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Große Sternschnuppe über dem Weserbergland sorgt für Aufsehen / Polizeieinsatz in Bad Münder

Der glühende Feuerball am Abendhimmel

Weserbergland (tis/jl/ddp). Das Himmelsphänomen, das am Dienstagabend in ganz Norddeutschland für gehöriges Aufsehen sorgte, wurde auch im Weserbergland von zahlreichen Augenzeugen beobachtet. Im Raum Bad Münder löste die Lichtkugel, bei der es sich vermutlich um einen verglühenden, kleineren Meteoriten gehandelt hat, sogar einen größeren Polizeieinsatz aus – dort wurde eine Suchaktion nach einem abgestürzten Objekt gestartet.

veröffentlicht am 14.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:41 Uhr

Kurz vor 19 Uhr ist am Dienstagabend diese Lichterscheinung am H
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„Im Gegensatz zu anderen Regionen in Deutschland liefen bei uns die Telefone aber nicht heiß“, berichtet Polizeioberkommissar Jörn Schedlitzki. Bis auf den Anruf aus Bad Münder habe es in der Leitstelle keine weiteren Anrufe gegeben.

„Das ging alles rasend schnell“

Um 19 Uhr wurde der Polizei in Bad Münder von einem Augenzeugen berichtet, er habe einen Feuerball über der Kurstadt in Richtung Stadthagen fliegen sehen, der dann in mehrere Teile zerplatzt und vermutlich bei Eimbeckhausen abgestürzt sei. Die Polizei rückte mit drei Streifenwagen aus, startete eine Suchaktion, da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass etwa ein Flugzeug abgestürzt war. Vom Boden aus war aber zunächst keine Absturz- oder Brandstelle zu finden. Um 19.20 Uhr kreiste dann Polizeihubschrauber „Phönix 94“ über dem Raum zwischen Hachmühlen, Bad Münder und Eimbeckhausen bis zum Nienstedter Pass. Jörn Schedlitzki: „Die Kollegen ermittelten inzwischen, dass bei der Flugsicherung die Telefone heiß liefen und konnten in Erfahrung bringen, dass vermutlich ein Meteorit über Norddeutschland geflogen war. Die Suche wurde daher um 20 Uhr beendet.“

Den Feuerball am Himmel beobachtete auch Dirk Fischer aus Esperde: „Ich dachte zunächst, ich spinne, als der Feuerball über Esperde in Richtung Bessinghausen flog. Dann zerplatzte er in fünf einzelne Teile. Es sah so aus, als wenn die Teile ganz in der Nähe zu Boden stürzten.“ Zunächst dachte der 40-Jährige an eine Silvesterrakete, aber dafür sei der Flugwinkel mit 45 Grad zu schräg gewesen. Dirk Fischer ließ die Beobachtung keine Ruhe, er telefonierte mit Wetterstationen und der Sternwarte Hamburg. Dort wurde ihm berichtet, was sich gestern im Laufe des Tages zu bestätigen schien: Ein Meteorit war über Norddeutschland verglüht und dann vermutlich in der Nähe von Holland in die Nordsee gestürzt. Für den Esperder eine spannende Sache: „Mich würde es schon faszinieren, mal so ein Teil aus dem Weltall, das vielleicht Millionen Jahre unterwegs war, zu finden und in der Hand zu halten.“ Auch Dirk H. (51) aus Klein Berkel traute seinen Augen kaum, als er die Lichtkugel an seinem Fenster am Sonnenbrink vorbeihuschen sah. „Der Feuerball mit einem Schweif flog von Groß Berkel Richtung Klüt und ist dann zerplatzt. Das ging alles rasend schnell“, berichtet der Klein Berkeler. Er sei sofort nach draußen gelaufen, da er vermutet habe, das unbekannte Objekt sei ganz in der Nähe niedergegangen. Doch weder habe er einen Einschlag gehört, noch irgendwo Feuer oder Ähnliches entdecken können.

Als der Pyrmonter Rudi Rudolph das glühende Objekt sah, war er gerade im Auto stadtauswärts auf der Pyrmonter Schillerstraße unterwegs. „Das sah viel dicker aus als die Meteoriten, die ich bisher gesehen hatte“, erinnert sich der 59-Jährige, der gleich danach auf die Uhr guckte, „weil sich die Leute ja hinterher oft über Zeitangaben streiten“. Weil das obskure Objekt am Rand des Stadtteiles Holzhausen hätte zerschellt sein können, fuhr Rudolph sicherheitshalber noch einen Feldweg hinauf und wartete dort einen Moment. „Doch es gab keine Explosion.“ Dennoch rief der Redaktionsmitarbeiter bei der Polizei an, wo man zu dieser Zeit aber auch noch wenig über den Vorfall wusste.

Nach Angaben des Hobbyastronomen und UFO-Forschers Werner Walter vom „Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene“ in Mannheim handelte es sich bei der Himmelserscheinung um eine Großsternschnuppe, einen sogenannten Boliden, der in der Erdatmosphäre verglühe. Solche Erscheinungen seien höchst selten, erklärt er. Auch bei ihm waren von Augenzeugen zahlreiche Meldungen aus Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern über eine grün-weiße Lichtkugel eingegangen. Die Kugel sei mit einem Lichtschweif „lautlos und sekundenlang vom Himmel“ herabgerast, berichteten die Anrufer.

Seltenes Himmelsphänomen: Bei dem Feuerball handelt es sich um eine Großsternschnuppe, einen sogenannten Boliden, der in der Erdatmosphäre verglüht.

Foto: dpa



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