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Meister Grimbart hat kaum Feinde – fällt aber immer häufiger dem Straßenverkehr zum Opfer

Dachse auf dem Vormarsch

WESERBERGLAND. Da er in der Regel mit Vorliebe nachts auf Streifzug geht, ist er für Nicht-Waidmänner zumeist unsichtbar. Seit einigen Jahren bekommen Autofahrer Meister Grimbart, wie er in der Fabel heißt, aber häufiger zu sehen: Immer mehr Dachse werden Opfer des Straßenverkehrs, wie die jagdlichen Statistiken zeigen.

veröffentlicht am 12.06.2016 um 18:54 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:23 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Nicht nur im Weserbergland sind die Dachse wieder auf dem Vormarsch. Nachdem der Dachs Ende der 70er Jahre in seinem Bestand extrem gefährdet war, hat sich der Bestand jetzt wieder gut erholt. Nach Angaben der Landesjägerschaft gibt es Dachse mittlerweile wieder in jedem Landkreis in Niedersachsen.

Wie Jürgen Ziegler, seit Jahren Kreisjägermeister im Landkreis Hameln-Pyrmont und seit Anfang Mai neuer Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. zu berichten weiß, war der Dachs vor gut 30 Jahren in vielen Landesteilen als Folge der umfangreichen Begasungsaktionen, die eigentlich tollwütigen Füchsen galten, fast ausgerottet. Fuchs und Dachs leben vielfach im selben Bau. Und der Dachs fiel den Vergasungsaktionen gleich mit zum Opfer.

Das hat sich mittlerweile geändert – Grimbart ist inzwischen wieder gewaltig auf dem Vormarsch, wie Ziegler nach Beobachtungen der Landesjägerschaft erklärt. Denn wenn auch die jagdlichen Strecken seit Jahren wieder hochgehen, nimmt vor allem der Anteil der Verkehrsopfer mit den Jahren zu. So wurden im Jagdjahr 2010/2011 niedersachsenweit 6115 tote Dachse gezählt, mehr als in jedem anderen Jahr seit Einführung der Statistik 1958. Die meisten davon wurden von Jägern geschossen, aber auch rund 1250 Dachse wurden auf Straßen und Schienen überfahren. Im Landkreis Hameln-Pyrmont lag der Anteil an Verkehrsopfern mit 92 toten Dachsen am Straßenrand 2004/2005 am höchsten. Die größte jagdliche Dachsstrecke in Hameln-Pyrmont hingegen weist die Statistik mit 293 Tieren 2012/2013 aus. Zum Vergleich: 1975 war die Strecke nach den Fuchsvergasungsaktionen der Vorjahre bis auf 18 Tiere gesunken. So lasse die sogenannte Strecke Rückschlüsse darauf zu, dass die Dachs-Population in den vergangenen Jahrzehnten wieder größer geworden ist, sagt Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister.

Neben dem Abbruch der Fuchs-Vergasung, so Ziegler (Füchse werden heute stattdessen mit ausgelegten Fraßködern geimpft) komme den Tieren zugute, dass sie Allesfresser sind. Als solche sind Dachse, die übrigens zur Familie der Marder gehören, nicht gerade wählerisch. Sie stehen vor allem auf Pflanzenkost: Obst, Samen, Pilze und Wurzeln machen etwa drei Viertel der Gesamtnahrung aus. Allerdings verschmäht Grimbart auch Insekten und Schnecken nicht – und Regenwürmer mag er sogar ausgesprochen gern. Zudem frisst er gelegentlich Vögel und Mäuse und lässt sich die Eier von Bodenbrütern sowie gefiederte Nesthocker und Junghasen schmecken. Landwirte ärgert er, wenn er in Maisschläge einfällt und dort auf der Suche nach Kolben erheblichen Schaden anrichtet.

Sonst sind Dachse nur für lokale Schäden durch ihre intensive Buddelei verantwortlich zu machen – etwa an Bahnböschungen, auf Feldern, Golfplätzen oder Wiesen. So hat unlängst ein Dachs in Bad Pyrmont sogar ein Gebäude so untergraben, dass Schäden am Bauwerk zu befürchten waren. Denn Dachse sind wahre Baumeister. Ein untersuchter Dachsbau in Niedersachsen maß etwa 2500 Quadratmeter. Er wies über 93 Löcher und insgesamt 219 Meter an Gängen auf. Dafür mussten mehrere Dachsgenerationen etwa 13 Kubikmeter Boden bewegen. Die Baue können sehr alt sein. Nachweislich bestünden einzelne solcher Dachsburgen „seit mehr als 100 Jahren“, heißt es bei der Deutschen Umwelthilfe in Radolfzell.

Außerdem haben Dachse kaum Feinde: Da Wolf und Luchs als seine natürlichen Widersacher hierzulande noch rar sind, hat der Dachs außer Jägern und Autorädern wenig zu fürchten. Und auch dafür, weshalb jetzt so viele Dachse in der bis spät in die Nacht gehende Dämmerung unter Autos enden, hat Waidmann Ziegler eine Erklärung: Es handelt sich um Jungtiere, die derzeit in Gruppen auf Streife gehen, um nach Fressbarem zu suchen. Unerfahren und bei ihrer Orientierung weniger auf Augen als vielmehr auf seinen Geruchssinn spezialisiert, sehen sie den Lichtkegel der Autoscheinwerfer dann meist erst, wenn es zu spät ist.



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