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Oldendorfer Ökomarken haben nach Verkauf an Kosmetikriesen L’Oréal schon kräftig Image eingebüßt

Biomarktkette sagt „Tschüss Logocos!“

SALZHEMMENDORF. Die Nachricht, dass der Kosmetikriese L’Oréal den Naturkosmetik-Hersteller Logocos aus Oldendorf kauft, kam Anfang des Monats überraschend. Nur wenige Tage alt, hat die Nachricht dennoch schon für reichlich Aufregung in der Öko-Szene gesorgt:

veröffentlicht am 15.08.2018 um 14:38 Uhr
aktualisiert am 15.08.2018 um 19:00 Uhr

Naturkosmetik-Produkten des Herstellers Logocos droht derzeit ein herber Image-Verlust, Foto: Dana
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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In den sozialen Medien kündigen ehemalige Anwender von Logocos-Produkten an, die Marke wechseln zu wollen. Zur französische Kosmetikmarke L’Oréal habe man kein Vertrauen. Und auch die süddeutsche Biomarktkette Vollcorner hat Logocos bereits aus dem Sortiment geschmissen. Produkte aus dem Hause L’Oréal seien nicht mit der Philosophie von Vollcorner vereinbar, heißt es. Die Biomarktkette Vollcorner wurde Mitte der 80er-Jahre im Umfeld der Anti-Atombewegung von einer eine Clique junger Münchner gegründet. Zu der Biosupermarkt-Kette Vollcorner gehören derzeit 17 Filialen in und um München.

In einem Statement auf der Webseite des Unternehmens heißt es: „Tschüss Logocos! Wir listen Produkte der Naturkosmetikmarken Logona, Sante und Heliotrop aus unserem Sortiment aus.“ Für die Biomarktkette sei nicht nachvollziehbar, wie die Philosophie der Naturkosmetikmarken mit den „gängigen Praktiken der Nestlé-L’Oréal-Tochter Galderma Übereinstimmung finden soll“. Das Unternehmen kündigte an, in Zukunft verstärkt auf Bio-Pflege von Dr. Hauschka und Martina Gebhardt zu setzen.

Die „Netzfrauen“ haben über hundertachtzigtausend Fans auf Facebook. In ihrem Blog, der nach eigenen Angaben „informieren“ und wachrütteln“ will, haben sich die Netzfrauen kurz nach Bekanntwerden der Logocos-Übernahme ebenfalls mit dem Thema auseinandergesetzt. Auch hier herrscht Enttäuschung. Einer der Beiträge: „Da ich schon sehr lange Loreal aus bekannten Gründen und schlechten Bewertungen bei Ökotest meide, werden Produkte von Logona , Fitne, Sante und Heliotrop folgen. Von Logona hätte ich das nie gedacht, gilt die Firma doch als die Mutter der deutschen Naturkosmetik! Heutzutage wird der Verbraucher nur noch verarscht! Traurig!“ Ein anderer: „Für mich sind mit Verkauf an L’Oréal die von mir seit Jahren gekauften Artikel von Logona, Lavera und Sante gestorben. Aber es gibt ja auch noch andere Anbieter.“

Auch in der heimischen Region werden Logocos-Produkte über spezialisierte Vertriebskanäle angeboten, darunter hauptsächlich Bioläden und Reformhäuser. Dort sieht man die Entwicklung in Oldendorf aber noch entspannter. So ist aus dem Pyrmonter Reformhaus Kreisel-Siebe an der Brunnenstraße zu hören, dass man sich dort noch keine Gedanken über eine künftige Beibehaltung der Logocos-Produkte im Sortiment gemacht habe. Auch eine Veränderung im Kundenverhalten habe man noch nicht registriert. Und auch im Biomarkt Hameln an der Deisterstraße gibt es diesbezüglich noch keine Überlegungen.

Bereits vor geraumer Zeit hat sich das Reformhaus Bertram von den Logocos-Produktlinien getrennt – aber nicht erst im Zusammenahng mit der L’Oréal-Übernahme, wie Reformhaus-Chefin Anke Bertram versichert: Für ihr Unternehmen sei vielmehr entscheidend gewesen, dass die Naturkosmetik-Serien aus Oldendorf nun auch von Drogeriemarktketten wie dm und Rossmann zu weitaus günstigeren Konditionen und Dauer-Tiefpreisen vertrieben würden.

L’Oreal ist der größte Kosmetikhersteller der Welt und besitzt 28 internationale Marken. Der Gigant Nestlé ist mit 23,9 Prozent an L’Oreal beteiligt. Außerdem ist Nestlé mit drei Personen im Firmenvorstand von L’Oreal vertreten und betreibt seit 30 Jahren mit L’Oréal in Lausanne das Unternehmen Galderma. Das Unternehmen hatte mit seinen Botox-Tierversuche für europaweite Proteste gesorgt.

Information

L’Oréal und Logocos

L’Oréal ist der größte Kosmetikhersteller der Welt und besitzt 28 internationale Marken. Der Gigant Nestlé ist mit 23,9 Prozent an L’Oreal beteiligt. Außerdem ist Nestlé mit drei Personen im Firmenvorstand von L’Oreal vertreten und betreibt seit 30 Jahren mit L’Oréal in Lausanne das Unternehmen Galderma. Das Unternehmen hatte mit seinen Botox-Tierversuchen für europaweite Proteste gesorgt. L’Oréal bekommt zunehmend die Konkurrenz der grünen Kosmetik zu spüren – ein Marktsegment, das zurzeit zu den stärksten Trends im Kosmetikmarkt zählt. Der Kauf von Logocos dürfte der zweite Versuch sein, in dieser Sparte Fuß zu fassen. Erst vor ein paar Jahren hatte L’Oréal die britische Naturkosmetik-Kette The Body Shop gekauft. Die Marke verlor durch die Übernahme ihr alternatives Ansehen und viele Stammkunden. Am 9. Juni 2017 wurde The Body Shop für rund eine Milliarde Euro von L’Oreal an den brasilianischen Natura-Konzern verkauft. Die Kette mit 3000 Läden in 60 Ländern war von der britischen Unternehmerin und Umweltaktivistin Anita Roddick gegründet worden.

Auch hinter Logocos steckte in seinen Anfängen ein Verfechter naturbelassener Körperpflege: 1977 gründete der gelernte Heilpraktiker Hans Hansel, damals 26 Jahre alt, mit zwei Freunden die Firma Lorien Goods, die anfangs einige wenige, nicht synthetisch konservierte Naturkosmetika aus dem Ausland verkaufte. Zufrieden war Hansel mit dem Importangebot nicht. Also beschloss er, die Lücke zu schließen und selbst Naturkosmetik herzustellen. Die heimische Küche wurde zum Labor, die ersten Schaumbäder und Shampoos wurden in der Garage produziert. Heute bringt Logocos authentische Marken und die einzigartige Expertise eines Naturkosmetik-Pioniers mit. Alle Produkte der Marken des Unternehmens sind vegan und biozertifiziert. Sie enthalten Pflanzenextrakte aus eigener Herstellung sowie natürliche Inhaltsstoffe aus der ökologischen Landwirtschaft. Das Unternehmen beschäftigt 340 Mitarbeiter. 2017 hat die Logocos Naturkosmetik AG in Deutschland und weiteren europäischen Ländern einen Netto-Umsatz von 59 Millionen Euro erwirtschaftet.joa

L’Oréal bekommt zunehmend die Konkurrenz der grünen Kosmetik zu spüren – ein Marktsegment, das zurzeit zu den stärksten Trends im Kosmetikmarkt zählt. Der Kauf von Logocos dürfte der zweite Versuch sein, in dieser Sparte Fuß zu fassen. Erst vor ein paar Jahren hatte L’Oréal die britische Naturkosmetik-Kette The Body Shop gekauft. Die Marke verlor durch die Übernahme ihr alternatives Ansehen und viele Stammkunden. Am 9. Juni 2017 wurde The Body Shop für rund eine Milliarde Euro von L’Oreal an den brasilianischen Natura-Konzern verkauft. Die Kette mit 3000 Läden in 60 Ländern war von der britischen Unternehmerin und Umweltaktivistin Anita Reddick gegründet worden.

Auch hinter Logocos steckt in seinen Anfängen ein Verfechter naturbelassener Körperpflege: 1977 gründete der gelernte Heilpraktiker Hans Hansel, damals 26 Jahre alt, mit zwei Freunden die Firma Lorien Goods, die anfangs einige wenige, nicht synthetisch konservierte Naturkosmetika aus dem Ausland verkaufte. Zufrieden war Hansel mit dem Importangebot nicht. Also beschloss er, die Lücke zu schließen und selbst Naturkosmetik herzustellen. Die heimische Küche wurde zum Labor, die ersten Schaumbäder und Shampoos wurden in der Garage produziert. Heute bringt Logocos authentische Marken und die einzigartige Expertise eines Naturkosmetik-Pioniers mit. Alle Produkte der Marken des Unternehmens sind vegan und bio-zertifiziert. Sie enthalten Pflanzenextrakte aus eigener Herstellung sowie natürliche Inhaltsstoffe aus der ökologischen Landwirtschaft.

Das Unternehmen beschäftigt 340 Mitarbeiter. 2017 hat die Logocos Naturkosmetik AG in Deutschland und weiteren europäischen Ländern einen Netto-Umsatz von 59 Millionen Euro erwirtschaftet.



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