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Unberechenbar wild

Begegnungen mit Wildschweinen im Dorf eher die Ausnahme

WESERBERGLAND. Woher das Wildschwein kam, dass in Groß Berkel am Sonnabend für Aufregung sorgte (wir berichteten), wird nicht geklärt werden können. Ob es sich um einen Überläufer handelte, der bei einer Jagd auf die Läufe gebracht wurde oder das Borstenvieh von einem Waldbereich in einen anderen ziehen wollte, man weiß es nicht. Eines ist indes für Kreisjägermeister Jürgen Ziegler klar: „Ein solches Verhalten eines Wildschweins wird eine Ausnahme bleiben, denn Wildtiere halten sich grundsätzlich vom Menschen fern.“

veröffentlicht am 13.12.2018 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 13.12.2018 um 20:50 Uhr

Wehrhaft: Wird ein Wildschwein in die Enge getrieben, versucht es sich zu verteidigen. Foto: dpa

Autor:

Peter Jahn
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Schon immer mal hat sich in der Vergangenheit auch im Weserbergland ein Schwarzkittel in ein Dorf verlaufen. Das ist keiner Überpopulation oder der Suche nach Nahrung geschuldet, wie vielleicht am Rande von Großstädten. In den Wäldern des Weserberglandes gibt es genug für die Tiere zu fressen.

Unter jeder Eiche und jeder Buche liegen in diesem Jahr massenhaft Früchte. Und was den Bestand an Wildschweinen anbelangt, sind die Jägerinnen und Jäger seit einigen Jahren dabei, gezielt die Zahlen zu senken. Verstärkt wird dies durch die Furcht vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Am Sonnabend ist in einigen Revieren im Weserbergland, so auch in der Umgegend von Groß Berkel, gleichzeitig gejagt worden. Dies ist notwendig, will man die Zahl der Wildschweine effektiv verringern und ihnen die Möglichkeit nehmen, sich ins Nachbarrevier abzusetzen. Dazu muss man wissen, dass die Schwarzkittel sich in einem Jahr um 200 bis 300 Prozent vermehren. „Wir jagen nach wildbiologischen Gesichtspunkten, um wieder auf den Ausgangsbestand zu kommen“, erklärt Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister. Dabei gelte es, möglichst viele Jungtiere zur Strecke zu bringen. Im Landkreis Hameln-Pyrmont hat Ziegler mehrere größere revierübergreifende Jagden organisiert. So ist am Wochenende der Süntel großflächig bejagt worden. 91 Sauen lagen auf der Strecke, die weitaus meisten auf der münderschen Seite.

Es hat sich gezeigt, dass die revierübergreifenden Jagden am effektivsten sind. Es herrscht einen oder zwei Tage Unruhe in den Revieren, dann hat das Wild wieder seine Ruhe. Um die Sauen vor die Büchse zu bekommen, werden sie bei der Jagd von Treibern und Hunden aus Hecken und Büschen gedrückt. Meist läuft das Wild davon. Wenn ein Wildschwein sich aus dem Staub macht, kann es vorkommen, dass es durch eine Treiberkette rennt. Das ist dann aber kein gezielter Angriff auf einen Menschen. Oder: Der Keiler oder die Bache versuchen, in einer Brombeerhecke zu bleiben, dann verteidigen sie sich gegen die Jagdhunde, die sie herausholen wollen.

„Das war schon immer so. Dass die Sauen aggressiver geworden sind, lässt sich nicht belegen. Wird ein Schwein in die Enge getrieben, versucht es, sich zu verteidigen“, sagt Ziegler. Bei einem hohen Bestand an Schwarzkitteln werden die Begegnungen häufiger, das subjektive Empfinden kann davon beeinflusst sein. Immer, wenn ein Schwein verletzt ist oder eine Bache ihre Frischlinge verteidigen will, ist erhöhte Vorsicht geboten. Dann wird das Wild unberechenbar und greift an. In solchen Situationen kamen schon Jäger und auch andere Menschen zu Schaden, die im Wald Wege verlassen haben.

Von politischer Seite wird in Zeiten der Afrikanischen Schweinepest die verstärkte Jagd auf Wildschweine gefordert. Das geht nur mit Jagdhunden, die dafür ausgebildet sind. Vom Landwirtschaftsministerium gibt es eine Förderung für brauchbare Jagdhunde.

In jedem Jahr bietet die Jägerschaft Hameln-Pyrmont Lehrgänge und Prüfungen für Jagdhunde an. Um die menschlichen Begleiter vor den Wildschweinen zu schützen, werden diese Hunde im Einsatz mit Sicherheitswesten und GPS-Sendern ausgerüstet. Zur Unterstützung der Jäger bei der Verringerung des Wildschweinbestandes ist im Landkreis Hameln-Pyrmont die Trichinenbeschau inzwischen kostenfrei. Ab dem kommenden Jahr wird auch die Jagdsteuer gesenkt.

Die großen Jagden im Landkreis Hameln-Pyrmont gehen in dieser Jagdsaison dem Ende entgegen. „Am 29. Dezember wird zwischen dem Schecken bei Afferde und Voremberg sowie am 5. Januar zwischen Kirchohsen und dem Scharfenberg revierübergreifend gejagt“, so Ziegler. Auch die kleineren Jagden werden Anfang Januar enden, danach versuchen die Jäger, einzelne Stücke vom Ansitz aus zu erbeuten.



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