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Vorwürfe gegen Kreisverbandschef Manfred Otto: Führungsstil, Sprachjargon, rechte Tendenzen

Ein AfD-Mitglied packt aus

WESERBERGLAND. Die Gräben in der AfD sind tief, das Misstrauen ist groß. Auch ein AfD-Mitglied aus dem Weserbergland, das aus Angst vor Repressalien seinen Namen nicht veröffentlicht wissen will, lässt gegenüber unserer Zeitung kein gutes Haar an den AfD-Spitzen – weder in Niedersachsen noch im Weserbergland.

veröffentlicht am 30.06.2017 um 13:38 Uhr
aktualisiert am 30.06.2017 um 18:46 Uhr

Stehen nun auch parteiintern in der Kritik: Manfed Otto (li.) und Armin-Paul Hampel von der AfD. Foto: Archiv/Dana
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland macht seit vielen Monaten vor allem mit Skandalen und persönlichen Streitereien Schlagzeilen. Eine parteiinterne Revolution in der Niedersachsen-AfD war im März jedoch ausgeblieben – damals gewann der intern angezählte Landeschef Armin-Paul Hampel auf dem Parteitag in Hannover die Kampfabstimmung um den Chefposten mit 56,5 Prozent der Stimmen. Doch Ruhe kehrt nicht ein – die Kritik an Hampel und dessen Getreuen reißt nicht ab.

Auch ein AfD-Mitglied aus dem Weserbergland, das aus Angst vor Repressalien seinen Namen nicht veröffentlicht wissen will, lässt gegenüber unserer Zeitung kein gutes Haar an den AfD-Spitzen – weder in Niedersachsen noch im Weserbergland. Landeschef Hampel und Kreisverbandschef Manfred Otto gelten als „dicke Kumpels“, die einzeln und gemeinsam einen „autoritären Führungsstil“ pflegten und einen „verletzenden Sprachjargon“ hätten. So berichtet das AfD-Mitglied aus dem Weserbergland, dass es innerhalb der AfD Niedersachsen Bestrebungen gebe, das Ruder herumzureißen: „Wir müssen uns von denen trennen. Viele von uns hatten mit den Altparteien und dem Parteienfilz nichts am Hut. Nun stellt sich raus, dass die AfD-Landesspitze ein verschworener Klüngel ist. Viele merken jetzt, dass die AfD mit ihren Machenschaften auch nicht das richtige politische Zuhause ist.“

Viele merken jetzt, dass die AfD mit ihren Machenschaften auch nicht das richtige politische Zuhause ist.

AfD-Mitglied, (Name der Red. bekannt)

Und der Informant aus den Reihen der AfD sagt voraus: „Wenn die Landesliste so durchkommt, wie die Hampels und die Ottos sich das vorstellen, dann werden viele AfDler aus dem Kreisverband Weserbergland austreten.“ Es rumort nach diesen Angaben schon länger im Kreisverband Weserbergland, „weil Otto die Aufnahme von Neu-Mitgliedern verhindert, weil Otto den Spitzenkandidaten Hampel in Hameln installiert hat, um eine eher gemäßigte Kandidatin zu verhindern, und weil Otto gemeinsam mit Delia Klages seit Wochen durch die Kreisverbände zieht und die beiden für sich als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 werben“. Aber weder Otto noch Klages seien die richtigen Landtagskandidaten. Der AfD-Mann aus dem Weserbergland, der selbst keine Ambitionen auf eine Kandidatur im Land oder Bund habe, wörtlich: „Wenn Manfred Otto in den Landtag einziehen sollte, wäre das ganz schlimm, das geht gar nicht. Dann ist Schluss für mich.“ Der Aufstellungs-Parteitag für die Landtagswahl soll nach diesen Informationen im August in der Hessisch Oldendorfer Baxmann-Halle stattfinden.

Aktuell habe der Kreisverband rund 80 Mitglieder, sagt unser Informant, zehn Mitglieder habe der Kreisverband in jüngster Zeit wegen Ottos Führungsstil bereits verloren. Und mit Rico Lütdke, Hartmut Seeger (Stadtrat Hameln) und Herbert Rappe (Kreistag Holzminden) auch gleich noch drei Mandatsträger. Unser Gesprächspartner aus der AfD kritisiert, dass Otto in einigen Fällen die Aufnahme von Neu-Mitgliedern mit den Worten „wir brauchen keine neuen Mitglieder“ verhindert haben soll. Und Hampel soll auf dem Parteitag im März nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ intern angedeutet haben, AfD-Mitglieder mit Parteiordnungsverfahren überziehen zu wollen, wenn sie sich gegenüber der Presse negativ über die Partei oder Parteimitglieder äußern sollten.

Mehrere Kreisvorstände und AfD-Mitglieder werfen Hampel wie auch Otto schlechte Organisation und autoritären Führungsstil vor. So soll ein Mitglied der AfD bei der Aufstellungsversammlung zur Kommunalwahl über Otto gesagt haben: „Der regiert wie ein Sonnenkönig“ – und daraufhin entsprechend angegangen worden sein.

Das AfD-Mitglied aus dem Weserbergland spricht von einem „Otto-Sumpf“, von „Kungel-Touren“ und „Posten-Filz“ sowie von einer Entwicklung der AfD „zur NPD zwei Punkt null“. Und warum macht man dann dennoch weiter? Antwort: „Ich will eine AfD Weserbergland ohne nationalistische Tendenzen und ohne Manfred Otto. Die stramm Rechten in der AfD spinnen jedoch dicke Seile.“ Und: „Wenn sich nichts ändert, dann trete ich aus.“ Im Übrigen fühle er sich nicht allein: Viele AfDler würden so denken wie er: „Es steht eine Austrittswelle bevor. Das führt zur Spaltung des AfD-Kreisverbandes Weserbergland.“

Mein Standpunkt
Thomas Thimm
Von Thomas Thimm

Parteiinterner Streit ist immer so eine Sache: Wem soll man glauben? Das soll eine Partei zunächst mal mit sich selbst ausmachen. Rechtsextreme Tendenzen müssen dagegen an den Pranger – sie gehören schließlich auf den Müllhaufen der Geschichte.



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