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Geschäftsführer spricht über die Klimaschutzagentur – und die Zukunft der Stromerzeugung

Bleibt Energie bezahlbar, Herr Timm?

Hameln-Pyrmont. Seit gut einem Jahr lenkt Tobias Timm als Geschäftsführer die Geschicke der Klimaschutzagentur Weserbergland. In dieser Zeit ist es dem Diplom-Ingenieur gelungen, die Institution im Landkreis Hameln-Pyrmont zu stabilisieren und zu etablieren. Und er hat große Ziele. „Wir führen gerade Gespräche mit Nachbar-Landkreisen.“

veröffentlicht am 09.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

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Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Herr Timm, wo haben Sie in den vergangenen Monaten die Schwerpunkte gesetzt, um der Klimaschutzagentur aus den Kinderschuhen zu helfen?

Das waren drei Zielgruppen: die Privatleute, die öffentlichen Liegenschaften und die Unternehmen. Es gibt ein Klimaschutzkonzept, das Potenziale und Bedarfe errechnet hat. Von der Hierarchie ist es so, dass die größten CO2-Sparmöglichkeiten bei den privaten Gebäuden liegen. Deshalb setzen wir da auch den Schwerpunkt.

Machen denn die privaten Immobilienbesitzer Gebrauch von dem Angebot?

Früher hatten wir in unserer Hamelner Beratungsstelle feste Öffnungszeiten, zu denen jeder kommen konnte. Das ist nicht mehr zu erfüllen, weil die Inanspruchnahme so groß geworden ist. Deshalb treffen wir heute Terminvereinbarungen, um ausreichend Zeit zu haben. Sonst kämen wir hinter den Nachfragen nicht hinterher. Wir haben zudem die Beratungsstellen ausgeweitet – mit Außenstellen bei den Stadtwerken Bad Pyrmont und Hameln. Auch die werden angenommen, was zeigt, dass der Bedarf da ist.

Apropos: Die Städte und Gemeinden des Landkreises sind mit zwei Ausnahme Träger der Klimaschutzagentur. Wann kommen Aerzen und Bad Münder mit ins Boot?

Es ist nicht mehr die Frage des Ob, sondern des Wann. Wir führen intensive Gespräche; insbesondere mit Aerzen. Beide Kommunen haben inzwischen erkannt, was wir zu leisten imstande sind.

Was sind Sie denn imstande, für Kommunen zu leisten?

Wir bauen gerade das kommunale Energiemanagement als Dienstleistung auf. Wir wissen, dass durch Energiecontrolling, also das monatliche Erfassen von Energieverbrauchswerten und das Bilden von Kennzahlen, Einsparpotenziale zu entziffern sind. Zum Beispiel, wenn im Sommer gigantische Heizwärmeverbräuche auftauchen. Dann kann man sofort und gezielt reagieren.

Welche Kommunen haben den größten Investitionsbedarf?

Das ermitteln wir gerade. Wir haben mit Hessisch Oldendorf als Pilotkommune angefangen und sind dabei, uns einen Überblick über Verbräuche zu verschaffen, welche Technik vorhanden ist. Das sind Schulen, das ist das Rathaus. Wir wollen bis Ende des Jahres die erste Heizperiode nutzen, um Einsparungen zu erzielen und einen systematischen Sanierungsfahrplan aufzubauen. Darüber wollen wir unser Energiemanagement entwickeln, um es dann auch anderen Kommunen anzubieten.

Wird Ihre Arbeit von der Politik genügend unterstützt?

Ja. Sowohl von Politik und Verwaltung. Die Leistung der Klimaschutzagentur für die Städte und Gemeinden wird unterschiedlich genutzt. Es gibt Kommunen, die fragen sehr detailliert, wenn es um Einbauten von beispielsweise neuen Heizungsanlagen oder die Erstellung einer Gebäudebewertung geht. Das erfolgt unterschiedlich stark, doch sind wir auf einem guten Weg.

Und seitens der Bundespolitik? Seit der Eurokrise ist der Klimaschutz kein Thema mehr ...

... Klimaschutz erlebt immer ein Hoch, wenn der Energiepreis steigt. Das wird im Moment durch die Eurokrise überschattet. Zwar erleben wir seit Fukushima steigende Energiepreise, allerdings ist das Thema in der Gesellschaft wieder etwas abgeebbt. Wir werden aber zur neuen Heizperiode eine weitere Energiepreissteigerung erleben. Dessen bin ich mir sicher. Und dann wird das Thema wieder hochaktuell werden.

Glauben Sie, dass der Atomausstieg bis 2022 tatsächlich realisiert werden kann und die Stromversorgung mit erneuerbaren Energien klappt?

Es gibt Berechnungen, die ich für realistisch halte, dass es möglich ist, bis 2022 atomstromfrei leben zu können. Auch bei uns in der Region.

Und wie soll der Strom dann aus der Steckdose kommen?

Ganz wichtig ist, nicht nur über die Erzeugung nachzudenken, sondern über die Effizienz. Nur, wenn es gelingt, alle Effizienzpotenziale langfristig zu heben, wird es möglich sein. Also durch weniger Verbrauch der Geräte oder besser gedämmte Gebäude. Dabei spielt auch die Industrie eine große Rolle, denn die ist ja ein Hauptabnehmer für elektrischen Strom. Klappt das, ist es möglich, langfristig auf erneuerbare Energien umzusteigen. Realistisch schätze ich aber ein, dass wir bis 2022 noch nicht komplett auf regenerative Energien umgestiegen sind. Das wird nicht funktionieren. Wir werden mittelfristig wohl weiter Gas- und Kohlekraftwerke brauchen, die kurzfristig zuschaltbar sind. Ob nun aber Kohlekraftwerke in dem Maße neu gebaut werden müssen, wie es geschieht, wage ich aber zu bezweifeln. Aber wir brauchen weiterhin Gas und Kohle.

Kohle im wahrsten Sinne des Wortes. Wird Energie dann noch bezahlbar sein?

Relevant ist, was am Ende dabei herauskommt, nicht, was die Kilowattstunde kostet. Der Preis wird steigen. Am Ende wird zählen, dass Energie effizient genutzt wird.

Der Gesellschaftervertrag der Klimaschutzagentur mit dem Landkreis, den Städten und Gemeinden sowie dem Förderverein läuft nächstes Jahr aus. Wie geht es weiter?

Das Wie kann ich heute noch nicht beantworten. Ich bin aber überzeugt, dass es weitergeht und wir haben schon Gespräche begonnen. Am Ende müssen die Gesellschafter entscheiden.

Es ist Wunsch der Politik, dass sich die Klimaschutzagentur finanziell selber tragen soll. Wird das gelingen?

Dazu ist nötig, eine Profitgesellschaft zu gründen, die in der Lage ist, Einnahmen zu tätigen. Das ist heute im großen Stil noch nicht möglich, wird aber durch Energiemanagement gelingen. Im Übrigen werden in den Nachbar-Landkreisen Schaumburg und Holzminden gerade Klimaschutzkonzepte erstellt, und wir stehen in Kontakt, um über Kooperationen zu sprechen, was die Klimaschutzagentur Weserbergland weiter stärken wird.

Die Dämmung macht‘s: Tobias Timm, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland, auf der neuen Dachterrasse vor seinem Büro.

Foto: HW

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