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Haft und Bewährungsstrafen

Drei Jahre nach Prügelei in Lügde: Vier Schläger verurteilt

HANNOVER /LÜGDE / BAD PYRMONT. Rund drei Jahre, nachdem drei von ihnen einen damals 15 Jahre alten Schüler auf einem Parkplatz am Rande von Lügde krankenhausreif geschlagen und getreten haben sollen, sind am Montag vier junge Pyrmonter vor dem Landgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

veröffentlicht am 12.02.2018 um 21:18 Uhr

Die vier Angeklagten wurden vor dem Landgericht Hannover verurteilt. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Zu dem Treffen auf dem Parkplatz war der Lügder Jugendliche zitiert worden. Wie es Richter Stefan Lücke am Montag ausdrückte, soll der Schüler durch verächtliche Äußerungen über einen Mitschüler dessen Schulzeugnis in Gefahr gebracht haben. Da klinkte sich dessen älterer Bruder ein.

Ein erstes abendliches Treffen auf dem Parkplatz soll die Angelegenheit zunächst gewaltlos bereinigt haben. Eine weitere Äußerung des Lügders ließ den Ärger in den Folgetagen jedoch offenbar wieder hochkochen. Er wurde einige Tage später erneut zum Treffpunkt zitiert. Dort sahen er und sein Begleiter sich dann zunächst dem großen Bruder des Mitschülers und einem anderen Pyrmonter gegenüber. Und die beiden hatten weitere Verstärkung dabei: Aus dem Gebüsch sprangen zwei Maskierte und attackierten den 15-Jährigen mit weiteren Schlägen und Tritten. Sein Kumpel (19) kam mit einem Kopfstoß und einer leichten Gehirnerschütterung davon.

Der Hauptgeschädigte hingegen erlitt neben einem Schädel-Hirn-Trauma Knochenbrüche hinter dem Auge und ein gebrochenes Nasenbein. Der Jugendliche lag damals einige Zeit im Krankenhaus und musste operiert werden. Bleibende körperliche Schäden trug er glücklicherweise nicht davon.

Nach dem Urteil des Amtsgerichts Hameln gegen den hauptangeklagten großen Bruder sowie drei Freisprüchen für die anderen Beklagten wegen nicht nachzuweisender Tatbeteiligung ging die Staatsanwaltschaft in Berufung. Ihr erschien das Urteil deutlich zu milde.

Die höchste Strafe bekam am Montag nun der älteste Angeklagte: Der heute 27-Jährige soll für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Er hatte nach Feststellung der Kammer am 31. Januar 2015 zwar nicht selbst geprügelt und die anderen schließlich sogar zum Aufhören gebracht. Was jedoch laut Richter Stefan Lücke gegen ihn sprach: Auf sein Betreiben hin soll das Quartett vorher schlagverstärkende Quarzsandhandschuhe beschafft haben. Zudem soll er zu Beginn des Treffens das spätere Opfer und dessen Begleiter provoziert haben. Außerdem ist der einschlägig polizeibekannte Pyrmonter erwachsen. Da werden solche Delikte strenger abgeurteilt als bei Jugendlichen. Seine rechtsfeindliche Einstellung lasse nicht auf eine günstige Sozialprognose schließen, befand die Kammer. Sein Verteidiger Andreas Chlosta sah den Tatworwurf als nicht erwiesen an. Oberstaatsanwalt Peter Klages hatte für den 27-Jährigen zwei Jahre Haft gefordert.

Der jüngere Bruder (22) dieses Angeklagten galt zur Tatzeit zwar noch als heranwachsend. Aber auch er soll ins Gefängnis: Ein Jahr Jugendstrafe lautete das Urteil gegen ihn, wegen der „erheblichen Brutalität“ seines Handelns und seines „mehr als einschlägigen Vorstrafenregisters“.

Die Anklage hatte für den 22.-Jährigen auf 18 Monate Jugendstrafe plädiert. Verteidiger Marco Neumann will Revision einlegen. Er sah die Beweise als nicht ausreichend für eine Verurteilung an und führte ins Feld, sein Mandant sei seit 2014 zu keiner Freiheitsstrafe mehr verurteilt worden. Damals soll er – ebenfalls maskiert – ein Mädchen attackiert attackiert haben, das ihn zuvor in einer Kneipe abblitzen ließ. Im aktuellen Prozess wurde der 22-Jährige im Gerichtssaal vorgeführt. Nach einem neuerlichen Körperverletzungsdelikt sitzt er seit November als Beschuldigter in Untersuchungshaft.

Der heute 20 Jahre alte große Bruder des Mitschülers, um den es ursprünglich ging, kam am Montag relativ glimpflich davon: Seine achtmonatige Jugendstrafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Für ihn hattedie Anklage 15 Monate Jugendstrafe auf Bewährung gefordert. In erster Instanz hatte ein Jugendrichter des Amtsgerichts Hameln ihm – als damals einzigen Verurteilten – eine Woche Dauerarrest und eine Zahlung von 250 Euro auferlegt.

In seiner Aussage bei der Polizei hatte sich der damals 17-Jährige teilweise geständig gezeigt und seine Mittäter belastet. Richter Lücke sah den Auszubildenden mittlerweile auf einem „guten Weg“.

Der Vierte im Bunde – er soll bei dem Angriff auf dem Parkplatz der zweite Maskenträger gewesen sein – kam mit sechs Monaten Jugendstrafe auf Bewährung davon. Seine Schuld schätzte die Kammer als etwas geringer ein. Dafür muss der heute 22-Jährige dem damaligen Opfer 900 Euro Schmerzensgeld zahlen. Sein 20 Jahre alter Kumpel ist hier mit 600 Euro dabei. Er muss überdies 300 Euro an die Opferhilfe-Organisation „Weißer Ring“ zahlen.

Zum Schluss machte Richter Lücke den beiden jüngsten Delinquenten klar: Werden sie in den nächsten drei Jahren erneut kriminell oder erfüllen die Auflagen nicht, dann wird die Bewährung widerrufen.

Der Antrag des Verteidigers Jerrit Schöll – er vertrat den vierten Angeklagten – zur Anhörung eines weiteren Zeugen erwies sich dagegen am Montag als weitgehend folgenlos. Der vor zwei Jahren nach Brandenburg verzogene 19-Jährige behauptete, generell nichts über den Vorfall zu wissen, bei dem er nicht dabeigewesen sei. Daran änderte auch die Verlesung einer von seinem Handy geschriebenen Nachricht nichts. In der SMS hatte er dem Lügder Schüler gedroht: „Nächstes Mal wird nicht geredet.“ Der Zeuge wurde am Montag unvereidigt entlassen.

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