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Nabu kämpft gegen Aussterben der Gelbbauchunke / Nur noch wenige Exemplare im Weserbergland

Bei dieser Unke sehen die Feinde gelb

Hameln. „Uh Uh Uh“ rufen die männlichen Gelbbauchunken, wenn sie nach einem Weibchen suchen. Gerne liegen sie in trüben Pfützen und Tümpeln und lassen sich die Sonne auf den verwarzten, grau-braunen Rücken scheinen. Früher hörte man den dumpfen Ruf der Unke oft, heute gibt es im Bereich Hameln und Rinteln nur noch wenige Populationen mit wenig Individuen.

veröffentlicht am 02.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:41 Uhr

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Autor:

Xenia Balzereit
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So wenige, dass sie in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen als vom Aussterben bedroht eingestuft werden. So dramatisch ist der Rückgang der Populationen, dass ihr Schutz zu einem bundesweiten Förderprojekt gemacht wurde. Projektträger ist der Nabu Niedersachsen, der neun Projektpartner und viele Kooperationspartner hat. Insgesamt gibt es acht Projektregionen und 130 Projektgebiete in fünf Bundesländern. Gefördert wird es vom Bundesamt für Naturschutz und den Ländern Niedersachsen, Nordrhein Westfalen und Baden-Württemberg. Das Projektbüro liegt in Rinteln und damit in der Projektregion „Nördliches Weserbergland“, wo der Rückgang der Gelbbauchunke besonders stark ist. Aber es ist nicht nur die Gelbbauchunke, die hier geschützt wird.

„Die Lebensräume der Gelbbauchunke sind besonders artenreich. Werden diese gesichert und gepflegt, erhöht das die gesamte Artenvielfalt in den Projektregionen“, sagt Dr. Mirjam Nadjafzadeh, Projektleiterin. Die Leit- und Zielart Gelbbauchunke hebt sich jedoch von den anderen Arten, die ihren Lebensraum teilen, ab. Zum einen ist sie besonders selten, zum anderen besitzt sie eine leuchtend gelb-schwarz gemusterte Färbung an der Unterseite. Ähnlich wie bei einem Fingerabdruck beim Menschen ist die Färbung am Bauch individuell, keine gleicht der anderen. Wittert die Unke Gefahr, nimmt sie die sogenannte Kahnstellung ein. Dabei macht sie ein Hohlkreuz und dreht ihre Gliedmaßen nach außen. Die nun sichtbare gelb-schwarze Zeichnung soll Fressfeinde warnen: „Vorsicht, ungenießbar.“ Entscheidet sich doch ein Vogel sie zu verspeisen, sondert die Unke ein Gift ab, das Haut und Schleimhäute reizt.

Bis in die erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts kam die Unke vor allem in dynamischen Auenbereichen vor. Die Gelbbäuche bevorzugen Kleinstgewässer und Rohbodenflächen zur Fortpflanzung. Durch Hochwasser wurden diese Möglichkeiten geschaffen. Heute, wo viele Fließgewässer begradigt und die Ufer zu steil sind, fehlen ihnen die Lebensräume.

Paradox: Gerade die schweren Bagger an Abbaugruben, über die Tierschützer sich vielfach beschwert hatten, schaffen neue Lebensräume für die Unken. Ausgerechnet dort, wo man am wenigsten kleine Lebewesen vermutet, siedeln sich die Unken am liebsten an und pflanzen sich fort. Das sind Ton-, Sand- und Kiesgruben oder Steinbrüche. Da ist nämlich noch Dynamik vorhanden. Kleine Tümpel entstehen in den Reifenspuren der schweren Fahrzeuge, die Landschaft verändert sich stetig. Flach und sonnenbeschienen müssen die Tümpel oder Pfützen sein, dann fühlen sich die Gelbbäuche wohl. Dort ist die Zahl der Fressfeinde der Unke auf ein Minimum reduziert und sie stellen damit deshalb hervorragende Laichgewässer für die Gelbbauchunke dar.

Insgesamt gibt es im Hamelner und Rintelner Raum nur sehr wenige Populationen, die zudem zu weit voneinander entfernt liegen. Deswegen kann kein genetischer Austausch stattfinden, die Population pflanzt sich nur untereinander fort und ist dadurch benachteiligt im Kampf ums Überleben.

„Wir wollen bestehende Populationen der Unken stärken, aber auch Trittsteine zwischen Lebensräumen anlegen. Teilweise soll die Art auch wieder angesiedelt werden, um isolierte Populationen zu verbinden“, erläutert Nadjafzadeh.

Deutschland hat bei der Erhaltung der Art eine besondere, internationale Verantwortung. Ein bedeutender Teil des Gesamtareals konzentriert sich auf die Bundesrepublik, die Region Weserbergland stellt die nördlichste Grenze der Verbreitung der Art dar.

„Das Projekt ist nicht nur eine gute Möglichkeit eine stark gefährdete Amphibienart zu schützen, sondern schafft gleichzeitig Lebensräume für viele weitere seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit den geeigneten Maßnahmen an richtiger Stelle können wir somit große Artenschutzerfolge erzielen“, sagt Nadjafzadeh.

Wo genau diese Erfolge bei Populationen erzielt werden sollen, ist geheim. Immer wieder gibt es Menschen, die die außergewöhnlichen Tiere in ihrem Gartenteich sehen möchten, ungeachtet dessen, dass die vegetations- und fischreichen Gartenteiche keinen geeigneten Lebensraum für die Gelbbauchunke darstellen. Andere verkaufen sie für viel Geld.



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