjahr 2011 auch noch eine lange Trockenheit. Und trotzdem war die Qualität der Zuckerrüben am Ende fantastisch.“ Worauf der Landwirt und seine Frau Ilka hinauswollen: „Die Natur lehrt uns auch eine gewisse Demut. Als Bauer darf man nie so vermessen sein, zu glauben, dass alles auf das eigene Wirken zurückgeht.“ Manchmal werde man einfach, so wie im vergangenen Jahr, von der Natur beschenkt. „Aber es kann auch alles schnell wieder durch Hagel, Frost, Sturm, Starkregen oder Überschwemmung genommen werden“, erklärt das Ehepaar.

Die Großwetterlage verspricht viel Sonne für die nächsten Tage – eine gute Zeit, um das dann hoffentlich ausgereifte Korn von den Feldern zu holen.

Foto: Wal

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