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Zweckverband Hameln-Pyrmont vom Land für Modellprojekt auserkoren / 185 000 Euro Fördergeld

Die VHS will jetzt Bildungswillige aufspüren

Hameln-Pyrmont. Was dahintersteckt, ist nur schwer zu verstehen und auch Rolf Becker, Direktor des Zweckverbandes Volkshochschule (VHS) Hameln-Pyrmont, hatte Mühe, den tieferen Sinn der „Orientierungshilfe für lebenslanges Lernen schaffen – Modellprojekte für Bildungsberatung einrichten“ in verständliche Worte zu fassen. Fakt ist: Für die Umsetzung dieses Projektes, das bis zum 31. Dezember 2012 befristet ist, gibt es finanzielle Unterstützung vom Land.

veröffentlicht am 08.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 12:26 Uhr

Mindestens einmal im Monat will die VHS demnächst in jeder Stadt
Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite
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Die VHS Hameln-Pyrmont ist für die hiesige Region ausgewählt worden, die Bildungsberatung modellhaft zu entwickeln. Und dafür fließt Geld, angesichts leerer öffentlicher Kassen sogar viel Geld, denn das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Projekt mit 185 000 Euro allein für die heimische VHS. Der Landkreis Hameln-Pyrmont sowie die VHS selbst unterstützen das Projekt der Landesregierung „zum Aufbau eines niedersächsischen Netzwerks, regionaler, unabhängiger Bildungsberatungsmodelle“ mit jeweils 40 000 Euro. Drei Stellen sind dafür bereits beim VHS Zweckverband Hameln-Pyrmont geschaffen worden.

Der Aufbau eines flächendeckenden Bildungsnavigationssystems ist der Landesregierung insgesamt 1,6 Millionen Euro wert. „Die in die regionalen Netzwerke eingebundenen Beratungsstellen sollen das vorhandene Bildungsangebot transparenter machen und die regionale wie auch landesweite Bildungsberatung bedarfsgerecht weiterentwickeln. Besonders geschulte Beraterinnen und Berater können den Ratsuchenden passgenaue Angebote machen und sie durch den Dschungel von Möglichkeiten lotsen“, umschreibt Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) das Vorhaben: „Mit unserem Ansatz wollen wir in Zukunft das gesamte Spektrum des Bildungswesens erfassen und den Menschen Hilfestellung geben, ihren Bildungsweg nach der Schule individuell und erfolgreich weiter zu gestalten“. Aus der zunehmenden Bedeutung der Bildung und dem Ausbau der Bildungsbereiche ergebe sich ein erhöhter Beratungsbedarf. Die große Vielfalt an Bildungsangeboten und -möglichkeiten erfordere ein offenes und qualitativ hochwertiges Netz an Beratungsstellen.

Rolf Becker ist zunächst einmal stolz, dass sein Zweckverband für die hiesige Region ausgewählt worden ist, die Bildungsberatung modellhaft zu entwickeln – als einer von insgesamt acht im gesamten Land Niedersachsen. „Der Schwerpunkt der Bildungsberatung vor Ort soll dabei auf der Individualberatung liegen“, umschreibt der Verbandsdirektor das Aufgabengebiet. Deshalb solle schon bald die „Beratungsaktivität in die Fläche getragen werden“, betont er zudem und kündigt Anlaufstellen „in jeder Stadt und Gemeinde des Landkreises Hameln-Pyrmont“ an.

„Dort sollen dann nach und nach umfassende Kenntnisse über die Zielgruppen und deren Bildungsverhalten aufgebaut werden“, erläutert Becker. Denn diese Kenntnisse sollen die Bildungsberatungsstellen nutzen, um auch Bildungsträgern, Institutionen und Betrieben beratende Unterstützungsleistung im Hinblick auf Bildungsangebot, Angebotslücken, Ermittlung des Weiterbildungsbedarfes anzubieten sowie Betriebe auf passgenaue Weiterbildungsmaßnahmen hinzuweisen – das Ganze unter dem Namen „Bildungsberatung Weserbergland“. Zum Kompetenzteam der VHS Hameln-Pyrmont gehören die beiden Diplompädagoginnen Ilka Meinecke und Dunja Stock sowie der Informatiker Thomas Amelung.

Die Bildungsberatung Weserbergland will aber nicht nur beraten, sondern auch begleiten, helfen und unterstützen, wie es Becker formuliert. Und ergänzend fügt er noch hinzu: „Sie richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger sowie an kleine und mittlere Unternehmen.

Ziel sei es, Fragen zu Bildungsmöglichkeiten, Anbietern, Rahmenbedingungen, Kosten, Fördermöglichkeiten oder gesetzlichen Grundlagen „soweit möglich zu beantworten und weiter zu helfen. Wir wollen mindestens einmal im Monat in jeder Stadt und Gemeinde vor Ort Bildungsberatung anbieten“, betont der Verbanddirektor noch einmal.

Denn die Fachkompetenz der Beraterinnen und Berater, die unter anderem durch ihre jahrelange Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und ihre Erfahrungen in der „Lernenden Region“ umfangreiches Wissen und Kenntnisse über den regionalen und überregionalen Bildungs- und Arbeitsmarkt mitbrächten, mache es der Bildungsberatung Weserbergland möglich, über Veränderungen von Berufsbildern ebenso informieren zu können wie über Fördermöglichkeiten, Schwerpunkte regionaler Einrichtungen.

Auch interkulturelle Kompetenz sei für das Beraterteam kein Fremdwort, weshalb der Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur von großer Bedeutung sei, „sondern auch für die Informationsvermittlung zu Fragen wie Arbeiten im Ausland oder der Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen“, wie Becker erklärt. Die Frage, ob unter dem Namen „Bildungsberatung Weserbergland“ eine Konkurrenz zum Jobcenter erwächst, verneint der VHS-Verbandsdirektor entschieden: „Ganz im Gegenteil: Wir sehen uns als Partner, arbeiten eng miteinander zusammen.“

Durch die Anbindung der Bildungsberatung an die VHS sei zunächst noch keine völlig trägerunabhängige Beratung gegeben. „Ziel ist es aber, durch flankierende Qualitätssicherungsmaßnahmen sowie durch Evaluation dazu beizutragen, dass die Bildungsberatung Weserbergland perspektivisch als eigenständige Einrichtung geführt werden kann“, sagt Becker, der nun vor dem Problem steht, wie er dieses neue und schwer verständliche Angebot „draußen“ vermarkten und an den bildungswilligen Bürger oder die bildungswillige Bürgerin bringen kann. „Wir werden uns was einfallen lassen müssen und es zunächst mit Printanzeigen versuchen“. Ach ja: Das nicht unerhebliche Fördergeld wird für „Personal- und Sachkosten“ benötigt, wie Rolf Becker auf Nachfrage erklärt.

„Für uns als Bildungsträger ist die Bildungsberatung Weserbergland interessant, weil die einzelnen Möglichkeiten weiten Teilen der Bevölkerung bekannt werden und die Zusammenarbeit über den Landkreis hinaus gefördert wird. Wir haben deshalb unser Angebot dort sofort platziert. Es ist für uns eine weitere Plattform“, lobt Wolfgang Meyer das neue Angebot.

Allerdings hegt der Impuls-Geschäftsführer auch Zweifel: „Ob diese Bildungsberatung auf Bedarf stößt, bleibt abzuwarten. Ich hoffe das aber.“

Michael Stolpe, Pressesprecher des Jobcenters Hameln-Pyrmont, bezeichnet schon den Programm-Titel als schwierig. „Orientierungshilfe für lebenslanges Lernen schaffen – Modellprojekte für Bildungsberatung einrichten; da hätte man sich etwas Griffigeres einfallen lassen können.“

Bei lernwilligen Bürgern könne das neue Angebot auf Zuspruch stoßen, doch stellt Stolpe auch unmissverständlich klar: „Für die Kunden des Jobcenters sind wir der Ansprechpartner Nummer eins. Und das wird auch so bleiben.“

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