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Heimische FDP kritisiert alte Führungsriege / Grüne zeigen Verständnis für Rücktritte

„Das war keine Souveränität!“

Hameln-Pyrmont. Der Rückzug von Führungspersönlichkeiten der Grünen und der FDP aus politischen Spitzenpositionen als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag hat bei Parteifreunden auf beiden Seiten Betroffenheit ausgelöst. Gleichzeitig stoßen die Entscheidungen in den Kreisverbänden aber durchaus auch auf Verständnis.

veröffentlicht am 25.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 06:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Nachdem sowohl Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, als auch seine Mit-Fraktionschefin Renate Künast und die Parteivorsitzende Claudia Roth erklärt hatten, nicht wieder anzutreten und damit einen Führungswechsel in der Partei eingeläutet haben, hat zwar der langjährige Fraktionschef und ehemalige Außenminister Joschka Fischer mit scharfer Kritik in die zunehmend angespannte Debatte eingegriffen – im heimischen Kreisverband allerdings kann man die Rückzugserklärungen offenbar durchaus nachvollziehen.

„Jürgen Trittin, Renate Künast und Claudia Roth – das sind Menschen, die maßgebliche Verdienste am Erfolg der Grünen hatten, die man nicht zu gering einschätzen darf“, sagt etwa Anja Piel. Die Fischbeckerin, Fraktionschefin der grünen Landtagsfraktion, ist allen Dreien dankbar und zollt ihnen hohen Respekt. „Ich hoffe, dass sie der Partei weiterhin mit ihrem großen Erfahrungsschatz zur Verfügung stehen und grüne Programmatik weiterhin aktiv mitgestalten“, sagt die heimische Landtagsabgeordnete. Weiter mochte sie sich gestern noch nicht äußern; denn: „Bei der Analyse des Wahlergebnisses stehen wir erst ganz am Anfang. Und die Gremiensitzungen kommen ja auch erst noch.“

Wesentlich schärfer geht Heinrich Fockenbrock mit seiner Partei ins Gericht. Den Rücktritt von Fraktionschef Philipp Rösler nach dem Wahldebakel nennt der Kreisgeschäftsführer der FDP Hameln-Pyrmont – er ist zugleich Vorsitzender der Liberalen im Kreistag – „nur folgerichtig“. Man sehe ja, dass alle „Loser“ der Bundestagswahl (damit meint er wohl auch die Grünen und die Piraten), jetzt reagiert hätten und auf einen Neuanfang an der Spitze setzten. „Rösler hat einen erheblichen Anteil daran, dass die FDP so schlecht abgeschnitten hat“, glaubt Fockenbrock, der anstelle des nicht erreichbaren Kreisvorsitzenden Ralph Härke die Situation bewertet.

Sieger sehen anders aus: Die Parteispitzen von FDP und Grünen erklären ihre Wahlergebnisse. Oben (v. li.): Philipp Rösler und Rainer Brüderle (FDP). Unten die Grünen Claudia Roth, Cem Özdemir, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin. dpa

Der bisherige Fraktionsvorsitzende im Bund habe nicht rüberbringen können, was die FDP eigentlich wolle. Und das Werben um Zweitstimmen nennt Fockenbrock gar ein „unwürdiges Schauspiel“. „Das hat den Stolz der FDP getroffen, die das gar nicht nötig hat, auf so aggressive Weise um Stimmen zu betteln.“ So habe sie vielmehr nach der verlorenen Landtagswahl in Bayern den Eindruck vermittelt, dass die Partei ums Überleben kämpfe und sich dazu unlauterer Mittel bediene. „Das war Ohnmacht und keine Souveränität. So haben wir in den letzten zwei Wochen Stimmen verspielt und auch Vertrauen.“ Er persönlich, sagt Fockenbrock, sei „erschrocken“ angesichts dieser Hilflosigkeit. Und Spitzenkandidat und Ex-Fraktionschef Rainer Brüderle, den er sonst als dynamisch kenne, habe diesmal den Eindruck gemacht, er sei ein alternder Mann. Außerdem habe die FDP in der Regierungskoalition zu Anfang auch zu viele Fehler gemacht, die zu viel Häme geführt hätten.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so ist Fockenbrock sicher, dass Christian Lindner, sollte er wie erwartet die FDP führen, die Kernpolitik der Liberalen wieder nach vorn bringen könnte. „Er versteht es, die Philosophie der FDP hervorragend zu kommunizieren“, lobt Fockenbrock den 34-Jährigen, dem er rät, die nächsten vier Jahre zu nutzen, um die Partei zu revitalisieren, statt rückwärts zu blicken. Im Übrigen gelte das auch auf Kreisebene. „Und mit Klaus-Peter Wennemann haben wir einen guten Mann.“



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