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Duo betrügt Zigarettenautomaten-Firmen um Ware und Wechselgeld: Bewährungsstrafen vom Landgericht Detmold

Die kriminelle Kunst, Geldscheine zu falten

WESERBERGLAND/DETMOLD/ BAD PYRMONT. Origami ist die japanische Kunst des Papierfaltens, und sie hat in aller Welt Anhänger. Ob die beiden Spitzbuben auf der Anklagebank jemals in Japan waren, darf man bezweifeln. Fest steht: Sie können Geldscheine falten, und zwar so kunstvoll, dass sie damit Zigarettenautomaten überlistet haben. Der Schaden ist nicht von Pappe, die Strafe, die das Landgericht Detmold gegen sie verhängt, auch nicht, gleichwohl aber einigermaßen milde.

veröffentlicht am 05.09.2021 um 09:00 Uhr

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Mit ein bisschen Talent kann man mittels Origami bewundernswerte Objekte aus simplem Papier schaffen. Vielleicht sogar Miniatur-Zigarettenautomaten. Der 42-Jährige aus Löhne und der 55-Jährige aus Bielefeld, die in Detmold vor dem Landgericht stehen, sind alles andere als auf den Kopf gefallen beim kreativen Falten von Geldscheinen. Die Staatsanwaltschaft verzichtet in dem Prozess am Freitag aus nachvollziehbaren Gründen darauf, das Faltmuster öffentlich zu erläutern, mit denen die Angeklagten 10er- und 20er-Euro-Scheine zusammenfalteten – so kunstvoll, dass sie zwar an etlichen Zigarettenautomaten jeweils ein paar Schachteln samt Wechselgeld bekamen, ihren eigenen Schein aber unbeschadet wieder aus dem Kassenschlitz herausziehen konnten. Ein effektives und einträgliches Geschäftsmodell, mit dem die beiden durch das Weserbergland und Ostwestfalen-Lippe bis hinunter nach Nordhessen zogen und laut Anklage etwa Beute im Wert von 12 000 Euro „einsackten“ – unter anderem auch in Bad Pyrmont.

Etwa 150 Zigarettenautomaten hatten die beiden, mal alleine, mal zusammen, innerhalb von drei Monaten heimgesucht. Auf die Art, die vom Gericht mit Listigkeit umschrieben wurde – vom technischen Leiter einer der geschädigten Firmen als Zeuge, wesentlich prägnanter: „Wir haben mit unseren Automaten versucht, das nachzumachen. Wir haben es nicht geschafft.“ „Hohe kriminelle Energie“ schreibt die Strafkammer den beiden ebenfalls zu. Aber wie so oft, wurde diese zunichtegemacht von etwas ganz Banalem: der Unfähigkeit, das Handy abzustellen. Im November 2019 war im ostwestfälisch-niedersächsischen Grenzgebiet bei einer dort ansässigen Firma, die Zigaretten-Automaten betreibt, aufgefallen, dass in den Automaten keine Geldscheine vorhanden waren und der Bestand an Zigaretten nicht mit dem Münzgeld zusammenpasste. Die Polizei kam über eine Funkzellenauswertung auf die Handynummer des Löhners, die an möglichen Tattagen an den Standorten betreffender Automaten eingeloggt war. Den Rest besorgten Telefonüberwachungen und Observierungen, Anfang Februar 2020 griff die Polizei zu. Sie fand in einer Lagerhalle 5000 Schachteln Zigaretten, 23 000 Euro Bargeld und ein paar Automaten, an denen die Angeklagten offenbar ihre Überlistungstechniken ausprobiert hatten.

Sinnlos wäre es gewesen, zu leugnen. Und so legen die beiden ein Geständnis ab, reumütig und aufrichtig, entschuldigen sich, der 55-Jährige vergießt sogar ein paar Tränen. Am Ende eines Strafprozesses steht ein Urteil: Im übertragenen Sinne werden Angeklagte, wenn sie geständig oder überführt sind, von einem Gericht nach allen Regeln der juristischen Kunst zusammengefaltet – hier mit großem Augenmaß und Milde.

Der 42-Jährige bekommt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, der 55-Jährige eine von 22 Monaten. Immerhin, findet Vorsitzender Richter Karsten Niemeyer, hätten sie ja nur die Inhalte der Automaten geplündert, dabei aber nichts kaputtgemacht, wie viele andere Automaten-Knacker sonst – die dann zumeist einen höheren Sachschaden verursachten als der Wert der Beute betrage. Was dem Gericht ebenfalls zur Milde gereicht: Am Ende der Verhandlung blättert Verteidiger Dr. Tobias Diedrich 10 000 Euro in bar auf den Tisch des Anwalts einer Mönchengladbacher Tabak-Firma: Man hat sich während des Prozesses auf einen Vergleich über jene Summe als Schadenersatz geeinigt – und postwendend einen Angehörigen des 42-Jährigen losgeschickt, das Geld zu besorgen. Die anderen Firmen, sagt der Richter, würden ja aus den sichergestellten 23 000 Euro entschädigt.



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