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Ehemaliger Landrat von Hameln-Pyrmont verstorben / Diszipliniert, gehorsam und geradlinig

Die Region trauert um Karl Heißmeyer

Emmerthal. Mit großer Bestürzung haben Freunde und Weggefährten auf den Tod von Karl Heißmeyer reagiert. Der langjährige Kommunalpolitiker und ehemalige Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont war nach schwerer Krankheit am Dienstag im Alter von 73 Jahren verstorben.

veröffentlicht am 27.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 09:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Heißmeyer, ehemaliger Bundeswehr-Offizier, folgte in seinem ganzen Leben Grundsätzen, die als preußische Tugenden gelten: Disziplin, Gehorsam und absolute Aufrichtigkeit. „Verrat gibt es für mich nicht“, hat er einmal gesagt. Und in der Tat waren Heißmeyer, der über 40 Jahre der SPD angehörte und auch 15 Jahre lang Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Emmerthal war, parteipolitisches Taktieren und Intrigenschmieden ebenso fremd wie er den Verlockungen der Macht widerstand: Nie nahm er einen der gut dotierten Aufsichtsratsposten an, die ihm regelmäßig angeboten wurden.

Als Landrat und damit oberster Repräsentant des Landkreises fühlte Heißmeyer sich stets allen Bürgern verpflichtet. Und auch dem Ausgleich der parteipolitischen Gegensätze, weshalb er stets bemüht war, Polarisierungen abzuschwächen und Gemeinsamkeiten herzustellen. Aufrichtig, geradlinig, anständig – das waren die Attribute, die ihn am stärksten charakterisieren. In seine Ämter hat er sich nie gedrängt, sich aber auch nicht verweigert, wenn die Partei ihn brauchte – er ließ sich leiten von einem Pflichtbewusstsein, das ihm geradezu zur zweiten Natur geworden war, war altmodisch im positiven Sinne, gleichbleibend freundlich und niemals belehrend. Dieser Sozialdemokrat von echtem Schrot und Korn konnte trotzdem deutliche Worte deutlich aussprechen – um den heißen Brei herumreden war nicht sein Ding. Und auch wenn sich der eine oder andere in seiner Partei nicht immer mit der Heißmeyerschen Linie anfreunden konnte: Er selbst blieb sich allzeit treu und wurde allein schon deshalb auch von politischen Gegner hoch geachtet. Reden und Grußworte beendete er gern mit den Worten „Gott schütze unser schönes Weserbergland“.

Hans Jürgen Krauß, ehemaliger Oberkreisdirektor, erinnert sich gern an die Zusammenarbeit mit dem Verstorbenen. „Er war geradlinig und bürgernah und stand zu seinem Wort“, erinnert er sich. Auch staatstreu sei Heißmeyer gewesen und habe Ansprachen stets mit einem Bekenntnis zum Grundgesetz beschlossen. „Landrat Heißmeyer war ein guter Repräsentant der Zweigleisigkeit, zu der er stand“, so Krauß rückblickend.

Dank und Anerkennung: MdL Ulrich Watermann zeichnet Karl Heißmeyer für 40-jährige Mitgliedschaft in der SPD aus.

Als in Hameln-Pyrmont die Ära der Eingleisigkeit eingeläutet wurde, trat Heißmeyer, der um seine Person nie ein „Gedöns“ machte, von der politischen Bühne ab. Auch sein Kreistagsmandat legte er nieder – er wollte nicht als „Klugscheißer“ im Kreishaus gelten, der seinem (eingleisigen) Nachfolger ungebetene Ratschläge erteilt, und folgte dem Motto „Diene treu und tritt zur Seite“.

Fortan widmete sich der Naturfreund Heißmeyer – Träger des Verdienstkreuzes am Bande und des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold – vermehrt seinen vier Enkelkindern und seiner Leidenschaft, dem Wald und der Jagd. Er wäre gern Förster geworden, sagte er einmal. Jetzt hatte er Zeit, dieses Hobby zu pflegen – er pflanzte unter anderem Hunderte von Bäumen, vor allem auf dem Rittergut Bisperode.

Mit Karl Heißmeyer haben nicht nur die Sozialdemokraten, sondern die Bewohner einer ganzen Region eine große Persönlichkeit mit Herz und Verstand verloren.

Unvergessen: Karl Heißmeyer bei seiner letzten Sitzung des Kreistages Hameln-Pyrmont, dem er neun Jahre lang als Landrat vorstand.

Foto: wal



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