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Wenn diese Raubtiere in Hameln-Pyrmont auftauchen, wird es Heiko Brede als einer der Ersten erfahren

Der auf den Wolf wartet

Es ist erst einige Tage her, dass ein Wolf im Kreis Minden-Lübbecke gesichtet wurde. Es sind Jungtiere, die auf der Suche nach neuen Revieren die Rudel verlassen. „Die jungen Wölfe bleiben eine Zeit bei den Alttieren, kommen im nächsten Jahr neue Jungwölfe dazu, müssen die älteren weichen und begeben sich auf Wanderschaft“, erklärt Heiko Brede.

veröffentlicht am 10.02.2015 um 19:55 Uhr
aktualisiert am 21.12.2016 um 10:13 Uhr

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Bereits im Jahr 2007 sind in Niedersachsen die ersten Wölfe nachgewiesen worden. 2012 konnte der erste Nachwuchs eines Rudels bei Munster bestätigt werden. Aktuell gibt es in Niedersachsen fünf Wolfsrudel – in Munster, Bergen, Gartow und Eschede sowie auf dem Schießplatz Rheinmetall in Unterlüß, zwei Wolfspaare (ohne Nachwuchs) leben in Cuxhaven und Fuhrberg sowie eine standorttreue Fähe auf dem Schießplatz Nordhorn nahe der Ems, führt der Wolfsberater des Landkreises Hameln-Pyrmont aus. Ob der Wolf, der im Kreis Minden-Lübbecke nachgewiesen wurde, dort bleiben wird, steht nicht fest. Es ist durchaus möglich, dass er seine Wanderschaft fortsetzt, bis er einen geeigneten Lebensraum gefunden hat.

Da Meister Isegrim an einem Tag recht weite Strecken zurücklegen kann – man geht davon aus, dass es ohne weiteres 30 bis 40 Kilometer sind – vermag niemand genau zu sagen, wo ein Vertreter der Art, die vor rund 180 Jahren bei uns ausgestorben ist, heute oder morgen auftauchen wird. Brede verweist auf einen Wolf mit einem Sender, der rund 650 Kilometer in Richtung Dänemark gelaufen ist.

„Rotkäppchen“ bleibt in den Köpfen

„Wichtig ist, dass niemand sich Sorgen um seine Sicherheit machen muss, denn Wölfe stellen keine Gefahr für den Menschen dar“, betonen die Wolfsexperten. Menschen gehörten nicht ins Beutespektrum. Dennoch ist das Rotkäppchen-Syndrom längst nicht überwunden. Das Image des Wolfes ist auch heute noch negativ behaftet. „Vieles relativiert sich jedoch bei genauerem Hinsehen“, sagt Brede. Die Diskussion, die derzeit um den Wolf geführt wird, gerät sehr schnell auf die emotionale Schiene. Was die Naturschützer freut, verängstigt vor allem die Schafhalter, die Angst um ihre Tiere haben. Heiko Brede wünscht sich, „dass das Thema Wolf so sachlich wie möglich betrachtet wird, auch im Sinne der Wölfe“.

2009 wurden vom Umweltministerium die ersten Wolfsberater ernannt. Heute sind es über 100 Personen in Niedersachsen, die ausgebildet wurden, um auf die Situation vorbereitet zu sein, wenn der erste Wolf in einem Gebiet auftaucht. Sie lernen zu beurteilen, von welchem Beutegreifer ein Tier gerissen, also getötet, wurde. Letzte Sicherheit darüber, ob der Wolf oder ein anderes Tier somit für den Riss des Wildes oder eines Haustiers verantwortlich ist, gibt dann der DNA-Test. „Ein eindeutiger Nachweis ist wichtig, denn dieser ist Voraussetzung für eine Entschädigung“, erklärt Brede.

Er und Matthias Vogelsang, Mitarbeiter im Wisentgehege Springe und der zweite Wolfsberater für den Landkreis Hameln-Pyrmont, haben im vergangenen Jahr einige Risse untersucht, ein Wolf war nicht beteiligt. „Bisher waren es immer wildernde Hunde, die sind schlimmer als der Wolf, denn sie sind ortstreu“, führt der Wolfsbeauftragte aus.

Neben Wölfen könnte bei uns auch der Luchs für einen Riss in Frage kommen, denn diese Spezies gibt es seit geraumer Zeit vor allem wieder im östlichen Landkreis im Bereich Osterwald und im Kleinen Deister.

Dass der Wolf als Fleischfresser nicht nur Wild jagen wird, ist klar. Gerne nimmt er auch ungeschützte Nutztiere. Insbesondere Schafe stehen auf seinem Speiseplan. Vorbeugende Maßnahmen sind daher für die Schäfer unerlässlich. Das kostet Zeit und vor allem Geld. Für die beiden Wolfsbeauftragten „steht fest, dass es wichtig ist, dass Nutztierhalter entschädigt werden, wenn der Wolf ein Tier gerissen hat.“ Denn: „Wenn man Wölfe will, muss man auch die Nutztierhalter unterstützen.“

Sie streifen nur nachts durch besiedeltes Gebiet

Wird der Wolf ins Schaumburger Land und nach Hameln-Pyrmont einwandern, dürfte es wie in anderen Gebieten sehr schnell um die Bestände des Muffelwildes geschehen sein. „Muffelwild ist kein Fluchtwild, in ihrer eigentlichen Heimat auf Sardinien und Korsika sind Muffel nicht auf Wölfe eingestellt. Ein Sprung zur Seite auf einen Felsen ist hier nicht möglich“, weiß Heiko Brede.

Nahrungsanalysen von Wölfen in Deutschland zeigen, dass der Schwerpunkt ihrer Beute mit 50 Prozent bei Rehen liegt. Dazu kommen Damwild, Rotwild und jüngeren Wildschweine. Der Mensch in Europa, und hier gibt es bereits in vielen Ländern wieder Wölfe, sei – anders als in einigen Gebieten Russlands und in Indien – nicht durch den Wolf gefährdet. „Wo der Wolf Menschen angreift, fehlen Wildtiere. Bei uns ist die Wilddichte so hoch, dass der Wolf ausreichend tierische Nahrung findet“, beruhigen Wolfsexperten.

In der Lausitz leben in Deutschland die meisten Wölfe. Es wurde noch kein Fall von gefährlichem Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen bekannt. Frühzeitig nimmt der Wolf den Menschen wahr und weicht ihm aus. Studien zeigen, dass die Laufgebiete der Wölfe dort sind, wo sich tagsüber nur wenige Menschen aufhalten. Besiedelte Gebiete durchstreifen die Grauen nur in der Nacht.

Bleibt abzuwarten, wann bei Heiko Brede (Telefon 05152/ 947615) oder Matthias Vogelsang (0172/9910641) der erste Anruf mit der Mitteilung eingeht, dass ein Wolf im Weserbergland gesichtet wurde.

„Wölfe werden in absehbarer Zeit auch bei uns durchlaufen“, ist sich Heiko Brede sicher. Der Forstbeamte des Niedersächsischen Forstamtes Oldendorf ist ehrenamtlicher Wolfsberater im Landkreis Hameln-Pyrmont.



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