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Bewohner des Wigand-Hauses ziehen in neues Lebenshilfezentrum an Hamelner Weserpromenade

„Die Dorfgemeinschaft wird sie vermissen“

Lauenstein (sto). Regale, Betten, Matratzen, Koffer, Kartons, Stühle und Tische vor dem Haus, innen fast ausgeräumte Zimmer und einzelne Möbelstücke im Flur, die auf den Abtransport warteten. Ein lang geplantes Ereignis wurde am vergangenen Montag in die Tat umgesetzt – der Umzug der Bewohner des „Dr.-Wolf-Wigand-Hauses“ von der Ithstraße 1 in das neue Lebenshilfezentrum an der Weserpromenade in Hameln.

veröffentlicht am 10.01.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:41 Uhr

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Bereits seit 2011 wissen die Bewohner, dass sie Anfang 2013 ihr Domizil verlassen müssen. Trotzdem war es nun kein leichter Abschied für sie. „In dem Wohnheim habe ich mich geborgen gefühlt, denn es war meine Heimat“, erzählt Norbert Röver. Der 55-Jährige gehört zu den Bewohnern der ersten Stunde. Bei seinem Einzug damals war er gerade einmal 15 Jahre alt. 1972 hatte die Paritätische Gesellschaft Behindertenhilfe, die sich heute Paritätische Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland (PLSW) nennt, das Haus als offenes Wohnheim für männliche, überwiegend erwachsene geistig Behinderte eröffnet. Die jugendlichen Bewohner waren wie Röver ehemalige Heimkinder. „In dem Wohnheim erfuhren wir Zuwendung, die wir bisher nicht kannten“, erzählt er. Auch der schöne Ort Lauenstein und seine Bewohner, die er im Laufe der vielen Jahre kennengelernt habe, hatte es ihm angetan. Zwar freue er sich auf das neue Haus, sei aber sehr traurig über den Auszug, meint er.

Nach der ersten Nacht in dem Haus an der Weser geht es Röver schon etwas besser. „Für den Anfang war es gar nicht schlecht“, sagt er. Ein Einzelzimmer mit Balkon und eine eigene Dusche habe es in Lauenstein nicht gegeben. Er sei nun gespannt auf alles andere. „Ich auch“, betont der 56-jährige Klaus Hoff, der sechs Jahre lang im Wigand-Haus gewohnt hat und wie alle anderen Bewohner im Ort gut bekannt war.

„Die Bewohner wurden von der Bevölkerung geschätzt und geachtet“, weiß Ortsbürgermeister Horst Wichmann. Die Dorfgemeinschaft werde sie vermissen. Umso mehr bedauere er, dass der Auszug so stillschweigend über die Bühne gegangen sei. „Ich hätte mir eine kleine Abschiedsfeier mit Bewohnern und Betreuern gewünscht“, betont der Ortsbürgermeister.

Symbolisch schließt Beate Osterfeld die Hintertür des Gebäudes.

Nach dem Auszug ist das Wigand-Haus nun geschlossen worden, Hausmeister Holger Tietz sieht nach wie vor nach dem Rechten. Beate Osterfeld, Fachbereichsleiterin Wohnen und Begleiten, erläutert den Grund der Schließung: „Das Haus entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der mittlerweile älter gewordenen Bewohner und nicht mehr den heutigen Standards“, sagt sie. Es sei nicht barrierefrei, habe keinen Aufzug, nicht genügend Einzelzimmer und viel zu kleine Sanitärräume. Ein kompletter Umbau würde einen hohen Kostenaufwand erfordern, zudem stehe das Gebäude unter Denkmalschutz: 1895 war es an der Stelle errichtet worden, wo einst die mittelalterliche, zur Burg Lauenstein gehörende Zehntscheune gestanden hatte; bis 1967 diente es als Amtsgericht.

Das nach dem verstorbenen Orthopäden Wolf Wigand benannte Haus steht nun zum Verkauf, die Nachnutzung ist noch offen. „Ein Käufer wurde bisher nicht gefunden“, berichtet Ulrich Hasenbruch, Geschäftsbereichsleiter der PLSW-Werkstätten Hameln-Pyrmont.

Übrigens: Auch die bislang in Lauenstein eingerichtete Außenwohngruppe der PLSW existiert nicht mehr. Die vier Bewohner haben kürzlich in Groß Berkel ein neues Zuhause gefunden.

Die Koffer sind gepackt: Hausmeister Holger Tietz (re.), der in dem nun leeren Wigand-Haus nach wie vor nach dem Rechten sieht, packt beim Umzug der Bewohner in das neue Lebenshilfezentrum an der Hamelner Weserpromenade mit an.

Fotos: sto



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