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Ein Landwirt berichtet über seine Erfahrungen mit dem Blühstreifen-Programm der EU

Bunte Blumen – nicht nur fürs Auge

BÖRRY. Landwirt Dirk Feuerhake und sein Sohn Carl Ludwig bauen auf rund 60 Hektar Ackerfläche Raps an. Sie brauchen Bienen zur Bestäubung der Blüten. Helmut Vasel ist Hobbyimker und braucht den Raps, damit seine derzeit 23 Bienenvölker im Frühjahr genug Nahrung finden. Doch was passiert, wenn der Raps verblüht ist?

veröffentlicht am 17.07.2017 um 18:26 Uhr

Hübsch anzusehen und für Bienen eine wertvolle Nahrungsquelle: Blühstreifen. Foto: Hoppe/lpd
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Beide, Landwirt und Imker, ergänzen sich, wenn es um die Bestäubung der Rapsblüten geht und profitieren voneinander. Doch was wird aus den fleißigen Honigspendern, wenn es Ende Mai, spätestens aber Anfang Juni, mit der Rapsblüte vorbei ist, wo finden sie dann ausreichend Nahrung? An dieser Stelle soll das „Blühstreifen-Programm“, ein Projekt der EU, greifen, das Vater und Sohn Feuerhake gemeinsam mit Imker Helmut Vasel jetzt vorstellten. Mit dabei waren auch Hendrik Lücke von der Landberatung Hameln-Holzminden sowie Jochen Klostermann, Hamelner Außenstellenberater bei der niedersächsischen Landwirtschaftskammer. Bei diesem Projekt, das, wie Dirk Feuerhake einräumt, wohl besser „Blühflächen-“ als „Blühstreifen-Programm“ genannt würde, geht es schlicht darum, dass der Landwirt auf einem Teil seiner Ackerfläche nicht die üblichen Feldfrüchte, im Falle der Feuerhakes also Raps, anbaut, sondern ihn für die Aussaat von ortsüblichen Wildblumen freihält. Dabei werden in Abstimmung mit dem Imker solche Mischungen ausgewählt, die einerseits auf dessen Bienenvölker abgestimmt sind, andererseits mit ihren aufeinander folgenden Blütezeiten gewährleisten, dass sich die Bienen den gesamten Sommer hindurch bis in den frühen Herbst hinein ausreichend ernähren und auch noch einen Wintervorrat anlegen können. Verständlicherweise machen Vater und Sohn Feuerhake, die rund vier Prozent ihrer Ackerflächen dafür zur Verfügung stellen, das nicht allein den Bienen und der Umwelt zuliebe. Vielmehr erhalten sie dafür von der EU eine Prämie. Und die muss wohl durchaus angemessen sein, schließlich sind die Feuerhakes inzwischen in der dritten Periode des jeweils auf fünf Jahre angelegten Programms mit von der Partie.

Insofern, da sind sich Vater und Sohn Feuerhake, Imker Vasel sowie Jochen Klostermann und Hendrik Lücke einig, müssten sich eigentlich viel mehr Landwirte an dem Programm beteiligen. „Aber“, vermutet Dirk Feuerhake, „die werden wohl von der umständlichen Antragstellung und vor allem von dem umfangreichen Kontrollverfahren abgeschreckt.“ Dieses fünf Punkte umfassende Verfahren, das jährlich durchgeführt wird, beschreibt Jochen Klostermann wie folgt: Da wird zunächst geprüft, ob die für die Wildblumenaussaat angegebenen Flächen auch tatsächlich angelegt worden sind. Dann wird im zweiten Schritt nachgesehen, ob die Aussaat auch fristgerecht erfolgt ist. Bei Kontrolle Nummer drei wird die Größe der Flächen überprüft. Viertens wird im Herbst nachgeschaut, ob die Wildblumenflächen auch am 15. Oktober – spätestens bis dahin haben sich die Bienen zur Winterruhe begeben – noch vorhanden sind, und fünftens muss sichergestellt sein, dass mindestens 30 Prozent der Blühflächen auch Mitte Februar des Folgejahres noch unberührt, also wie für den Sommer angelegt, liegengeblieben sind.

Hendrik Lücke weist in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Problem hin: Im Gegensatz zu früher, als der 15. Mai der Stichtag war, muss die Aussaat der Wildblumen jetzt bereits bis zum 15. April erfolgt sein. Es gehe dabei darum, sogenannte Bodenbrüter ab Mitte April vor Störungen zu schützen. Allerdings würden die Landwirte sich eine flexiblere Regelung wünschen, die der jeweiligen Witterung angepasst wäre. Denn im Falle später Frosteinbrüche müssten sie sonst gleich zweimal aussäen und hätten dann die doppelten Saatkosten. Gleichwohl erklärt Dirk Feuerhake unumwunden: „Ich kann insgesamt gut damit leben und habe durch meine Teilnahme keine Nachteile.

Jochen Klostermann, Helmut Vasel, Hendrik Lücke sowie Dirk und Carl Ludwig Feuerhake (v. li.) begutachten eine Fläche, auf der die Feuerhakes im Rahmen des Blühstreifen-Programms der EU eine Wildblumenmischung ausgesät haben. Foto: br
  • Jochen Klostermann, Helmut Vasel, Hendrik Lücke sowie Dirk und Carl Ludwig Feuerhake (v. li.) begutachten eine Fläche, auf der die Feuerhakes im Rahmen des Blühstreifen-Programms der EU eine Wildblumenmischung ausgesät haben. Foto: br
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