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Patienten am Sana betroffen / Offenbar 188 Straftaten / SEK nimmt Mann in Rohden fest

Betrüger fliegt erst nach einem Jahr auf

Hameln. Patienten des Sana Klinikums sind fassungslos. Offenbar wurden sie im Krankenhaus von einem Therapeuten begutachtet, der keiner ist. Die Klinik in Hameln soll einem Betrüger aufgesessen sein. Ein 47 Jahre alter Mann habe sich als Psychotherapeut ausgegeben und im Krankenhaus über mehrere Monate Patienten begutachtet und Ärzte beraten. Das Sana Klinikum hat den Vorfall bestätigt.

veröffentlicht am 03.03.2015 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 04:21 Uhr

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Der 47-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Eine Spezialeinheit der Polizei hat den Verdächtigen am vergangenen Donnerstag in Rohden festgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft Hannover erst gestern mit. „Dem Mann werden 188 Straftaten vorgeworfen. Hauptsächlich dreht es sich um Betrug, aber auch um die Ausübung eines ärztlichen Berufes, ohne dazu berechtigt zu sein. Er hat vorgespiegelt, ein psychologischer Psychotherapeut zu sein – so die bisherigen Erkenntnisse“, ist von der Staatsanwaltschaft zu erfahren.

„Die Klinik hat den Mann nur dadurch eingestellt, dass er falsche Urkunden vorgelegt hat, die ihn als Psychotherapeuten ausgewiesen haben, der er in Wirklichkeit gar nicht gewesen ist. Nach unseren Erkenntnissen ist er es jedenfalls nicht gewesen“, berichtet Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Der Mann soll von 2012 bis 2015 Patienten, insbesondere Adipositas-Patienten, begutachtet und entsprechende Gutachten bei Krankenkassen eingereicht haben und dafür Geld erhalten haben. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus.

Der Beschuldigte soll bereits vorher einige Male wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgefallen sein. Aus diesem Grund sei das SEK eingesetzt worden sein, erklärt der Oberstaatsanwalt. Bei dem Einsatz sollen auch in der Wohnung Waffen gefunden worden sein, heißt es.

„Die Person war für uns ein Jahr konsiliarisch tätig“, sagt Natalie Arnold, Leiterin Unternehmenskommunikation in der Klinik. Der Mann war im Rahmen von Konsilien tätig, er ist, wenn er gerufen wurde, ins Haus gekommen – als psychologischer Psychotherapeut, heißt es aus dem Sana Klinikum. Der Mann habe in dieser Funktion Gutachten erstellt und bei psychischen Auffälligkeiten der Patienten die Ärzte der Klinik beraten, ist aus dem Krankenhaus zu erfahren.

„Die Verantwortung für die Patienten blieb dabei stets in ärztlicher Hand. Er hat die Patienten nicht betreut oder behandelt. Über die bewusste Täuschung mit offenbar gefälschten Papieren dieser Person sind wir sowohl wütend wie auch betroffen“, sagt Arnold. Als man im Krankenhaus auf die Unregelmäßigkeiten aufmerksam geworden sei, habe man das bestehende Vertragsverhältnis mit dem Mann beendet. Der mutmaßliche Betrüger soll seit Januar nicht mehr für das Sana Klinikum tätig sein, ist von der Pressesprecherin zu erfahren.

Aufgefallen sei der mutmaßliche Schwindel, nachdem das Klinikum einen Hinweis bekommen habe, dass der Mann zuvor bei einem anderen Arbeitgeber in ganz anderer Funktion tätig gewesen sein soll, heißt es aus der Klinik. „Eine Ausbildung hat er uns auch entsprechend nachgewiesen. Wie es aussieht, war der Nachweis falsch. Wir hatten recherchiert und in Kooperation mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont eine Anfrage gestellt. Das Ganze ist aber noch ein laufendes Verfahren. Wir wissen nur, dass die uns vorgelegte Urkunde nicht von dort stammen soll“, äußern sich Sprecher des Krankenhauses.

Patienten gaben dieser Zeitung gegenüber an, dass der mutmaßliche Betrüger Mitglieder einer Adipositasgruppe begutachtet haben soll. Gutachten, die von den Patienten bezahlt werden mussten, wurden durch das Krankenhaus für ungültig erklärt, heißt es. „Das ist ein psychologisches Zeugnis, das keines ist“, heißt es bei der Klinik. Der Mann sei in ein eigenes Behandlungsverhältnis mit den Patienten getreten. Allerdings würde das Krankenhaus bei Patienten, die sich eine Neubegutachtung nicht leisten können, die Kosten übernehmen“, betont die Krankenhaussprecherin.lp

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