weather-image
23°

Mit jedem Regentag sinkt die Qualität des Korns / Handel findet praktisch derzeit nicht statt

Dunkle Wolken hängen über Weizenfeldern

Hessisch Oldendorf (pj/bj). Die Ernte kommt in diesem Sommer nur schleppend voran. Immer wieder machen es Regenschauer unmöglich, das reife Getreide zu mähen. Seit Donnerstag stehen die Mähdrescher im Weserbergland wieder still. Das Tiefdruckgebiet hatte wieder ergiebige Regenfälle im Gepäck. Von Freitag bis Sonntag fielen in Hessisch Oldendorf 20 Millimeter Niederschlag, wie Karen Diers-Möller dem Betriebstagebuch ihres Mannes Cord Möller, dem Hessisch Oldendorfer Bezirkslandwirt, entnimmt.

veröffentlicht am 16.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:21 Uhr

270_008_4711382_lkho103_1608.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Bauern hoffen aber nicht nur auf die Sonne, damit sie wieder raus auf ihre Felder fahren können. „Es wäre wichtig, dass auch ein leichter Wind weht, dann kann das Getreide besser abtrocknen“, erklärt Karen Diers-Möller. Allerdings muss der Ackerboden auch tragen, denn stellenweise ist von der Nässe die Oberfläche recht schmierig und für die schweren Mähdrescher nicht befahrbar. „Wir brauchen zwei trockene Tage, dann kann die Ernte weitergehen“, sagt Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock.

Dabei hat es die heimischen Landwirte bisher nicht so arg getroffen wie die Berufskollegen in anderen Regionen. Im Norden an der Küste liegt noch der Raps in Schwaden, das heißt, er ist vor Wochen gemäht worden und liegt jetzt in Reihen auf dem Feld. Kein Gedanke daran, ihn zu dreschen. Mit dem Weizen ist es genauso katastrophal: Er ist von Regen und Sturm an den Boden gerückt, das Wasser steht auf dem Land. Kein Wunder, dass man beim Landvolk davon ausgeht, dass die Getreideernte in diesem Jahr in Niedersachsen mit fast genau fünf Millionen Tonnen so klein ausfallen wird wie schon seit Jahren nicht mehr. Erste Prognosen der amtlichen Ernteberichterstattung gehen davon aus, dass die gesamte Ernte in Niedersachsen etwa 5,04 Millionen Tonnen betragen wird. Dieser Wert wurde nur 1976 unterschritten. Damals konnten die Bauern 4,4 Millionen Tonnen einfahren. Lange Trockenheit hatte damals für eine schlechte Ernte gesorgt.

Allerdings lagen in den 70er Jahren die Durchschnittserträge mit 40 Doppelzentner pro Hektar weit unter heutigem Niveau. In mittleren und guten Jahren werden zwischen 60 und 80 Doppelzentner pro Hektar geerntet. Im Weserbergland, schätzt Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock, dürften 50 Prozent der Weizenfelder abgeerntet sein. Das Korn ist groß und schwer, bis zum Donnerstag letzter Woche war auch die Fallzahl noch gut, der Weizen backfähig. „Wenn wir noch eine Woche Regen haben, dann hat der Weizen nur noch Futterqualität“, erklärt der Kreislandwirt. Und das kennen die heimischen Bauern aus dem Vorjahr, da war das Korn ausgewachsen und wurde teilweise zu den Biogasanlagen gefahren.

Was den Preis für den Weizen anbelangt, so hat er nicht mehr das Niveau wie vor der Ernte. „Von 23 Euro sind wir weit entfernt“, sagen die Landwirte. Karl-Johann Stukenbrock sieht „Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise, es findet derzeit kein Handel statt.“ Er spricht von einer großen Unsicherheit, es werde kein Korn gehandelt und auch keins gefahren, wie er vom Spediteur erfahren habe. „Keiner hängt einen Preis raus, alle sind in Deckung“, beschreibt Karl-Johann Stukenbrock die Situation. Bei Gesprächen mit Landwirten wird ein Weizenpreis von 18 bis 19 Euro pro Doppelzentner genannt.

Was nicht mehr zu leugnen ist, die Fläche für den Maisanbau ist auch im Weserbergland weiter gewachsen. Waren es im Vorjahr nach Auskunft des Kreislandwirts zwischen 12 und 13 Prozent der Ackerfläche, die mit Mais bestellt wurde, „so wird es in diesem Jahr noch mehr sein“, wie Karl-Johann Stukenbrock bestätigt. Mit jeder neuen Biogasanlage nehmen zwangsläufig auch die Flächen zu, auf denen Mais angebaut wird. „Durch seinen hohen Wuchs fällt er natürlich mehr ins Auge als andere Feldfrüchte, der Weizen ist immer noch die Hauptfeldfrucht im Weserbergland“, so Stuckenbrock.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?