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Prozess nach Brandanschlag in Salzhemmendorf – die Angeklagten belasten sich gegenseitig

Dennis L. war „Triebfeder der Tat“

Salzhemmendorf. Mehr als fünf Monate nach dem Brandanschlag auf ein von Asylbewerbern und Deutschen bewohntes Haus in Salzhemmendorf hat am Mittwoch in Hannover der Prozess begonnen. Dennis L. (31) aus Lauenstein, Sascha D. (25) aus Salzhemmendorf und Saskia B. (24) aus Springe müssen sich vor der 13. Großen Strafkammer des Landgerichts „wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung“ verantworten.

veröffentlicht am 11.02.2016 um 09:27 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

Brandanschlag Salzhemmendorf Prozess
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Salzhemmendorf. Mehr als fünf Monate nach dem Brandanschlag auf ein von Asylbewerbern und Deutschen bewohntes Haus in Salzhemmendorf hat am Mittwoch in Hannover der Prozess begonnen. Dennis L. (31) aus Lauenstein, Sascha D. (25) aus Salzhemmendorf und Saskia B. (24) aus Springe müssen sich vor der 13. Großen Strafkammer des Landgerichts „wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung“ verantworten.
 Die Angeklagten sprachen gestern kein Wort. Sie ließen lieber ihre vier Verteidiger sprechen. Erklärungen haben den Vorteil, dass man sie in aller Ruhe ausarbeiten kann. Lassen die Anwälte keine Fragen zu, laufen die Angeklagten nicht Gefahr, sich vor Gericht in Widersprüche zu verstricken. Dass die Beschuldigten ihre Tatbeteiligung nicht leugnen, war keine Überraschung. Das hatten sie zuvor weder bei der Polizei noch beim Haftrichter getan. Die ehemaligen Freunde ließen erklären, sie bereuten sehr, was sie getan haben. Sie „schämen sich und entschuldigen sich“ bei den Bewohnern. Dennis L. und Sascha D. erklären ihr Verhalten mit ihrem exzessiven Alkoholgenuss. Die Angeklagten bestreiten, fremdenfeindlich zu sein. Alle drei weisen darauf hin, dass Ausländer zu ihren Freunden zählen. Sascha D. belastet Dennis L. schwer. Er sei „die Triebfeder der Tat“ gewesen. Den Molotow-Cocktail wollen die Männer aus Heizöl, Benzin und Sägespänen hergestellt haben. Saskia B. soll dabei zugesehen haben. Die junge Mutter behauptet, sie habe zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, was ein Molotow-Cocktail ist. Auf der Fahrt zum Flüchtlingshaus, behauptet Saskia B., habe Dennis L. gesagt, er wolle „einen Neger brennen sehen“. Der Lauensteiner kann sich nicht daran erinnern, diesen Satz gesagt zu haben. „Was ich getan habe, ist aber verachtenswert.“ Das sehen die Staatsanwälte Dr. Katharina Sprave und Dr. Karim-René Jouran auch so. Die Staatsanwältin benutzt sogar dieselbe Vokabel. Sie spricht von Verbrechen und Vergehen, die „nach allgemeiner rechtlich-sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehen“. Kein Wunder: Angegriffen wurden schließlich Menschen, die in Deutschland Schutz vor Krieg und Terror gesucht hatten. Dass die Tat zu nachtschlafender Zeit verübt wurde, spielt ebenfalls eine Rolle. Ein elfjähriger Junge hatte Glück im Unglück: Als Dennis L. den brennenden Molotow-Cocktail in das Kinderzimmer warf, hatte der kleine Alvin nur zufällig auf seiner Matratze im Schlafzimmer seiner Mutter übernachtet. Wäre das Kind in seinem Zimmer gewesen, hätte es sterben können. Es sei nicht darum gegangen, Menschen zu verletzen oder zu töten, lässt Dennis L. seinen Verteidiger Roman von Alvensleben sagen.
 Eine Mutter (34) aus Simbabwe und ihre drei Kinder (4, 8, 11) waren in jener Sommernacht Ziel einer „heimtückischen“ Tat (O-Ton Staatsanwaltschaft). Als der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch während der Befragung von Margeret D. Fotos vom Tatort an die Wand projizieren lässt, bricht die Afrikanerin in Tränen aus. Erinnerungen kommen hoch. Die Familie leide noch heute unter den Geschehnissen. „Ich kann seit jener Nacht nicht mehr gut schlafen.“ Sie und die Kinder hätten große Angst. Einmal, erzählt Margeret D., habe sie sogar Herzrasen bekommen und sei bewusstlos geworden. „Wenn jemand an der Tür klopft, wenn wir auch nur den Motor eines Autos hören, schrecken wir jedes Mal zusammen. Die Kleinste betet jeden Tag zu Gott und bittet ihn, dass er uns vor bösen Leuten und vor Feuer beschützt.“
 Ein Nachbar (21) wurde Augenzeuge des Anschlags. Von ihm möchte Richter Rosenbusch auch etwas über einen Salzhemmendorfer wissen, den das Gericht heute befragen will. Es geht um den ehemaligen Jugendwart der Feuerwehr, der über sein NPD-Bekenntnis bei Facebook gestürzt ist. „Wie ist seine politische Gesinnung?“ Am Morgen hatte der Mann im Zuschauerraum gesessen. Bevor Zeugen ausgesagt haben, dürfen sie die Hauptverhandlung jedoch nicht verfolgen. Rosenbusch verwies den Besucher des Saales.



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