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Jörg Farr bleibt Landrat in Schaumburg – Wahlbeteiligung ein Debakel

Die Ein-Mann-Show

SCHAUMBURG. Diese Wahl blieb ohne Überraschung: Der neue Landrat im Kreis Schaumburg ist auch der alte Landrat – Jörg Farr war am Sonntag allerdings auch der einzige Kandidat, mit SPD-Parteibuch, von der CDU unterstützt. Was sich dann auch in der Wahlbeteiligung niederschlug: Nur gut 22 Prozent der 130 000 Wahlberechtigten gingen zu dieser Ein-Person-Wahl, die sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten konnten – ein Debakel.

veröffentlicht am 09.09.2018 um 21:19 Uhr

Gratulationen auf der Wahlparty in Stadthagen: Jörg Farr ist und bleibt Landrat von Schaumburg. Foto: PR

Autor

Felix David Reporter
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In den letzten Wochen hätten ihm viele Menschen auf die Schulter geklopft – er sei der einzige Kandidat, und deshalb „schon durch“. Viele Menschen „habe das demotiviert, zur Wahl zu gehen“, erklärte Farr am Wahlabend gegenüber den „Schaumburger Nachrichten“ die niedrige Wahlbeteiligung.

Nur ein Name auf dem Wahlzettel? Das klingt ein bisschen nach Ein-Parteien-Staat, rührte jedoch eher daher, dass auch der Kreisverband der CDU Farr unterstützt und auf einen eigenen Kandidaten verzichtet hatte. Die kuriose Situation hat auch mit den politischen Verhältnissen in Schaumburg zu tun. CDU und SPD arbeiten hier im Kreistag seit Langem eng zusammen. Farr habe nie Parteipolitik gemacht, lobte denn auch der CDU-Kreisvorsitzende Klaus-Dieter Drewes gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Auch die in Schaumburg existierende Wählergemeinschaft hat keinen Gegenkandidaten gefunden. Sprecher Heinrich Sasse sagte, ein Kandidat sollte antreten, wenn er eine Chance habe. Aber nur anzutreten, um dann haushoch zu verlieren, das sei Unsinn. „Das Kommunalwahlrecht lässt es ausdrücklich zu, dass es nur einen Kandidaten für das Amt des Landrates gibt“, klärte der Geschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Joachim Schwind, vor der Wahl auf.

Erwartungsgemäß bleibt Farr nun Verwaltungschef im Landkreis Schaumburg. Im Ergebnis wählten von den wenigen Wählern 84,7 Prozent den 55-jährigen Amtsinhaber Farr, 15,3 Prozent stimmten mit „Nein“. Extrem niedrig fiel mit 22,3 Prozent die Wahlbeteiligung aus. Nur knapp 30 000 machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. „Mit 84,7 Prozent nicht zufrieden zu sein, wäre vermessen“, sagte der alte und neue Landrat am Abend. Natürlich gäbe es auch Menschen, die mit seiner Arbeit nicht einverstanden seien oder aus ganz anderen Gründen mit Nein gestimmt hätten – beispielsweise, weil sie mit der Bundespolitik nicht einverstanden seien. Niedrige Wahlbeteiligungen haben in Schaumburg aber auch Tradition: Bei der letzten Landratswahl, als es Farr mit zwei Gegenkandidaten zu tun hatte, lag die Wahlbeteiligung auch nur bei 33,7 Prozent.

Farr selbst verweist auf seine Erfolge. Zum Beispiel habe der Landkreis eine der geringsten Schulabbrecherquoten im Land. Dazu soll der Breitbandausbau Ende des Jahres abgeschlossen sein. Und 7000 zusätzliche Arbeitsplätze seien entstanden. „Ich arbeite überparteilich und versuche, alle mitzunehmen“, sagte Farr im Wahlkampf, der streng genommen gar keiner war.

Der SPD-Politiker war am 31. Oktober 2010 mit 60,4 Prozent der Stimmen zum Landrat gewählt worden. Bereits seit 1982 ist der gebürtige Schaumburger beim Landkreis beschäftigt. Nun bleibt er in Amt und Würden.



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