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Landgericht mildert Strafe ab

Betrug: Zwei Jahre und fünf Monate Haft für Ex-Bauer M.

LÜGDE / DETMOLD. Wegen mehrfachen gewerbsmäßigen Betrugs muss ein einschlägig vorbestrafter Mann, der zuletzt als Landwirt in Lügde scheiterte, für 2 Jahre und 5 Monate ins Gefängnis. Die Haftstrafe verhängte das Landgericht Detmold in dem von Klaus M. (50) angestrengten Berufungsverfahren.

veröffentlicht am 07.06.2017 um 21:26 Uhr

Auch den letzten Verhandlungstag verfolgte das Fernsehen: Eine WDR-Kamerafrau filmt den Angeklagten Klaus M. und seinen Pflichtverteidiger Ulrich Schmidt. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Richterin Dr. Melanie Rüter und die beiden Schöffen sahen es als erwiesen an, dass M. nie vorhatte, das für die Hühner auf seinem zu Unrecht als Bio-Betrieb firmierenden Pachthof „Kösters Kamp“ im Lügder Ortsteil Wörderfeld bestellte Futter zu bezahlen.

Makaber: Zwei Bestellungen gab er demnach in betrügerischer Absicht unter dem Namen des verstorbenen Mannes seiner Verpächterin auf. Unter eigenem Namen hätte er von dem Futtermittelhersteller nichts geliefert bekommen. Der Grund: ein Sperrvermerk wegen unbezahlter Rechnungen. Hier behauptete M. vor Gericht, er habe die fünf Tonnen Futter nicht bestellt, und sie seien nie geliefert oder von irgendjemandem heimlich wieder aus seinem Silo gesaugt worden. Dagegen sprachen die Aussagen des Speditionsfahrers, aber auch des Lieferanten. Als der nämlich später am Telefon nach der Bezahlung fragte, soll M. um nochmalige Zusendung der Rechnung gebeten haben, die wohl an eine falsche Adresse gegangen sei.

Hinzu kam: M. kaufte Billighuhn beim Discounter, packte und etikettierte es auf „Biohof Kösters Kamp“ um und lieferte es an zwei Bioläden. Leere Penny-Schachteln entdeckte der Schwager der Verpächterin in einem Schuppen. Einen verräterischen Lidl-Bon fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in seinem Büro.

Die beiden Fälle waren die einzigen, die aktenkundig wurden. Andere Geschädigte, denen M. „100 & Angus“-Hackfleisch zum Weiterverkauf geliefert hatte, obwohl er keine Angus-Herde besaß, behielten das – wohl aus Sorge ums eigene Image – für sich.

Vor dem Amtsgericht Detmold war der Angeklagte im Oktober 2016 zu 4,5 Jahren Haft verurteilt worden. Dieses Strafmaß erschien jetzt auch Oberstaatsanwältin Katja Erfurt angemessen. Die wort- und windungsreichen Schutzbehauptungen des Angeklagten nannte sie in ihrem Plädoyer „Grimms Märchen at it’s best“. Ihr Eindruck: „Wir haben hier einen Angeklagten, der uns krude Geschichten auftischt.“ Sie glaube, „dass Ihnen nur zu helfen ist, wenn Sie mal im Knast sitzen und Zeit haben, über Ihre Taten nachzudenken“.

Die Aussagen von drei neuen Zeugen am Mittwoch halfen Klaus M. wenig: Seine Ex-Freundin (36) erschien als personifizierte Erinnerungslücke. Für das auf ihren Namen laufende Geschäftskonto habe sie sich nicht interessiert. Und auch ein sichtlich unruhiger Ex-Nachbar (28), der ihm gelegentlich auf dem Hof zur Hand ging, wusste nach eindringlicher Warnung der Oberstaatsanwältin vor den Folgen einer Falschaussage nicht mehr, wann er M. beim Silo-Öffnen geholfen hatte. Lediglich M.s Vater (83), auf dessen Namen der Hof lief, bestätigte, dass sein Sohn rund 270 Hennen für über 2300 Euro nicht bezahlt habe, weil sie nicht genug Eier gelegt hätten. So dürfte letztlich einer von ursprünglich fünf angeklagten Betrugsfällen vom Tisch gewesen sein. Einen Vorsatz sah das Gericht hier als nicht erwiesen an.

Klaus M. stellte sich bis zuletzt als unschuldig dar. Die erdrückende Beweislast ließ seinen Pflichtverteidiger Ulrich Schmidt (Hameln) für eine „milde Strafe“ plädieren. Die 4,5 Jahre Haft aus der ersten Instanz stünden in keinem Verhältnis zu den Taten. Mit Blick auf den Bio-Etikettenschwindel fand der Anwalt: „Das mag für Betroffene sehr verwerflich sein.“ Aber: „Die das Fleisch bekommen haben, haben es nicht bemerkt. Und die es gegessen haben, auch nicht.“ Niemand sei gefährdet worden. Das Fleisch sei nur nicht „bio“ gewesen.

Wie schon in erster Instanz, so fließt auch in die neue Verurteilung eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe wegen nicht gezahlten Unterhalts für die beiden ehelichen von Ms. inzwischen vier Kindern ein.

Mit den knapp 2,5 Jahren Gefängnis ist es aber wohl nicht getan. Obendrauf könnte eine Anfang 2014 vom Amtsgericht Iserlohn zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe kommen. Anlass sollen dort fünf unbezahlte Rechnungen über 20 000 Euro für Anschaffungen auf M.s ehemaligen Hof bei Iserlohn gewesen sein. Schon damals hatte der Möchtegern-Bauer nach Überzeugung des dortigen Gerichts bestellte Waren nie zu zahlen beabsichtigt. Weil die aktuell verhandelten Fälle ganz ähnlich liegen, dürfte mit einem Widerruf der Iserlohner Bewährung zu rechnen sein. Kommt es so, dann muss der 50-Jährige für 4 Jahre und 3 Monate hinter Gitter.

Rechtskräftig wird das Urteil vom Mittwoch, wenn weder M. noch die Staatsanwaltschaft binnen einer Woche Revision einlegen.

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