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Ein Jahr danach – Opfer kommt jetzt in die Reha nach Hachmühlen

Auto gegen Zug: Unglück bis heute präsent

Weserbergland. Heute ist es ein Jahr her, dass sich das Leben von Thomas Nähring radikal verändert hat. Er prallte mit seinem Volvo-Kombi nachts bei Schnee und Eis auf dem Bahnübergang Galgenfeld gegen einen Triebwagen der Nordwestbahn. Er wurde schwer verletzt, am Auto entstand Totalschaden. „Dieser Tag ist für mich wie ein zweiter Geburtstag, ich hätte ja auch tot sein können“, sagt Nähring und scherzt: „An der Unfallstelle liegen immer noch Silikonteile meiner Ladung herum, stören aber niemanden. Nur ich sehe sie wohl, und das auch nur bei gutem Wetter.“

veröffentlicht am 12.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Dietrich Lange
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Genau ein Jahr nach dem Unglück fährt er nach Hachmühlen im Landkreis Hameln-Pyrmont. Dort soll in einer Reha-Klinik untersucht werden, welche Alltagsleistungen er schon wieder selbst erbringen kann. Er geht von insgesamt drei Untersuchungstagen aus. „Anschließend werde ich wohl eine Reha-Maßnahme erhalten, und danach werden die Ärzte eine abschließende Beurteilung über meinen Gesundheitszustand abgeben“, sagt Nähring. „Und danach will die Versicherung die endgültige Schadensregulierung starten.“

Die Schadensregulierung ist für den Kleinunternehmer aus dem Baugewerbe auf einem guten Weg. Dabei hatte sein Anwalt Alexander Berndt vor einem halben Jahr noch Sorgen, dass Nähring vielleicht mangelnde eigene Vorsicht vorgeworfen werden könnte. Doch die Rechtsfrage ist auch für den Haftpflichtversicherer der Bahn AG, dem AXA-Konzern, klar.

Das Landgericht Bückeburg hatte das Verfahren gegen den Fahrdienstleiter eingestellt, der für die Schrankenanlage im Galgenfeld zuständig war. Die Bahn AG räumte einen technischen Fehler ein, denn die Schranken waren ja nicht unten, als der Zug kam. Die Versicherung hat inzwischen mehrmals einen Vorschuss an Thomas Nähring gezahlt, denn dieser bekommt als früherer Unternehmer keine staatlichen Leistungen während seiner Arbeitsunfähigkeit. „Da meine Frau jetzt wieder Vollzeit arbeitet und ich die Vorschüsse erhalte, kommen wir materiell über die Runden“, so Nähring.

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Noch hat Nähring einen Nagel in seinem lädierten Knie. Normal gehen ist ihm mit geringen Schmerzen möglich, Treppen hinaufsteigen bereitet allerdings zu viel Pein. Ähnlich sieht es mit dem linken Arm aus. Beweglich ist er, aber unter Schmerzen. Und Belastungen hält der Arm noch nicht aus.

„Ich bin jetzt Hausmann, versorge Küche und Kinder“, lacht Nähring. Doch das ist dem früheren Unternehmer eigentlich zu langweilig. „Aber ich muss Geduld haben, zu frühe Belastungen hat mir der Arzt untersagt. Wenn ich abschließend behandelt und untersucht bin, hoffe ich auf eine Umschulung in eine leichtere Tätigkeit.“ Als Behandlung hatte Nähring nach der Erstversorgung nach dem Unfall nur Massagen für das Bein gehabt.

Und was macht das Unfallopfer am Jahrestag? „Ich gehe nicht zur Unfallstelle, versuche, den Tag normal zu begehen“, sagte Nähring. Auch wenn er ihn als zweiten Geburtstag sieht, gefeiert wird nicht. „Aber das Ereignis ist in meinem Kopf bis heute ständig präsent.“

Die Unglücksnacht: Thomas Nähring prallt mit diesem Auto gegen den aus Richtung Rinteln kommenden Zug der Nordwestbahn. tol

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