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Für Heinz-Walter Wiedbrauck sind weitere Zusammenschlüsse von Geldinstituten unumgänglich

Das Internet wird das Bankwesen beherrschen

Hameln-Pyrmont. Das Internet wird in den kommenden Jahren insbesondere im Bankenbereich immer mehr an Bedeutung gewinnen und dementsprechend wird sich die Zahl der Banken und Sparkassen nebst Filialen verringern. Diese Vision zeichnet Heinz-Walter Wiedbrauck bis zum Jahr 2020. „Seiten wie Facebook, Twitter oder SchülerVZ werden eine wachsende Bedeutung bekommen, weil die Produkte dort bewertet werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Hameln-Stadthagen und fügt hinzu: „Wir lassen heute schon nachsehen, was über uns, unsere Gruppe geschrieben wird. Das ist ganz wichtig geworden.“ Internet-Banking werde zwar auch künftig eine Rolle spielen, doch unter veränderten Vorzeichen, dem sogenannten Web 2.0. Das reine, unter Web 1.0 praktizierte, Onlinebankgeschäft sei dann „out“. Vielmehr entwickele sich das Internet immer mehr zu einem Mitmachmedium, in dem Informationen ausgewählt, kommentiert und wieder online verfügbar gemacht werden. „Und dann müssen die Banken schon auf den Internetseiten zur Stelle sein, um ihre Produkte per Link zu präsentieren“, berichtet Wiedbrauck.

veröffentlicht am 03.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Nichtsdestotrotz werde der persönliche Kontakt zum Kunden für Bankgeschäfte der Zukunft nach wie vor von Bedeutung sein. „Schließlich treten heimische Kreditinstitute als Sponsoren auf und fördern das Vereinsleben. Doch trotz aller Bedenken, die Kundennähe zu verlieren, wird es zu Fusionen kommen“, ist der Genossenschaftsbanker überzeugt. Denn Zusammenschlüsse müssten sein, „um günstiger produzieren zu können“. Wiedbraucks Vision für sein Haus: „Die Volksbank Hameln-Stadthagen wird sich hundertprozentig in den nächsten zehn Jahren mindestens über drei Landkreise erstrecken: Hameln-Pyrmont, Schaumburg, Holzminden – wenn nicht sogar bis nach Lippe hinein.“ Dabei vergisst der gebürtige Lügder nicht zu erwähnen, dass seine Bank in seiner Heimatstadt schon seit vielen Jahren mit einer Filiale vertreten ist und damit bereits einen Fuß auf lippischem Terrain hat. Doch ob sich der gesamte Landkreis von der heutigen Volksbank Hameln-Stadthagen erschließen lässt, ist selbst für Wiedbrauck derzeit offen. „Die stehen wirtschaftlich besser da als wir. Und es ist unser Bestreben, immer dahin zu gucken, wo etwas wächst. Solange wir uns in dieser Region bewegen, werden wir durchaus die Führung behalten. Geschluckt würden wir allenfalls, wenn wir uns mit der hannoverschen Volksbank zusammentäten.“

Eine Konsolidierung erwartet der passionierte Radfahrer im Bereich der Landesbanken. „Das sind heute bereits Erfüllungsgehilfen der Bundesländer. Es werden weniger – davon gehe ich aus“, orakelt Wiedbrauck, der es auch begrüßte, wenn die Zahl der Bundesländer durch Verschmelzungen abnähme: „16 sind heute schon zu viel. Aber eine Reduzierung wird sich sachlich nicht lösen lassen; allenfalls emotional.“

Auch werde sich in zehn Jahren niemand mehr bei einer Bank einen Kontoauszug abholen; doch die Altersvorsorge werde bis 2020 eine noch größere Bedeutung bekommen als heute. „Wegen der Rentenunsicherheit und mit welchen Produkten auch immer“, ist Wiedbrauck überzeugt. Auch werde es zu einer gewaltigen Flut neuer Regeln kommen, „die die Aktivität des Kunden beschränken.“ Das sei gut für die Kunden, „weil zu viel Aktivität in der Vergangenheit zu Produkten geführt hat, die der Anleger nicht verstanden hat“, doch warnt Wiedbrauck auch zugleich vor zu viel Verbraucherschutz: „Er darf nicht so weit gehen, dass der Kunde gar nichts mehr zu entscheiden hat. Das wäre nicht gut.“

Um das Bankenwesen in der heimischen Region sorgt sich der Vorstandschef nicht. Er bescheinigt dem Weserbergland „einen guten Branchenmix mit großen Unternehmen, die sich gut entwickeln und innovativ sind. Das ist ein guter Ausgangspunkt“. Auch sei die Hochschule Weserbergland ein Garant dafür, dass gut ausgebildetes Personal in heimischen Gefilden bleiben könne.

Unbehagen beschleicht Wiedbrauck, wenn er daran denkt, dass BHW den Standort Hameln verlassen könnte. „Das wäre ein großer Kaufkraftverlust“, sagt der Banker, der jedoch glaubt, dass die Bausparaktivitäten der Deutschen Bank, zu der BHW jetzt gehört, eine große Perspektive haben. „Das ist eine sehr wünschenswerte Variante; insbesondere für die Kaufkraft in der Region.“

Grundsätzlich werden die Banken in der Zukunft in höher qualifiziertes Beratungspersonal investieren müssen. „Der Service und auch die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich werden abnehmen. Es wird kein Kunde mehr einen Kontoabzug abholen“, glaubt der Vater zweier erwachsener Töchter und ergänzt: „Die Banken können nur über Beratung punkten. Das braucht Vertrauen.“ Und weil das Internet immer größere Bedeutung gewinnt, wird die Verbundenheit der Kunden von morgen zu ihrer Hausbank der Trumpf der Zukunft sein – auch über Grenzen hinweg. Durch die moderne Kommunikationstechnik könne der Kontakt von jedem Punkt der Welt gehalten werden.



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