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Wie nach einem Kometeneinschlag

Bigtab warnt vor ICE-Neutrasse

BÜCKEBURG. Vergleichsweise still ist es in der öffentlichen Wahrnehmung um die Pläne für eine ICE-Neubautrasse durch das Schaumburger Land geworden, nachdem Bundestag und Bundesrat Ende vergangenen Jahres grünes Licht für das Schienenwegeausbaugesetz gaben. Viel zu still, befindet die Bückeburger SPD.

veröffentlicht am 07.08.2017 um 16:41 Uhr

Eckhard Meisel (links) schildert die Auswirkungen eines Trassenneubaus auf die Umgebung und insbesondere den Rethof. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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Nach wie vor ist das Vorhaben des Dobrindt-Minsteriums für den viergleisigen Schienenlückenschluss zwischen Hannover und Porta Westfalica mittels einer Neubautrasse hochakut.

Die Sozialdemokraten luden deshalb Öffentlichkeit sowie die eigene Bundestagskandidatin Marja-Liisa Völlers zu einer Fahrradexkursion durch die Bückeburger Niederung ein, um die Auswirkungen eines derartigen Bauprojekts einmal an Ort und Stelle vor Augen zu führen.

Die Bundestagskandidatin aus Münchehagen brachte dabei ein ganz besonderes Interesse mit, denn die 32-Jährige ist gebürtige Bückeburgerin. Dass das Thema aber inzwischen bei vielen anderen Bückeburgern auch wieder ins Bewusstsein gerückt ist, zeigte die unerwartet hohe Zahl an Teilnehmern, darunter auch viele Mitglieder der Bürgerinitiative Bigtab, die sich wie vor zwölf Jahren an vorderster Front gegen die Bahnpläne stemmt.

Besonders prägnant ließen sich die Folgen eines Trassenneubaus auf dem Grundstück des Rethofs verdeutlichen. Kaum mehr als zweihundert Meter misst der Abstand des zu Scheie zählenden landwirtschaftlichen Anwesens zum nördlich davon gelegenen Naturschutzgebiet „Bückeburger Niederung“. Und genau dieser schmale Korridor ist eine der wenigen Möglichkeiten, in möglichst gerader Linie Tallensen-Echtorf und Porta Westfalica mit einer neuen Schnellbahntrasse zu verbinden. Wie sich das konkret auf die direkte Umgebung auswirken werde, dazu nahm Bigtab-Sprecher Eckhard Meisel (als Vertreter für den im Urlaub weilenden Thomas Rippke) kein Blatt vor den Mund: „Wir wissen aus Luftbildern von der ICE-Neubaustrecke in Thüringen, was ein solches Bauprojekt für unglaubliche Zerstörungen anrichtet. Die Massen an Erdbewegungen, an Lkws, an Dreck, Staub und Lärm, und das über Jahrzehnte, kann man sich gar nicht vorstellen.“ Meisel ist überzeugt: „Wenn die Neubautrasse kommt, wird ein kompletter Landstrich verwüstet. Dann sieht es hier 15 Jahre lang aus wie nach einem Kometeneinschlag.“ Keine guten Aussichten für den seit 16 Generationen von den Familien Hornung und Loose bewirtschafteten Rethof: „Der ist dann schlicht und einfach weg.“

Noch deutlicher wurde SPD-Ratsherr und Umweltexperte Wolfhard Müller: Durch den enormen Bodenaushub für die Betonstelzen, auf denen die neue ICE-Trasse zwangsläufig verlaufen müsse, werde die Tonschicht im Boden durchstoßen und dadurch das Grundwasser in die darunter liegende Kiesschicht ablaufen. Als Folge des Wasserverlusts werde nicht nur die Landwirtschaft sowie der Schaumburger Wald irreparabel beschädigt, es sei sogar ein Bruch des Mittellandkanals zu befürchten, da dieser zwischen Bückeburg und Minden nicht gedichtet sei.

Auch der Ratsvorsitzende Reinhard Luhmann hält diese Szenarien nicht für übertrieben, im Gegenteil: Neben den katastrophalen Auswirkungen für Natur, Umwelt und Landwirtschaft befürchtet er in Folge der Grundwasserabsenkung massive Gebäudeschäden an der Wohnbebauung der Großgemeinde Evesen. Und er sorgt sich um die bei vielen anzutreffende Gelassenheit beim Thema Bahntrasse: „Viele Bürger glauben, das Thema sei offensichtlich noch so weit entfernt, dass sie es nicht für nötig halten, sich damit auseinanderzusetzen. Wenn es dann aber wirklich konkret wird, ist es zu spät.“

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