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So gut wie alle Maschinen für die Produktion von Staubsaugerbeuteln kommen aus Bückeburg

Der Marktführer

Wer heute Morgen seinen Staubsaugerbeutel gewechselt hat, der kann recht sicher sein, dass dieser auf einer Maschine produziert wurde, die in Bückeburg gebaut worden ist. Auch der kleine Aromaschutzfilter in der Kaffeeverpackung oder die Saugeinlage in der Grillfleischverpackung kann auf einer in Bückeburg gebauten Maschine produziert worden sein: vom Marktfüher IGEA GmbH Ingenieurgesellschaft für Energie- und Automatisierungstechnik mit ihren Tochterfirmen Deerberg Mechanical Systems und Norddeutsche Fertigungstechnik.

veröffentlicht am 28.07.2018 um 09:59 Uhr

50 Millionen Aromaschutz- und Überdruckventile werden an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr auf dieser Maschine produziert, wie der geschäftsführende Gesellschafter, Guido Hiller (links), dem CDU-Bundestagsabgeordneten Maik Beermann erläuterte
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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„Weit hinten in der Kreuzbreite II hat sich in den vergangenen 22 Jahren das Unternehmen des geschäftsführenden Gesellschafters Guido Hiller zu einem weltweit operierenden ‚Hidden Champion’ insbesondere für Maschinen für die Staubsaugerbeutelproduktion entwickelt“, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann lobend feststellt. Er besucht derzeit im Rahmen seiner Sommertour diverse Unternehmen in seinem Wahlkreis. Mit dabei waren in Bückeburg außer Bürgermeister Reiner Brombach Vertreter von Stadt und Landkreis Schaumbrug sowie CDU-Ratsmitglieder.

Hiller gelang es nach der Übernahme von Deerberg, das Innovationspotenzial der dort produzierten Maschinen zu heben. Statt Beutel für Haushaltsgeräte können auf denselben Maschinen nach kurzen Umrüstzeiten bis zu 1,20 Meter lange Industriebeutel gefertigt werden – auch in kleinen Stückzahlen. „Seitdem liegen wir europaweit vorn“, freut sich Hiller. Selbst chinesischen Mitbewerbern und „Abkupferern“ sei in Zusammenarbeit mit einem namhaften Staubsaugerhersteller ein Schnippchen geschlagen worden. „Die Beutel werden so geschickt gefalzt und verpackt, das bekommen selbst Chinesen nicht mehr hin“, so Hiller, „selbst nicht mit mehr Handarbeit und Tausenden Arbeitskräften.“ 80 Beutel produziert die Maschine pro Minute.

Auf die Idee, die Aromaschutzventile selbst herzustellen, kam Hiller übrigens dadurch, dass ein Mitbewerber – auf anderen Maschinen – nicht so präzise produzieren konnte. Bei der Umsetzung kam Hiller sein Credo entgegen: „Was irgendwie machbar ist, setzen wir auch um.“

Ein Aromaschutz- und Überdruckventil, kompostierbar und aus biologisch abbaubarem Kunststoff. Foto: PR
  • Ein Aromaschutz- und Überdruckventil, kompostierbar und aus biologisch abbaubarem Kunststoff. Foto: PR

Die Firma wurde 1996 in Stadthagen gegründet und siedelte kurz danach nach Bückeburg um. Mittlerweile sind knapp 50 Mitarbeiter beim Maschinen- und Anlagenbauer beschäftigt. Zum Umsatz macht Hiller keine Angaben. Bis Ende 2019 sei der Maschinenbauer aber voll ausgelastet und habe Aufträge im Wert von rund zehn Millionen Euro in den Büchern.

Aufträge im Wert von rund zehn Millionen Euro stehen in den Büchern des Unternehmens

Problem: „Uns fehlt Personal.“ Es mangele weniger an den viel zitierten Maschinenbau- oder Elektrotechnik-Ingenieuren, sondern insbesondere an Facharbeitern, sagt Hiller: „Wir finden einfach keine Fachkräfte mehr.“ Die Folge: Ein Teil der Aufträge wird bereits in der Türkei erledigt – „aber nicht wegen des Preisdrucks“, wie der geschäftsführende Gesellschafter betont. Erst vergangene Nacht habe er vier Türken vom Flugplatz abgeholt, die jetzt als Maschinenbauer und Gastarbeiter in seinem Betrieb arbeiten. Das Paradoxe: Gelernt haben sie ihren Beruf in Deutschland, sprechen fließend Deutsch. Sein Appell an die Politik: „Nicht mehr so viele Akademiker produzieren, wir brauchen auch Indianer, nicht nur Häuptlinge.“ Ein Appell, an den sich Hiller selbst hält: Durchschnittlich bildet er vier bis fünf Azubis pro Jahr aus.

Beermann – selbst ohne Abitur und Studium – räumte ein, dass die Politik in diesem Bereich Fehler gemacht und zu sehr auf die OECD gehört habe, die den Akademikermangel in Deutschland beklagt hatte. „Dabei hat die OECD bis heute das duale Ausbildungssystem nicht verstanden.“ Die Bundesregierung habe mittlerweile die Hebel umgelegt. Es werde aber dauern, bis wieder mehr Facharbeiter kommen. Als zweites Problem umreißt Beermann, dass Abiturienten nicht immer die Studierfähigkeit erlangen, aber dennoch studieren. Selbst drei Jahre Lehre reichen ja inzwischen für eine Fachhochschule, kritisierte auch Hiller: „Das kann nicht sein.“

Ansonsten hat er wenig Kritik am Standort Deutschland zu äußern. „Wir leben hier im Paradies“, so Hiller mit Blick auf andere Länder und seine Auslandserfahrung – 50 Prozent der IGEA-Produktion gingen nach Europa oder in die Welt, etwa nach Malaysia.

Auch mit der Standortwahl Bückeburg – die Anfänge der Selbstständigkeit des gebürtigen Stadthägers liegen schließlich in der Kreisstadt – zeigt er sich mehr als zufrieden: „Ich bereue nicht einen Tag hier.“ Was irgendwie machbar sei, werde umgesetzt, lobte er die Verwaltung. Eventuell sei das demnächst wieder notwendig. „Auf dem Firmengelände ist es nach diversen Erweiterungen mittlerweile eng geworden.“

Die Beutel werden so geschickt gefalzt und verpackt, das bekommen selbst Chinesen nicht mehr hin.

Guido Hiller, Geschäftsführender Gesellschafter


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