weather-image
11°

Nur Minimallösung bei Erweiterung des Großraumtarifs – wegen 30 Cent Aufschlag pro Fahrkarte

Der Bus bleibt draußen

Hameln-Pyrmont /Hannover. S-Bahn-Kunden aus dem Weserbergland können ab dem nächsten Jahr deutlich billiger als bisher auch mit Einzelfahrkarten nach Hannover, Celle oder Soltau fahren. Nachdem diese Nachricht Ende voriger Woche Jubel im Weserbergland ausgelöst hat, wird inzwischen auch Enttäuschung laut: „Anderswo ist es üblich, den Busverkehr in solche Tarife einzubeziehen“, sagt Thorsten Rühle. Den Chef der Linienbusunternehmen VHP, RHP und KVG Hameln wundert, „dass es nun nur die ,kleine Erweiterung‘ gibt“, obwohl eine „Durchtarifierung aus verschiedenen Gründen wünschenswert ist“. Rühle rät dazu, die bereits große und noch weiter steigende Zugkraft der S-Bahn dazu zu nutzen, auch das Bussystem voranzubringen. Eine preisgünstige Fahrkarte schon ab dem Wohnort und nicht erst ab der Bahnstation könnte die Einnahmen auch im Busverkehr steigern, die öffentliche Anbindung stärken und in ländlichen Regionen retten. „Es ist unüblich, wie das jetzt läuft“, kritisiert Rühle. „Für nur 30 Cent mehr pro Fahrkarte wäre der Bus inklusive gewesen.“

veröffentlicht am 25.03.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

270_008_7696900_wb102_2503.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Bahnfahrt aus Hameln-Pyrmont nach Hannover kostet ab 2016 nur noch 8,40 Euro. Derzeit müssen die Hamelner 12,00 Euro bezahlen, die Pyrmonter 15,60 Euro. Da scheinen 30 Cent mehr nicht viel zu sein; Klaus Abelmann von der Region Hannover, die die Federführung bei den Verhandlungen hatte, erklärt aber die Krux: „Laut Tarifsystematik des Großraumverkehrs Hannover darf das Sechs-ZonenTicket maximal doppelt so teuer sein wie das für drei Zonen.“ Die beschlossenen 8,40 Euro seien damit bereits der Maximalpreis. „Die Landkreise dürfen aber natürlich die Tickets zu diesem Preis auch im Linienbus anerkennen. Die Mindererlöse müssten sie dann ausgleichen.“ Die Fachleute gehen davon aus, dass anfängliche Einnahmeverluste in Bahn und Bus nach einiger Zeit durch steigende Fahrgastzahlen aufgehoben werden.

Kreiskämmerer Carsten Vetter hat bereits ohne die Busse allein für das nächste Jahr 500 000 Euro als Anschubfinanzierung für den seit Jahrzehnten gewünschten Anschluss an den GVH-Tarif eingeplant. Zum Vergleich: Die Region Hannover gibt 350 000 Euro, das Land unterstützt die beteiligten Kommunen insgesamt drei Jahre lang mit je 700 000 Euro. Auf lange Sicht sei die Integration des Bustarifs „eine nicht auszuschließende Option“, heißt es aus dem Kreishaus in Hameln. Zurzeit sei sie „allerdings mit Blick auf die Finanzen nicht zu stemmen“.

Lange war um den tariflichen Anschluss des Weserberglandes an den Großraumverkehr Hannover gerungen und gefeilscht worden – zuletzt auch auf höchster landespolitischer Ebene. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) setzte sich dann über die Bedenken aus seinem Verkehrsministerium hinweg, wo die Fachleute offenbar die konkurrierende und umfassendere Planung der landeseigenen Niedersachsentarif GmbH favorisierten. Die Entscheidung des Regierungschefs dürfte als Förderung für die Nachbarlandkreise der Region Hannover verstanden werden. Hier stemmen sich die Politiker gegen den Trend des Bevölkerungsrückgangs. Die attraktive Bahnverbindung in die Landeshauptstadt wird dabei nicht als „Einbahnstraße“ betrachtet: Es geht nicht nur darum, die Menschen im Weserbergland zu halten, sondern Großstadt-Bewohner und Zuziehende davon zu überzeugen, sich im ländlicheren Raum niederzulassen. Der SPD-Kreistagsabgeordnete Torben Pfeufer fordert vor diesem Hintergrund, stärker und vielfältig für das Wohnen im Raum Hameln-Pyrmont zu werben. „Wir haben jetzt etwas mehr als ein halbes Jahr Zeit, um gemeinsam ein Marketingkonzept für die Bewerbung von Wohnraum in Hameln-Pyrmont zu entwickeln“, sagt Pfeufer. „Wir könnten das öffentlich als Ideenwerkstatt machen oder als Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Kommunen des Landkreises.“ Wichtig sei, die heimische Wirtschaft mit ins Boot zu holen. Vielleicht habe auch die Hochschule Weserbergland Interesse, mit den Studierenden der Fachrichtung Betriebswirtschaft daran mitzuwirken.

Neben Hameln-Pyrmont nehmen auch Schaumburg, Celle und der Heidekreis an der Tariferweiterung teil. Der Kreis Hildesheim war hingegen ausgestiegen, weil er für sich keine gravierenden Vorteile sieht.

So stellt sich die Region Hannover das S-Bahn-Netz im Jahr 2019 vor: Die Züge der S 5 fahren nach Bennemühlen statt zum Flughafen. Der Tarif des Großraumverkehrs reicht dann aber bis nach Bad Pyrmont statt bis Springe.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt