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Sonnennähe, Sternschnuppen und „Wolfsmond“

Das sind die Highlights des Sternenhimmels im Januar

Die Erde erreicht beim Lauf um ihren Stern Anfang Januar den sonnennächsten Punkt – dennoch herrscht bei uns Winterkälte. Außerdem erleben wir den ersten Vollmond des Jahres. Dieser verdankt seinen Namen dem Heulen der Wölfe. Darüber hinaus zieren zum Jahresbeginn Sternschnuppen und eine funkelnde Sternenpracht das Firmament. Prof. Thomas W. Kraupe ist Astrophysiker und Direktor des Planetarium Hamburg. Er erklärt die spannenden Ereignisse und weiß, wann sich der Blick zum Himmel besonders lohnt.

veröffentlicht am 04.01.2021 um 21:00 Uhr

Winterkälte trotz Sonnennähe

Auch wenn es verwunderlich klingt, befindet sich unser Planet zurzeit rund fünf Millionen Kilometer näher an der Sonne als im Sommer. So durchwanderte die Erde am 2. Januar um 14:50 Uhr Mitteleuropäische Zeit (MEZ) nicht etwa den sonnenfernsten, sondern den sonnennächsten Punkt (das „Perihel“) ihrer elliptischen Bahn um die Sonne. „Nur“ 147,1 Millionen Kilometer trennen uns jetzt vom wärmenden Tagesgestirn. Anfang Juli beträgt die Distanz hingegen 152,1 Millionen Kilometer. „Es ist ein gängiger Irrglaube, dass die Sonne unserer Erde im Sommer näher sei als im Winter und sich so der jahreszeitliche Temperaturwechsel erklären ließe“, sagt Prof. Kraupe. „Dies ist allein schon deshalb falsch, weil, simultan zum Winter auf der Nordhalbkugel der Erde, auf der Südhalbkugel Sommer herrscht – und umgekehrt. Für uns auf der Nordhalbkugel hat die Sonnennähe im Winter keinen direkten Einfluss auf das Klima. Vielmehr sind es die Schrägstellung der Erdachse und der dadurch bewirkte schwankende Einfallswinkel des Sonnenlichts im Jahresverlauf, die uns die Jahreszeiten und damit die langen Nächte im Januar bescheren.“

Mondlicht überstrahlt Sternschnuppen

Mit Glück und klarer Sicht sind rund um den 4. Januar Sternschnuppen zu sehen – Leuchtspuren verglühender Staubteilchen. Diese „Quadrantiden“ sind der aktivste aller jährlich wiederkehrenden Meteorströme. Sie scheinen aus der Gegend des ehemaligen Sternbildes „Mauerquadrant“ zu kommen – heute Teil des Sternbildes „Bärenhüter“ unweit der Deichsel des „Großen Wagen“. „Dieser Ausstrahlungspunkt der Sternschnuppen, der ‚Radiant‘, steht um etwa 2 Uhr morgens am höchsten über uns“, sagt Prof. Kraupe. „Leider stört dann der helle Schein des abnehmenden Mondes unsere Beobachtung, aber es kann dennoch nicht schaden, am 4. Januar in den Stunden vor Sonnenaufgang die Augen offen zu halten.“

Der „Wolfsmond“ als erster Vollmond des neuen Jahres

Aus dem Sternbild Steinbock leuchtet die Sonne Ende Januar ins genau gegenüberliegende Sternbild Krebs. Dort steht der Mond am 28. Januar, genau um 20:16 Uhr MEZ, unserem Tagesgestirn am Himmel diametral gegenüber. „Dieser erste Vollmond im neuen Jahr ziert die ganze Nacht unseren Himmel“, so Prof. Kraupe. „Er erscheint, wenn die Sonne gerade untergeht und verabschiedet sich bei Sonnenaufgang. Dabei steht er, für einen Wintervollmond typisch, um Mitternacht ausgesprochen hoch und hell am Firmament.“

Die Naturvölker Nordamerikas nannten diesen zweiten Wintervollmond auch „Wolfsmond“, da zu dieser Zeit vor den Siedlungen und Dörfern vermehrt Wölfe heulten. Diese Raubtiere aus der Familie der Hunde sind nachtaktiv, so dass ihr Geheul meist in der Abenddämmerung beginnt. „Doch entgegen dem Volksglauben heulen Wölfe nicht etwa den Mond an – sie kommunizieren ganz einfach miteinander“, sagt Prof. Kraupe. „Heulen ist ihre Art des Austauschs über große Entfernungen. Die uns oft wehmütig erscheinenden Laute erklingen vor allem in der Paarungszeit und können den Standort eines Wolfes mitteilen, aber auch vor Raubtieren warnen oder die Position von Beutetieren verraten. Möglicherweise können Wölfe in den hellen Mondnächten rund um den Vollmond auch besser jagen und rufen daher vermehrt ihr Rudel zusammen. Für uns ist dieser ‚Wolfsmond‘ ein besonderer nächtlicher Genuss, wenn er aufgrund seiner Höhe und Helligkeit eine schneebedeckte Winterlandschaft geradezu magisch beleuchtet.“

Sternenpracht rund um Orion

Die sieben Sterne des „Großen Wagen“ finden wir nun typisch für die Jahreszeit halbhoch am Himmel im Nordwesten. Seine drei Deichselsterne sind spätabends steil nach unten zum Horizont gerichtet, denn der „Große Wagen“ klettert Stunde um Stunde mit den Kastensternen voran immer höher. Verlängern wir die beiden hinteren und am höchsten stehenden Kastensterne etwa fünfmal nach links, so stoßen wir in etwa gleicher Höhe mit dem Wagenkasten auf den Polarstern. Dieser weist uns die Nordrichtung. Weiter „links“, im Nordwesten, sehen wir die Zickzacklinie des „Himmels-Ws“, das von den hellsten Sternen der Kassiopeia gebildet wird.

Im Süden ist eine Armada heller, funkelnder Himmelskörper zu erkennen. Sie zeigen sich rund um das wohl schönste Sternbild des Himmels – den Orion. Der legendäre Jäger der griechischen Mythologie ist mit seiner auffälligen Kette aus drei gleichhellen Gürtelsternen nicht zu übersehen. Verlängern wir diese Richtung Südosthorizont, so treffen wir auf den hellsten Fixstern an unserem Nachthimmel – Sirius im Sternbild „Großer Hund“. Ziehen wir umgekehrt eine Linie von Sirius über die Gürtelsterne des Orion nach „rechts oben“, so landen wir beim Kopf des Tierkreissternbilds Stier mit dem rötlichen Aldebaran. „Und Richtung Orion blicken wir letztlich in unseren eigenen Spiralarm der Milchstraße“, schließt Prof. Kraupe. „Hier zeigen sich viele außerordentlich leuchtkräftige Sterne in auffälliger Anordnung, die sich erst vor wenigen Millionen Jahren aus den hier gelegenen riesigen Wasserstoff-Molekülwolken zusammengeklumpt haben.“

 



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