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Was Einwohner im Weserbergland von der Rückkehr des Beutegreifers halten

„Der Wolf holt sich, was er braucht“

Die Rückkehr der Wölfe spaltet die Menschen. Wer in der Umgebung des lippischen Dorfes Sommersell und nahen Orten des Kreises Hameln-Pyrmont herumfragt, hört mehr skeptische Stimmen als solche von Fans der Beutegreifer. Vor allem Tierhalter sehen unsicheren Zeiten entgegen.

veröffentlicht am 30.03.2016 um 18:54 Uhr
aktualisiert am 21.12.2016 um 10:35 Uhr

Juliane Lehmann

Autor

Reporterin (Pyrmonter Nachrichten) zur Autorenseite

Gegen den Lärm der Kreissäge haben die Singvögel keine Chance. Gleich neben der Wiese im lippischen Dorf Sommersell, auf der an Ostern ein Wolf zwei Zwergziegen gerissen hat, lässt der Nachbar seinen Zaun nun durch eine Mauer ersetzen. Aber nicht wegen des Wolfs, heißt es. Sondern, damit sein Hund nicht abhaut.

Die Ziegenwiese liegt derweil verlassen da. Der Elektrozaun hat die Tiere darauf nicht geschützt. „Es ist beunruhigend, dass der Wolf hier offenbar schon die Scheu vor den Menschen verloren hat“, sagt Heidrun Ellermann im Vorbeigehen. Denn die Wiese liegt im Dorf – und nicht außerhalb.

Ihre Begleiterin Gisela Helpup zeigt auf ein Wohnhaus mit Anbauten gleich gegenüber der Wiese. „In diese Garage hat der Wolf eine der Ziegen getrieben.“ Um sich haben die Spaziergängerinnen indes keine Angst. „Wölfe sind nachtaktiv“, sagen sie. „Wir sind dann ja nicht draußen.“

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Gisela Helpup (li.) und Heidrun Ellermann in Sommersell sind besorgt, weil der Wolf direkt in ihr Dorf kam. Foto: jl

Andere wappnen sich: Am Tag nach den Ziegenrissen wurde im Wald am Dorf ein Spaziergänger mit Keule beim Osterspaziergang gesehen. Und dann hängen da plötzlich ein paar Schilder mit zweideutiger Botschaft: „Refugees and Wolves welcome“ steht darauf. So scheint es, als hätte die Idylle im 400-Einwohner-Dorf doch einen Knacks weg. Höher umzäunt sind hier bisher nur der Spielplatz und der Bolzplatz.

Hobby-Schafhalter Wilhelm Walter zählt zu denen im Ort, die ihr Vieh nun nachts in den Stall bringen. „Aber unser Gelände hinterm Haus ist so schräg. Da wird der Wolf wohl nicht hinkommen“, hofft Walter. Er hat seine Schafe seit zehn Jahren. „Die kriegen hier ihr Gnadenbrot“, sagt er – und findet: „Der Wolf muss die nicht bekommen.“ Eine Entschädigung vom Land könne Hobbyhalter wie ihn im Fall eines Falles nicht wirklich trösten.

„Dass die Wölfe früher ausgerottet wurden, wird wohl einen Grund gehabt haben“, sagt ein älterer Mann im Aerzener Ortsteil Reinerbeck. Der Landwirt, der seinen Namen nicht nennen will, glaubt nicht, dass Zäune genug Schutz vor Wölfen bieten. „Wenn die Hunger haben, springen sie.“ Die Tiere wüssten doch nicht, was sie dürften – und was nicht.

Christine Thom wohnt in Aerzen direkt am Wald. Aber bange um ihre Kinder Sean-Michael (12) und Elena (2) ist ihr nicht. „Wir haben einen Spielplatz direkt vor der Tür, und die Kinder dürfen sowieso nicht allein in den Wald“, sagt sie. Generell glaubt die Aerzenerin: „Der Wolf holt sich, was er braucht. Schließlich macht der Mensch ja auch die Natur kaputt.“



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