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Sichtungen an zahlreichen Orten

Der Wolf im Weserbergland

WESERBERGLAND. Beim Wort Wolf schrillen bei manch einem Bürger die Alarmglocken. Durch das Märchen Rotkappchen wird der Wolf wohl immer als grausames Tier abgestempelt werden, mit dem man besser nicht in Berührung kommen sollte. Im Weserbergland ist er bereits angekommen. Wir haben seine Fährte zurückverfolgt.

veröffentlicht am 24.04.2017 um 17:11 Uhr
aktualisiert am 24.04.2017 um 17:41 Uhr

Europäische Grauwölfe können bis zu 70 Kilometer am Tag laufen. Foto: fn

Autor:

Louisa Vietmeyer
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Heiko Brede, Wolfsberater im Landkreis Hameln-Pyrmont sagt, dass einer in Hameln gesichtet wurde. In Afferde, im Dezember 2016, wurde er fotografiert. ,,Das Foto wird als sogenannter C1-Nachweis ins Niedersächsische Wolfsmonitoring einfließen“, sagt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen. Die Kategorie C1 beeinhalte Nachweise, die die Anwesenheit eines Wolfes eindeutig bestätigen sollen. Das auf dem Foto abgebildete Tier soll laut Reding alle wolfstypischen Merkmale aufweisen und daher als Wolf identifiziert worden sein.

Man muss dicht an dem Wolf sein, um zweifelsfrei sagen zu können, dass es ein Wolf ist.

Heiko Brede, Wolfsberater

„In Bad Pyrmont gab es Ende Januar eine nicht bestätigte Sichtung und im Oktober letzten Jahres fand man einen Wildtierriss in Emmerthal. Aber auch hier kann ich nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen, dass es ein Wolf war“, sagt Reding.

Brede sagt außerdem, dass in Springe, Bückeburg und einmal in der Nähe von Barntrup Wölfe gesehen wurden. In Springe wurde das Tier am diesjährigen Ostersonntag an der B217 in Höhe Steinkrug fotografiert. „Wir haben definitiv den Nachweis, dass es in dem Fall ein Wolf war“, sagt Reding. Vor wenigen Tagen wurde vermutlich ein Wolf in Rusbend in der Nähe von Bückeburg fotografiert und gefilmt. Im Februar wurde dort auch schon ein Reh gefunden, das aller Voraussicht nach von einem Wolf gerissen wurde. Die Ergebnisse der DNA-Proben stehen dafür noch aus.

In Sommersell, nahe Barntrup, hat ein Wolf im März 2016 einige Zwergziegen gerissen. Der Wolf wurde dort von einer Wildtierkamera gefilmt. Experten waren sich nach Auswertung der Aufnahmen sicher, dass es sich um einen Wolf handelte. Reding sagt, dass es noch weitere, aber unbestätigte Hinweise auf Wölfe um Springe herum gibt. Ende Januar wurde darüber hinaus ein Kalbsriss in Eschershausen entdeckt. Von dem liegt aber noch keine abschließende Bewertung vor.

Alle vier Orte, Springe, Bückeburg, Barntrup und Eschershausen, sind auch nur einen Katzensprung vom Weserbergland entfernt. Ungefähr 20 bis 40 Kilometer. Für einen Wolf ein Klacks, denn er kann, laut Reding, bis zu 70 Kilometer am Tag laufen.

Es gibt viele Hinweise auf Wölfe. Einige sind bestätigt, andere nicht. Um einen Wolf sicher nachweisen zu können sagt Brede, dass man sehr schnell mit dem Fotografieren sein muss, denn er wird rasch vorbeilaufen. „Er ist schäferhundgroß und deswegen muss man dicht an dem Wolf sein, um zweifelsfrei sagen zu können, dass es ein Wolf ist“, fährt Brede fort. Vor allem im Vergleich zu Huskys und Schäferhunden ist das nicht gerade leicht.

Unterscheidungsmerkmale sind, dass der Wolf eine gerade Rückenlinie und häufig einen schwarzen Sattelfleck an der Schulter hat. Er hat ebenso einen kurzen, buschigen Schwanz, der nicht weiter als bis zum Fersengelenk geht. Außerdem ist er unter der Kehle weiß und hat spitzere Ohren als zum Beispiel ein Schäferhund. Bei Rissen kann man meistens jedoch genaue Unterschiede feststellen. Brede sagt, dass ein Hund überall zugreife, ein Wolf fasse gezielt in die Kehle. Außerdem wird ein Wolfsbiss durch DNA-Analysen bestätigt oder eben nicht.

Auf die Frage, ob das Weserbergland ein gutes Zuhause für ein Wolfsrudel ist, antwortet Brede: „Ja, es gibt genug Futter und es hat eine gute Größe.“ Über kurz oder lang werden sich hier die vor 100 bis 150 Jahren in Deutschland ausgerotteten Tiere wohl wieder ansiedeln. Reding sagt, dass sie damals ausgerottet wurden, weil sie zum Einen Tollwut hatten und eine Infektion für Menschen fast immer tödlich war. Heute ist das nicht mehr von Bedeutung, da es einen Impfstoff dagegen gibt. Zum Anderen haben Wölfe oft die Nutztiere der Menschen gefressen. Schon der Verlust eines einzigen Tieres konnte in der damaligen Zeit zu Existenznöten führen.

Wölfe fressen hauptsächlich Rehe, Hirsche und ab und zu ein Wildschwein. Aber beeinflussen werden Wölfe den Wildbestand mit ihrem Jagdverhalten in einem Gebiet wahrscheinlich nicht. Heiko Brede sagt, dass in Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo es deutlich mehr Wölfe gibt, die Abschüsse von Jägern nicht geringer wurden.

Redling sagt, dass Wölfe dem Menschen normalerweise nicht gefährlich werden. Man solle trotzdem bedenken, dass sie Raubtiere sind, vor denen man grundsätzlich Respekt haben sollte. Sie können einen Menschen schwer verletzten und auch töten. „Aber in 90 Prozent der Fälle verzieht er sich“, sagt Reding. Manchmal seien sie neugierig und wollen beobachten. Jungtiere können auch mal näher an die Menschen kommen. Wenn man sich bedroht fühle, solle man laut rufen, in die Hände klatschen, sich groß machen und sich dann langsam zurückziehen. Auf keinen Fall solle man weglaufen oder ihn für ein gutes Foto anlocken. Das provoziere die Wölfe.

Zum Schluss wendet sich Raoul Reding an alle, die Wolfshinweise in Zukunft finden werden und wünscht sich, dass alle gemeldet werden. Denn nur so kann nachgewiesen werden, wo sich ein Wolf tstsächlich aufgehalten hat.

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