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Knapp ein Drittel der Betriebe findet keine Lehrlinge

Azubi gesucht! - Die Ausbildungsmesse hilft

Azubi-Ebbe im Posteingang bei vielen Firmen in Deutschland: Fast jedes zehnte Ausbildungsunternehmen hat „noch nicht einmal eine Bewerbung erhalten“, klagte in diesem Sommer der Industriedachverband DIHK. Er fordert: Alle müssen mehr tun für die betriebliche Lehre. Die Hamelner Ausbildungsmesse nimmt die Herausforderung an.

veröffentlicht am 02.09.2017 um 08:30 Uhr
aktualisiert am 02.09.2017 um 14:29 Uhr

Thomas Thimm

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Wir sind auf alle Fälle wieder auf der Ausbildungsmesse zu finden“, sagt Nadine Lutter von der Firma Zacharias Gebäudetechnik in Hameln. Vor gut einem Jahr hat der Heizungs- und Klimatechnikbetrieb auf der Messe gleich zwei Auszubildende gefunden. Lutter: „Im vergangenen Jahr hatten wir viele gute Gespräche auf der Messe und mit unseren beiden Einstellungen dann auch einen sehr guten Erfolg. Darauf hoffen wir auch in diesem Jahr.“

Die Situation auf dem landesweiten Ausbildungsmarkt ist alles andere als rosig: Fast jeder dritte Betrieb in Deutschland kann aus Mangel an geeigneten Bewerbern Lehrstellen schlicht nicht besetzen. Wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zu seiner Umfrage „Ausbildung 2017“ unter etwa 10 500 Unternehmen berichtete, lag die Quote zuletzt bei 31 Prozent – im Vergleich zu 12 Prozent zehn Jahre zuvor. „Fast jeder zehnte Ausbildungsbetrieb hat noch nicht einmal eine Bewerbung erhalten“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Unter den Branchen habe das Gastgewerbe, wo 58 Prozent der Betriebe Lehrstellen nicht besetzen konnten, die größten Probleme. Stark zugenommen hat der Azubi-Mangel im Baugewerbe mit 42 Prozent (2015: 30 Prozent).

Deutschland müsse mehr für seine duale Ausbildung tun, fordert Schweitzer. Lehrer sollten nicht nur die Berufschancen durch ein Studium aufzeigen, sondern auch die der beruflichen Bildung. Schulen könnten mehr Kooperationen mit Betrieben eingehen und ihren Schülern frühzeitig Praktika und den Austausch mit Azubis ermöglichen.

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Wo sind sie? Das Handwerk wie zum Beispiel die Tischlereien sucht händeringend Azubis. Foto: dpa

Nach dem Berufsbildungsbericht der Bundesregierung sank die Gesamtzahl neu abgeschlossener Lehrverträge 2016 auf gut 520 000. Fünf Jahre davor waren noch fast 570 000 Lehrstellen besiegelt worden. Gründe sind der demografische Wandel mit immer weniger jungen Menschen und der Trend zum Studium. Die Zahl offener Azubi-Plätze wuchs im Vorjahr um 4,5 Prozent auf 43 500.

Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks zählt zu den besseren Umfrageergebnissen, dass „die Kooperation zwischen Betrieb und Berufsschule eine Erfolgsgeschichte“ sei. 86 Prozent der Firmen seien „mit ihrer Berufsschule zufrieden oder sehr zufrieden“. Dercks mahnte aber gleichzeitig auch: „Die Betriebe empfinden die zunehmenden Entfernungen zur Berufsschule als großes Problem. Schulstandorte werden zunehmend ausgedünnt, weil es immer weniger Azubis und somit Berufsschüler gibt“ – so auch in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg in den vergangenen Jahren immer wieder mal geschehen. Hier könne „der Einsatz digitaler Kommunikationsmittel und Lernformate so manchem Auszubildenden den dadurch längeren Weg zur Berufsschule ab und zu ersparen“. Auch deshalb müssten bei den Digitalisierungsstrategien von Bund und Ländern „die Berufsschulen einen besonderen Stellenwert einnehmen“, meint Dercks.

Wir bringen zum großen Thema Ausbildung 45 Unternehmen mit rund 4000 Besuchern zusammen.

Bianca Cardoso, Hamelner Ausbildungsmesse

Solche und ähnliche Themen werden auf der Hamelner Ausbildungsmesse eine große Rolle spielen. Bianca Cardoso organisiert die Messe in der Rattenfänger-Halle und verspricht in beide Richtungen: „Wir bringen auf der Messe zum großen Thema Ausbildung 45 ausstellende Unternehmen mit rund 4000 Besuchern zusammen.“ Auf gut 1000 Quadratmetern werden am 22. und 23. September Schüler aller Schulformen auf Ausbildungsbetriebe treffen, die Nachwuchskräfte mit Ambitionen suchen.

Nadine Lutter von der Firma Zacharias weiß, worauf es in den meisten Fällen ankommt: „Der ordentliche, gute Mittelweg ist gefragt: Die Ausbilder suchen nicht nur unbedingt den superschlauen Überflieger, sondern in aller Regel den zuverlässigen und klaren jungen Kopf, der Lust auf Lernen und Verantwortung hat.“

Schließlich ist es eine düstere Prognose, die Experten in dieser Woche abgegeben haben: Ohne schnelles Umsteuern droht der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung von Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsforschern langfristig eine große Fachkräftelücke – bis 2040 könnten in Deutschland 3,3 Millionen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen. Allein bis 2030 könnte sich die Zahl der fehlenden Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinischen Fachkräfte auf bis zu drei Millionen belaufen, geht aus einer Studie des Basler Forschungsinstitut Prognos hervor. Als Hauptgrund für den drohenden Mangel führt Prognos die zunehmende Überalterung der deutschen Gesellschaft an: „Im Zuge des demografischen Wandels wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten 10 bis 20 Jahren erheblich verschärfen“, betont Studienautor Oliver Ehrentraut. Auch wenn man inzwischen nicht mehr mit einem so starken Schrumpfen der Bevölkerung rechne, die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter werde dennoch weiter kräftig sinken – um gut zehn Prozent bis zum Jahr 2040.

Um die Fachkräftelücke zu verkleinern oder zu schließen, sprechen sich die Forscher auch für eine „Bildungsoffensive“ aus: Vor allem die berufliche Ausbildung müsse gezielt gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Bei der akademischen Ausbildung habe sich dagegen viel getan. Für Menschen im Berufsleben sei eine „effektivere Weiterbildung“ erforderlich, die sie auf neue Jobs vorbereite, die mit dem Einzug des Internets in den Fabrikhallen entstünden.

Ausbildungsmesse: 22. und 23. September, jeweils 8 bis 15 Uhr, Rattenfänger-Halle, Hameln.

Internet:www.dewezet-messen.de



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