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Versorgung von psychisch kranken Menschen ist „schlecht koordiniert“

„Die brauchen eine stärkere Lobby!“

HAMELN-PYRMONT. Christiane Bruns zieht eine ernüchternde Bilanz. „Während die Demenz und physische Handicaps mittlerweile in aller Munde sind, kümmert sich kaum jemand um die seelisch Erkrankten. Die brauchen eine stärkere Lobby!“ Einer der Gründe sei die Tatsache, so die Leiterin der Fachpflegeeinrichtung Cornelienheim im Pflümerweg in Hameln, dass „verrückte“ Menschen, jene, die etwa an Psychosen litten, ihren Mitmenschen als „sehr fremd“ erscheinen würden.

veröffentlicht am 01.06.2017 um 17:14 Uhr

Foto: pixabay
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Ernst August Wolf Reporter
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In vier Workshops und einem Fachvortrag widmeten sich Mitarbeiter verschiedener Betreuungseinrichtungen jetzt der Versorgungslage psychisch Erkrankter im Landkreis Hameln-Pyrmont. „Die Angebote für diese Patienten sind in Niedersachsen qualitativ gut, aber schlecht koordiniert und schwach vernetzt“, so das Ergebnis des ersten, im April 2016 veröffentlichten Landespsychiatrieplans.

Dessen mühsamen Entstehungsweg skizzierte Dr. Hermann Elgeti. Der 61-Jährige ist seit 2007 Geschäftsführer des „Landesfachbeirates Psychiatrie“ und arbeitet zudem in der „Stabsstelle Sozialplanung“ der Region Hannover zum Thema „soziale Infrastruktur“.

Partizipation und Selbsthilfe, Versorgung von Kindern und Jugendlichen, psychische Erkrankungen im Alter, Suchtkranke und Maßregelvollzug, so lauteten einige der Inhalte des Plans, die Elgeti kritisch beleuchtete. Über die Problematik psychischer Erkrankungen im Alter werde beispielsweise „viel geredet, aber wenig getan. Und auch über Alters-Suizidalität steht nicht viel drin“, beklagte der Experte.

„Dabei steigt die Zahl älterer Männer, die Selbstmord begehen.“ Generell sei „das Ministerium mit der Umsetzung des Plans noch nicht so richtig zu Potte gekommen“, so Elgetis Fazit. „Hört Ihr Sozialdezernent im Kreis eigentlich auf Ihren Rat?“, lautete seine Frage an Christiane Bruns, die für den sozialpsychiatrischen Verbund als beratendes Ausschussmitglied im Kreissozialausschuss sitzt. Deren Reaktion fiel jedoch eher verlegen aus.

Elgetis Forderungen an die Kreispolitiker sind daher unmissverständlich: „Bedarfsgerechte Lösungen müssen vor dem Hintergrund der einzelnen örtlichen Gegebenheiten entwickelt werden und die Versorgung zusammen mit den Leistungsträgern vor Ort koordiniert werden.“ Eine Vernetzung von Angeboten könne außerdem im Zusammenwirken der drei Landkreise Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Holzminden erfolgen. Die Ministerin habe die Landräte zu einem entsprechenden Gespräch über die Thematik für den 9. August eingeladen.

„Noch keine Reaktion aus Hameln-Pyrmont“, rügte Elgeti. „Wir brauchen mehr Ressourcen, personell und finanziell“, sagte der Chefarzt der Ameos-Klinik, Dr. Alexander Pain. Zwar pflege man mit der Politik enge Gespräche, doch sei „der Ausbau der Netzwerke entscheidend“.

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