weather-image
10°

AfD-Landesvorsitzender punktet vor seinen Anhängern – auch ohne lokale Themen

Der Beifall war ihm sicher

HAMELN/WESERBERGLAND. In gut zwei Wochen sind Kommunalwahlen, da möchte auch der Kreisverband Weserbergland der AfD in einer öffentlichen Veranstaltung klarmachen, wofür er steht. Klar wird im Hameln-Saal des Mercure-Hotels allerdings schon zu Beginn, dass lokale Themen an diesem Abend kaum eine Rolle spielen werden. „Durch einige AfD-Vertreter in den Räten lässt sich nicht verändern, was vom Bund diktiert wird“, stellt der Kreisvorsitzende Dr. Manfred Otto fest.

veröffentlicht am 25.08.2016 um 22:57 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

270_0900_11091_wb102_Dana_2608.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Otto erinnert daran, dass „wir 2013 alle aus bundespolitischen Gründen der AfD beigetreten sind“. Denn es gebe eine beispiellose Außerkraftsetzung von Gesetzen durch die Regierenden. Und die Mittelschicht werde geschröpft und „für selbstzerstörerische Gesellschaftexperimente missbraucht“. Es sei ein politischer Richtungswechsel um 180 Grad nötig. „Die Zeit läuft davon. Stellen wir uns der Auflösung entgegen!“ Im nächsten Jahr sei Bundestagswahl. „Die wird richtig spannend!“

Die ausliegenden Informationsblättchen fordern ein „NEIN zum Schächten in Deutschland!“ Ein bisschen kommunalpolitisch geht es auf einem ausgehängten Plakat zu: „Kostenlose Kindergartenplätze – Geld spielt sonst doch auch keine Rolle“, ist dort zu lesen. Wie das gemeint ist, erklärt der AfD-Landesvorsitzende Paul Hampel. „50 Milliarden Euro an Kosten fallen bis 2017 durch die Flüchtlingskrise an“, sagt der Ex-Journalist, der wie die große Mehrheit im Saal schon lange graue Haare hat. Dieses Geld könne doch besser für Gratis-Kitaplätze ausgegeben werden.“ Eine einfache Feststellung, wie sie die Zuhörer mögen. Immer wieder werden Hampels Schlussfolgerungen mit „Richtig!“ bestätigt. „Der Terror hängt mit der Flüchtlingskrise zusammen“, behauptet er und erntet für den Generalverdacht gegen Hunderttausende, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind, weiteren Beifall. Das Auditorium macht nicht den Eindruck, noch überzeugt werden zu müssen. Und so ist der Ton des Landeschefs oft plaudrig, wohldurchsetzt mit Frontalangriffen insbesondere gegen die Bundeskanzlerin. „Angela Merkel hat das Recht verwirkt, uns zu regieren“, meint Hampel. Sie habe in der Flüchtlingskrise fortgesetzt, was schon unter Helmut Kohl begonnen habe: das Handeln gegen die deutschen Interessen und gegen das Recht. Die Tausenden Asylsuchenden nicht an der österreichischen Grenze abzuweisen, sei ein eklatanter Verfassungsbruch gewesen. Die Polizisten, die sie durchgelassen haben, müssten damit rechnen, in anderen Zeiten zur Verantwortung gezogen zu werden. „Das klingt wie eine Drohung“, sagt Hampel und: „Das ist auch eine!“

Dass Bundeswehrsoldaten an die Krisenherde geschickt werden, während „Ali und Hassan in Deutschland auf Sozialkosten Cappuccino trinken“, hält der Reserveoffizier für inakzeptabel. Wieder ein Treffer beim nun johlenden Publikum. Hampel will das Flüchtlingsproblem durch Schutzzonen an Syriens Grenze lösen, in der die Menschen durch die UNO versorgt werden. Für die Absicherung könne man die männlichen Flüchtlinge in Deutschland „ein Jahr lang infanteristisch ausbilden“. Die AfD sei konservativ-freiheitlich, erklärt Hampel. Sie wolle das, was sich bewährt hat, bewahren und sei dem Neuen gegenüber aufgeschlossen. Bewährt habe sich zum Beispiel die Aufteilung in Mann und Frau – da brauche es keine Diskussion um Zwischengeschlechter. Alle Professorenstellen, die sich mit Gender-Fragen befassten, seien zu streichen.

2 Bilder

„Die Deutschen sind so blöd, ihre Politik auf dem Brüsseler Altar zu opfern“, sagt Hampel auch mit Blick auf die Themen „Euro“, „Bankenkrise“, „Griechenland“. Dabei könnte es so einfach sein: „Die Deutschen müssten ihre Ideologien über Bord werfen und den gesunden Menschenverstand einsetzen.“ Es gelte, Fakten zusammenzutragen und dann zu entscheiden.

Nur sehr kurz geht Hampel auf die Affäre um angeblich gefälschte Unterschriften für die AfD im Vorfeld der Hamelner Stadtratswahl ein. Hameln sei ein Paradebeispiel dafür, „wie Menschen ihr öffentliches Amt missbrauchen, um den politischen Gegner mithilfe der Polizei kaltzustellen“, schimpfe er. Da zeige sich die Staatskrise, „dagegen müssen die Menschen aufstehen“.

Rund 50 Hamelner folgten einem kurzfristigen Aufruf der Antifaschistischen Gruppe Hameln-Pyrmont und der Linksjugend – die sich erst heute offiziell gründet –, unter dem Motto „Damit Hameln bunt bleibt – gegen Rassismus und Ausgrenzung“ vor dem Hotel zu demonstrieren. Die Polizei hielt einige davon ab, sich dem Gebäude weiter zu nähern. „Die AFD bildet keine vernünftige Alternative. Sie hat ein asoziales Wahlprogramm. Wir wenden uns gegen Rassismus, auch gegen den versteckten“, betonte Organisator Alexander Maecke.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt