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„Ich habe nur geholfen“: 21-Jähriger beweist Zivilcourage

Bennigser wird auf dem Bahnübergang zum Lebensretter

Springe. Eigentlich war es so gar nicht David Wohlgemuths Tag gestern. Der Bennigser hatte sich erst am Vorabend beim Baseball einen Bänderriss zugezogen. Jetzt war er auf dem Rückweg vom Arztbesuch – und plötzlich mittendrin in einem Drama, das ihn zum Lebensretter machte.

veröffentlicht am 12.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite
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„Ich wollte eigentlich gar nicht über den Bahnübergang fahren“, erinnert sich der 21-Jährige gestern. Doch als er die 76-jährige Frau auf den Schienen liegen sieht, zögert er nicht: „Ich bin sofort abgebogen.“ Wegen seiner frischen Verletzung kann er nur ein paar Schritte schmerzfrei gehen, deshalb hält er mitten auf den Schienen. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Hilf ihr eben auf, in zwei Minuten ist das geregelt.

Doch aus den zwei Minuten werden schnell fünf; die Frau ist verletzt, wackelig auf den Beinen: „Sie konnte gar nicht stehen bleiben, sie ist gleich wieder gestürzt“, erinnert sich Wohlgemuth. Aus den Augenwinkeln sieht er Passanten, sie zücken ihre Handys – doch statt Hilfe zu rufen, machen einige offenbar Fotos.

Der 21-Jährige trifft eine einsame Entscheidung: Er hebt die verletzte Frau auf den Beifahrersitz seines Autos und steigt ein, um sie von den Schienen zu fahren. Das Adrenalin lässt ihn seine eigenen Schmerzen vergessen. Und dann ertönt plötzlich das Warnsignal, die Schranken senken sich: „Als ich das richtig realisiert habe, waren nur noch zehn Zentimeter Platz. Das hätte niemals gereicht“, sagt Wohlgemuth. Rumms – eingeschlossen. Wieder handelt er kurz entschlossen: „Ich bin so nah an die Schranke herangefahren wie möglich.“ So hofft der 21-Jährige, der nahenden S-Bahn zu entkommen. Weil sein eigenes Handy unerreichbar auf dem Beifahrersitz unter der 76-Jährigen liegt, ruft der Bennigser den Passanten zu, bittet sie, die Polizei zu rufen, den Zug zu stoppen. Doch das hat schon die Technik übernommen – ohne, dass es jemand merkt, erklärt später Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: „An dem Bahnübergang befindet sich ein Radarsystem, das prüft, ob sich ein Hindernis auf den Schienen befindet. Ist das der Fall, gehen die Signale für den Zug sofort auf Rot und die Schranke hebt sich wieder.“

Genau das passiert, während Wohlgemuth noch versucht, die panische Frau zu beruhigen. Sofort gibt der junge Mann Gas – die beiden sind in Sicherheit. „Ich wollte sie eigentlich noch ins Krankenhaus fahren“, sagt er später. Doch inzwischen sind Polizei und Rettungsdienst eingetroffen; die Rentnerin wird ins Klinikum Springe gebracht. Die Züge rollen da schon wieder, bei der Bahn spricht man von nur wenigen Minuten Verspätung. Von Polizei-Einsatzdienstleiter Lutz Fricke gibt es ein dickes Lob: „Das ist für mich Zivilcourage“, sagt er. Wohlgemuth ist noch Stunden später sichtlich berührt von dem, was er erlebt hat. Doch eins steht schon jetzt für ihn fest: Er will nicht als Held bezeichnet werden. „Ich habe nur geholfen und will nicht, dass die Leute denken, dass ich damit angebe. Das ist mir wichtig.“



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