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Missbrauchsfall Lüdge: CDU und FDP fordern Sonderermittler

CDU hält Landrat Bartels für überfordert

HAMELN. Im Missbrauchsfall von Lügde und dem offensichtlichen Behördenversagen fordern die CDU und die FDP im Landtag einen Sonderermittler zur Aufklärung des Skandals. Mehr noch: Niedersachsens CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer hält den Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), in der derzeitigen Situation für überfordert.

veröffentlicht am 22.03.2019 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 22.03.2019 um 16:20 Uhr

Landrat Tjark Bartels (SPD) vor den Kameras der Medien: Die CDU im Landtag fordert nun einen Sonderermittler im Missbrauchsfall von Lügde. Foto: jl
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung wäre eine unabhängige Instanz wegen des offensichtlichen Behördenversagens nötig, sagte Toepffer am Freitag in Hannover. Er betonte: „Wir haben einen Skandal, der zwei Bundesländer betrifft: Auf der einen Seite haben wir offensichtlich zu 99 Prozent Polizeiversagen, auf unserer Seite haben wir zu 99 Prozent offensichtliches Versagen der Jugendbehörde.“ Einen Sonderermittler setzt das Land üblicherweise im Einvernehmen mit der Politik vor Ort ein, hier also mit dem Kreistag Hameln-Pyrmont.

Die sozialpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sylvia Bruns, verlangt ebenfalls die Einsetzung eines Sonderermittlers. Sie sagte am Freitag: „Wir unterstützen die Forderung der CDU nach einem Sonderermittler im Fall Lügde. Nach dem bisherigen Versagen der Institutionen vor Ort und auch des Landrates Bartels ist das Vertrauen massiv beschädigt. Das lässt sich nur mit Hilfe einer externen, unabhängigen Aufklärung wiederherstellen.“

Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Volker Meyer, ergänzte dazu: „Die Vorgänge im Jugendamt des Kreises Hameln-Pyrmont haben ein schwerwiegendes Organisationsversagen offenbart, für das Landrat Tjark Bartels die politische Verantwortung trägt.“ Bartels habe „weder die internen Abläufe seiner ihm unterstellten Behörde gekannt noch ausreichend unternommen, die Mitarbeiter für das frühzeitige Erkennen von Pädophilie zu sensibilisieren.“ Meyer kommt zu dem Ergebnis: „Dass darüber hinaus dringend erforderliche Kontrollmechanismen wie das Vier-Augen-Prinzip mutwillig unterlaufen worden sind, ist ein handfester Skandal.“

Der nordrhein-westfälische Sonderermittler Ingo Wünsch hält übrigens die Beweismittel in dem Missbrauchsfall trotz bei der Polizei in Lippe verschwundener Asservate für „ausreichend“. Wünsch sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Es gibt sehr belastendes Bildmaterial, auf dem der Haupttatverdächtige eindeutig zu erkennen ist.“ Kriminaldirektor Wünsch war vom nordrhein-westfälischen Innenministerium zur Kreispolizeibehörde Lippe gesandt worden, nachdem dort 155 Datenträger verschwunden waren. Der Sonderermittler schilderte dem „Stadt-Anzeiger“: „Wir haben alles auf den Kopf gestellt, vom Keller bis zur Damentoilette.“ Außerdem habe man 30 Befragungen durchgeführt. Die CDs tauchten aber nicht wieder auf. In Lügde soll ein arbeitsloser Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg mindestens 35 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben.



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