weather-image
23°

Zukunfts-Wettbewerb: Dörfer präsentieren sich der Jury

Börry und Fuhlen hoffen auf Aufstieg in die Landesebene

Weserbergland (xb).„Was soll ich denn auf ’nem Dorf, da gibt's doch nichts“, sagen die meisten Jugendlichen und ziehen in die Stadt. Das Problem Landflucht ist bekannt, viele Dörfer können trotzdem nur noch zusehen, wie ihre Jugendlichen „flüchten“. Anders ist es in Fuhlen und Börry. Die Dörfer haben es als einzige aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont in die Bezirksauswahl des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ geschafft. Gestern mussten sie sich vor einer bunt gemischten Jury von ihrer besten Seite zeigen. Bewertet wird nach Kriterien wie soziale und kulturelle Aktivitäten, wirtschaftliche Entwicklung und Initiative oder Grüngestaltung. Das Dorf Börry ist herausgeputzt, jeder Anwohner hat seinen Vorgarten gepflegt.

veröffentlicht am 20.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

270_008_5583257_wb110_2006.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

120 Sekunden hat Heinz-Dieter Zeddies Zeit, um der Jury zu erklären, wie seine Gastronomie auf die infrastrukturellen Besonderheiten von Börry reagiert. „Früher haben alle im Dorf gearbeitet, hatten um die gleiche Zeit Feierabend und trafen sich in meiner Kneipe auf ein Bier“, blickt er zurück. „Heute ist das anders, die Leute arbeiten im Schichtbetrieb und fast immer außerhalb von Börry.“ Darum konzentrieren die Gastwirte sich auf Veranstaltungsgastronomie, stellen ihre Säle für große Feste zur Verfügung.

Auf einem großen Anhänger wird die Jury durch das Dorf weiterkutschiert, diesmal zum Museum. Hier präsentiert das Dorf ein Stück seiner Geschichte. Alle arbeiten zusammen, im Vorgarten haben die Schüler der Grundschule ein Gemüsebeet gepflanzt, das die Schulleiterin stolz zeigt. Als Zukunftsprojekt gilt das Bildungshauskonzept, nach dem Schule und Kindergarten pädagogisch und räumlich zusammengefasst werden. Aber es ist keine Zukunftsmusik mehr: Beim Jury-Besuch wird verkündet, dass der Bauantrag kurz zuvor genehmigt worden ist. „Das macht Börry gerade für junge Familien attraktiv“, sagt Nicole Zeddies. Was fehlt, sind die Einkaufsmöglichkeiten, man braucht schon einen Pkw, um nach Emmerthal zu fahren und den Wocheneinkauf zu machen. Dafür kann Börry mit einem Allgemeinmediziner, zwei Hebammen und einem Physiotherapeuten aufwarten. Im Sportverein ist alles vertreten, was sich das Sportlerherz nur wünschen kann, sogar im Boxen kann man sich hier versuchen. „Die Jury hat sich allerdings einen ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht, Dienstagmittag sind doch alle arbeiten oder in der Schule. So kriegen die ja gar nicht das richtige Dorfleben mit“, sagt Nicole Zeddies. Das sieht Carsten Hettner anders. Der Kopf der Jury meint: „Dass sich hier so viele beteiligen und auf der Straße zugucken, finde ich bemerkenswert. Dieses Dorf hat auf jeden Fall Zukunft.“

Fuhlen antwortet mit Fakten. Ein einziges leer stehendes Haus gibt es im Dorf. Von Abwanderung keine Spur, in die Neubaugebiete sind erst junge Familien gezogen. „Jeder, der nach Fuhlen zieht, wird erst mal mit zum Feiern genommen und in Projekte eingebunden, bei uns soll man sich wohlfühlen“, erklärt Walther Nagel vom TSV Fuhlen. Wer’s mag, der kann den Vorteilen des Dorflebens in Fuhlen kaum entkommen. Dennoch hat der Wettbewerb die Dorfgemeinschaft wach gerüttelt.

Heiko Eggers, 1. Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, präsentiert die Vorzüge Fuhlens. Fotos: xb

„Wir sind Dinge angegangen, die schon lange fällig waren“, sagt Nagel. „Das zeigt, dass man auch von sich aus als Dorfgemeinschaft was schaffen kann und nicht immer auf Hilfe von oben angewiesen ist.“ Einkaufen kann man in dem Weserdorf nicht, wie in Börry braucht man hier einen Pkw, auch wenn die Kernstadt Hessisch Oldendorf nur zwei Kilometer entfernt liegt.

Am Donnerstag werden die Ergebnisse des Wettbewerbs bekannt gegeben. Für die ersten drei Dörfer im Bezirk geht der Wettkampf auf Landesebene weiter. Und wenn kein Platz auf dem Treppchen dabei rausspringt, war dann alles umsonst? „Hier geht es dann trotzdem weiter, wir sind ein zukunftsfähiges Dorf, wo auch die Jugend mit anpackt“, sagt Finn Koch.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?