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Bis 2050 soll der Ausstoß von Treibhausgasen um 95 Prozent gesenkt werden

Ein ehrgeiziger Masterplan

WESERBERGLAND. Mit großer Mehrheit hat der Kreistag Hameln-Pyrmont auf seiner letzten Sitzung den „Masterplan 100 % Klimaschutz für die Region Weserbergland“ beschlossen. Damit soll die im Jahr 2010 entwickelte Klimaschutzstrategie weiterentwickelt werden. Lediglich die AfD lehnt den Masterplan ab.

veröffentlicht am 05.10.2017 um 13:03 Uhr

Die Landkreise setzen auf die Förderung von Solarenergie, Windenergie soll nur einen kleinen Teil zum Energiemix beitragen. Foto: dpa
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Die Strategie sieht vor, dass die Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent gesenkt und eine Reduzierung des Energieverbrauchs auf der Basis des Verbrauchs im Jahr 2010 um 50 Prozent angestrebt wird. Mit dem Beschluss wird die Landkreisverwaltung mit der Koordinierung und Konkretisierung der weiteren Umsetzungsschritte beauftragt. Außerdem soll der Erfolg der Klimaschutzstrategie durch jährliche Energieberichte und eine Fortschreibung der Energie- und CO2-Bilanz überprüft und bewertet werden.

An dem Masterplan für die Region Weserbergland sind neben dem Landkreis Hameln-Pyrmont auch die Landkreise Holzminden und Schaumburg beteiligt. Sie zählen bundesweit zu 22 Modellkommunen, die sich zu den oben genannten Zielen verpflichtet haben. Für die Umsetzung des Masterplanes sollen in jedem der drei Landkreise ein Masterplan-Manager installiert und eine Stelle für die Gesamtkoordination geschaffen werden.

Da der Masterplan im Rahmen einer Exzellenzinitiative gefördert wird, müssen die Landkreise Hameln-Pyrmont und Schaumburg nur jeweils zehn Prozent, der Landkreis Holzminden anteilig nur fünf Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 915 824 Euro tragen. Der Kofinanzierungsanteil des Landkreises Hameln-Pyrmont soll nach Darstellung der Landkreisverwaltung aus dem Etat der Klimaschutzagentur Weserbergland gedeckt werden. Kernelemente des Energiekonzepts sind die Reduzierung der Treibhausgase um 95 Prozent bis 2050, die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch auf 60 Prozent sowie die Halbierung des Primärenergieverbrauchs. Zum Primärenergieverbrauch gehören das Produzieren, Heizen, Kühlen, Bewegen, die elektronische Datenverarbeitung, die Telekommunikation und die Beleuchtung.
Zum Masterplan-Konzept
gehören acht Arbeitspakete

1. Entwicklung eines Klimaschutzszenarios für die Region;
2. Überarbeitung und Entwicklung des Maßnahmenkatalogs;
3. Einbindung von und Austausch mit relevanten Akteursgruppen;
3 begleitende Öffentlichkeitsarbeit;
5. Austausch und Kooperation mit der wissenschaftlichen Begleitung;
6. Aufbau gemeinsamer Strukturen zur Steuerung und Umsetzung des Vorhabens;
7. Erstellung der Energie und CO2-Bilanz sowie
8. die Ermittlung und Erläuterung der Potenziale zur Minderung der Treibhausgase.

Der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Endenergieverbrauch lag laut Klimaschutzagentur in unserer Master-Region im Jahr 2015 erst bei 14 Prozent. Noch dominiert dabei die Biomasse vor allem im Wärmebereich mit über 60 Prozent Anteil vor der bei der Stromerzeugung mit kräftigen Wachstumsraten ausgestatteten Windenergie mit 12 und der Solarenergie mit neun Prozent. Der energiebedingte Ausstoß von Treibhausgasen lag nach diesen Angaben in der Master-Region bei 9,6 Tonnen pro Einwohner, 0,4 Tonnen mehr als im Bundesdurchschnitt. Der Landkreis Hameln-Pyrmont liegt dabei mit 7,3 Tonnen weit unter dem Bundesdurchschnitt, Holzminden mit seinen energieintensiven Betrieben (Glas, Gips und Duftstoffe) dafür mit 12,9 Tonnen weit darüber. Auch die Schaumburger liegen mit 10,2 Tonnen noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Während die Klimaschutzagentur Weserbergland einen Überschuss der Erneuerbaren Energien im Bereich Strom sieht, beschreibt sie das Potenzial aus ihnen für Wärme und Kraftstoffe als begrenzt. Dies zeige die Notwendigkeit einer Elektrifizierung der Energieversorgung in den Sektoren Wärme und Mobilität, „ohne die die Energiewende nicht umsetzbar ist“. Um die Treibhausgase um 95 Prozent zu reduzieren, sei eine Energieversorgung aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien aber die Voraussetzung.

Angenommen wurde der Masterplan mit vier Gegenstimmen und einer Enthaltung. Sie kamen alle von der AfD-Fraktion. Die AfD hält die Ziele für „utopisch“. Es sei technisch nicht möglich, den gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Energien zu decken.

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