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Ernte in vollem Gange / Wetter und Börsen-Spekulanten beeinflussen den Preis

„Den Weizen hat es voll erwischt“

Weserbergland (roh/bs). Der Rote Milan steht über dem Feld. Er verfolgt den Mähdrescher, der zwischen Holzen und Wickensen seine Runden dreht. Bis 4 Uhr morgens sitzt Hermann Grupe am Steuer. So wie er arbeiten die Landwirte im Weserbergland zurzeit rund um die Uhr. Die Gerste ist abgeerntet. Der letzte Raps muss noch rein, der Weizen ebenso. Auf dem Mähdrescher fährt die Sorge um den niedrigen Weizenpreis mit. Waren es noch 160 Euro, die im vorigen Jahr für eine Tonne hochwertigen Brotweizen erzielt wurden, so sind es jetzt 30 Prozent weniger. Und es könnte noch schlimmer werden, wie Hameln-Pyrmonts Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock meint: „Regen würde sich jetzt verheerend auf die Qualität auswirken.“ Dann könnte das Produkt zu minderwertigem Futterweizen werden, was den Verkaufswert weiter verringere, stellt der Landwirt fest. Die Wetterkapriolen der letzten Monate – trockener April, kühler Juni – haben den Pflanzen ohnehin arg zugesetzt. Von dem im Weserbergland geernteten Weizen werden 40 bis 50 Prozent für die Mehlproduktion verwendet, der Rest geht in die Futterindustrie.

veröffentlicht am 31.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:21 Uhr

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Die Einlagerung als Notlösung

Beeinflusst wird der Weizenpreis auch von Finanzinvestoren. Wenn die sich aus dem Getreidemarkt zurückziehen, wie Anfang 2008 geschehen, dann brechen die Preise ein. Länder wie Indien, einer der größten Weizenproduzenten, verhängen sogar ein Exportverbot, wie Mitte dieses Monats geschehen, weil die Preise auf dem Weltmarkt unter den inländischen liegen. Zur Not, so Bauer Stukenbrock, lagere man den Weizen eben ein und hoffe, dass im Laufe des Jahres die Preise wieder steigen. „Es kann aber auch passieren, dass wir den Weizen unter Einstandspreis verkaufen müssen.“

Fragt man die Landwirte nach den Ernteerträgen, erhält man sehr differenzierte Aussagen: „Teilweise sehr gute, teilweise enttäuschende Ergebnisse bei der Gerste, eine überragende Rapsernte, wahrscheinlich Einbußen beim Weizen.“ Vor allem aber: Auch der Markt für die Ackerfrüchte ist eingebrochen. Die Preise für Gerste und Raps sind im Keller. Dennoch ist sich Holzmindens Kreislandwirt Hermann Grupe sicher: „Die Landwirtschaft hat Zukunft, die Menschheit wächst, der Bedarf wird steigen.“

Mit dem Bauern von gestern haben die Landwirte von heute nur noch wenig gemeinsam. Die Produzenten von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen müssen die schwankenden Preise auf den Agrarmärkten im Auge behalten, mit Kontrakten hantieren, die Lagerhaltung geschickt nutzen, Düngemittelpreise kalkulieren. „Wir müssen uns darauf einstellen, erhöhte Risiken zu handeln“, erklärt Grupe, „die Preise verlaufen parallel zu den Energiepreisen“, fügt er hinzu.

Der Raps hat von dem Wechsel aus Wärme und Regen profitiert. „Die Ernte ist überragend.“ Grupe spricht von Rekorderträgen. Doch wurden vor zwei Jahren noch bis zu 50 Euro pro Doppelzentner Raps gezahlt, sind es jetzt nur noch bis 24 Euro. Auch bei der Gerste sind die Preise gefallen – von über 20 Euro pro Doppelzentner auf nur noch 8,50 Euro. Da helfe es, so Grupe, auch nicht, wenn sehr viel mehr Doppelzentner eingefahren werden könnten. „Die letzte Ernte hat mehr gebracht als verbraucht wurde“, rechnet Grupe vor. Drei Prozent Überhang hätten Preiseinbrüche bis zu 50 Prozent zur Folge.



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