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Ungewöhnlich viele Fälle von spastischer Bronchitis / Grippeimpfung ratsam

Die Erkältungswelle rollt – und vor allem Kinder hat es voll erwischt

Hameln-Pyrmont (kar). Taschentücher haben Hochkonjunktur: Die Nase läuft, die Augen tränen, es wird geschnieft und gehustet. Die erste heftige Erkältungswelle in diesem Winter hat das Weserbergland im Griff. Die Arztpraxen sind voll. Vor allem Kinder hat es erwischt.

veröffentlicht am 19.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 09:21 Uhr

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Der jahreszeitlich bedingte Husten und Schnupfen oder Durchfallerkrankungen sind dabei noch das kleinere Übel: „Auffallend viele Kinder leiden unter spastischer Bronchitis“, hat die Hamelner Ärztin Dr. Maria Kohlhase festgestellt. Während der sprunghafte Anstieg von Erkältungsinfekten sich nicht von dem der Vorjahre unterscheidet, eben leidige Begleiterscheinungen des unbeständigen Herbst- und Winterwetters sind, sind die Atemwegserkrankungen mit spastischem Verlauf problematischer. „Die Kinder müssen inhalieren und werden im schlimmsten Fall mit Antibiotika behandelt“, sagt Dr. Kohlhase. Auch Medikamente aus der Asthma-Therapie kämen in Fällen von Atemnot bei der spastischen Bronchitis zum Einsatz.

Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) bestätigt, dass die Zahl der Atemwegserkrankungen in den letzten Tagen landesweit stark angestiegen ist. Die Kinderärzte haben alle Hände voll zu tun. Vor allem im Norden und im Süden Niedersachsens hätten virale Infektionen deutlich zugenommen: „Wir haben einen hohen Krankenstand, aber bisher wurden noch keine Influenza-Viren nachgewiesen“, sagt Markus Kirchner, Infektionsepidemiologe beim NLGA: „Damit rechnen wir erst zum Jahresanfang 2011.“ Aber auch die aktuelle Erkältungswelle werde überwiegend durch Viren übertragen, nur vereinzelt durch Bakterien, so Kirchner. Derzeit liege der Krankenstand in niedersächsischen Kitas bei 11,1 Prozent. In der Vorwoche betrug die Quote noch 9,8 Prozent. „Mit einem weiteren Anstieg der Erkrankungen ist zu rechnen“, befürchtet Kirchner.

Wie kann man Kinder vor Infektionen schützen? „Hundertprozentig ausschließen kann man Ansteckungen nie“, sagt Dr. Kohlhase. Aber es helfe, folgende Tipps zu beachten: „Auf eine gesunde und ausgeglichene Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten, für viel frische Luft und Bewegung sorgen. Außerdem müssen Kinder viel trinken und ausreichend schlafen,“ sagt die Hamelner Ärztin. Sei ein Kind besonders anfällig für Infekte, sollte es jetzt besser größere Gruppen meiden.

Auch wenn bislang in Hameln-Pyrmont noch keine Influenza-Viren gemeldet wurden – die Grippe-Impfung ist ein Thema: „Ältere oder Risikopatienten wie chronisch Kranke oder Schwangere sollten sich unbedingt impfen lassen“, rät Dr. Matthias Fussek vom Gesundheitsamt des Landkreises. Erstmals enthält der Influenza-Impfstoff für diesen Herbst und Winter Komponenten des Erregers H1N1, der unter der Bezeichnung Schweinegrippe im vergangenen Jahr die saisonale Influenza nahezu komplett verdrängt hatte. Weitere Komponenten des aktuellen Grippeserums sind H3N2 und Bestandteile der B-Gruppe. Die Vermutung, dass der H1N1-Impfstoff Pandemrix, der nach der Eindämmung der Schweinegrippe massenweise übrig geblieben war, dem aktuellen Grippeimpfstoff beigemischt worden sei, weist Infektionsepidemiologe Kirchner weit von sich: „So etwas ist technisch gar nicht möglich.“

Auch wenn die Schweinegrippe kein Thema mehr ist, die Beimischung des H1N1-Stoffes sei sinnvoll, sagt Dr. Fussek vom Gesundheitsamt Hameln-Pyrmont. Der Grund: ein Restrisiko. „Die Pandemie ist zwar beendet, aber man weiß nicht, wie es weitergeht und ob das Virus nicht noch einmal aufflammt.“



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