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Investition in „Betongold“: Immobilienpreise in Städten ziehen an – auf dem Land stabil niedrig

„Aussterben werden unsere Dörfer nicht“

Weserbergland (ww). Hurra, wir kaufen wieder! Die Preise für Wohneigentum in Deutschland sind seit 2010 um bis zu 4,5 Prozent gestiegen, eine Preissteigerung deutlich über der Inflationsrate, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Anfang August mitteilte. Nach den Immobilien- und Finanzkrisen der vergangenen Jahre investieren die Bundesbürger vermehrt in „Betongold“, flüchten sich in Sachwerte als einzig lukrative Anlage. Der Anstieg sei ein Zeichen großer Nachfrage und zugleich Ausdruck eines weiteren Zuwachses, denn die Erwartungen über die künftige Kauflust spiegelten sich bereits in den heutigen Preisen wider. Untersucht wurden die fünf größten deutschen Städte Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main, die Ballungsgebiete der Bundesrepublik also – aber wie sieht die Entwicklung auf dem Land aus, in Dörfern im Weserbergland wie Rumbeck, Fuhlen oder Schevelstein?

veröffentlicht am 13.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:21 Uhr

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„Die Preise auf dem Land bleiben auf einem stabil niedrigen Niveau“, erklärt Immobilien- und Finanzberater Uwe Heisig von der Sparkasse Weserbergland. Nach wie vor ziehe es mehr Menschen in die Stadt als in ländliche Gebiete, der Trend gehe weiterhin zum Umzug in Ballungsgebiete, das Modell „Leben auf dem Land – Arbeiten in der Stadt“ sei auch aufgrund steigender Benzinpreise unattraktiv geworden. „Im Bereich der Neubauten auf dem Land ist es daher ruhiger geworden“, sagt Heisig. Günstige Immobilienpreise und ein rekordniedriges Zinsniveau regen zurzeit aber generell vermehrt zu Investitionen in Wohneigentum an, und von dem härter umkämpften Markt in den Städten profitieren auch die Dörfer im „Speckgürtel“ der Ballungszentren: „Von zehn Interessenten suchen acht vorrangig im städtischen Bereich, in Hessisch Oldendorf, Hameln oder Bad Münder“, erklärt der Experte. „Von den zwei verbleibenden zieht es den einen bewusst aufs Dorf, der andere weicht mangels Alternative in die Randlage aus.“

Das Weserbergland ist in den vergangenen Jahren auch für Investoren zunehmend lohnenswerter geworden. Seit die Preise im Raum Hannover anziehen, blicken Anleger auch über die Grenzen der Region hinaus und entdecken den Markt in Hameln-Pyrmont mit seinen noch immer unterdurchschnittlichen Preisen: Für ein Zehn- bis Zwölffaches der Jahresmiete kann ein Objekt in der Rattenfängerstadt erworben werden, 40 Kilometer nordöstlich ist es schon mal das 14- bis 16-Fache. Allerdings zieht es Kapitalanleger, die auf Preisanstieg und -abfall einen entscheidenden Einfluss haben, eher ins Stadtgebiet, wo sie Fünf- bis Acht-Familien-Häuser errichten – auf dem Dorf bauen vor allem Eigennutzer, daher ist ein Ansteigen der Preise hier nicht zu erwarten.

Preisunterschiede bestehen jedoch nicht nur zwischen Stadt und Land: „Auch auf dem Dorf gibt es gute und schlechte Standorte“, erklärt Silke Störp von der Volksbank Hameln-Stadthagen, „entscheidend für den Preis einer Immobilie ist vor allem die Lage“. Dort, wo es gut ausgebaute Straßen gibt und die Verkehrsanbindung stimmt, wo die Stadt zumindest in der Nähe und der Supermarkt ohne stundenlange Autofahrten erreichbar ist, würden sich für Grundstücke und Häuser immer Käufer finden. „Natürlich ist das Interesse an Immobilien und Bauplätzen in der Stadt immer größer als auf dem Land“, so Störp, „aber auch für die Dörfer gibt es eine Käuferklientel“: Das seien zum einen diejenigen, die schon immer auf dem Dorf gelebt haben, dort geboren und aufgewachsen sind und ihr Umfeld ungern verlassen würden; vielleicht sind ihre Kinder bereits aus dem Haus und das Heim ist für den Eigenbedarf zu groß geworden. Nicht zu vergessen sind jene, die aus Naturverbundenheit aufs Land ziehen – „diese Gruppe nimmt immer mehr zu“, sagt die Immobilienberaterin. Und auch junge Familien investieren in Eigentum auf dem Land, wenn die Preise im Stadtbereich zu hoch sind. Störp: „Während man in Hameln 70 bis 100 Euro pro Quadratmeter bezahlt, sind es im Dorf oft nur 25 bis 35 Euro.“

Verkäufer sollten in ihren Angebotspreisen berücksichtigen, dass gerade ältere Objekte, die nach dem Krieg erbaut wurden, oft auch den damaligen Ansprüchen entsprechen. „Viele, kleine Zimmer, niedrige Decken, das ist heute nicht mehr gefragt“, sagt Uwe Heisig. Auch für Häuser mit alter Bausubstanz fänden sich durchaus Käufer, Resthöfe beispielsweise seien bei Liebhabern durchaus beliebt – aber im Preis sollte einberechnet werden, in welchem Zustand die Immobilie sich befindet, ob werterhaltende Maßnahmen getroffen wurden und ob bei einer Sanierung gegebenenfalls kostspielige Denkmalschutzauflagen zu berücksichtigen sind. Bei jüngeren Verkaufsobjekten müsse zudem bedacht werden, dass die Grundstückspreise Mitte der 90er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends wesentlich höher lagen. „Verglichen mit dem heutigen Niveau erschrickt man sich richtig“, berichtet Silke Störp.

Entwicklungen wie die niedrige Geburtenrate werden sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen, das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) prognostiziert bis 2025 einen Bevölkerungsrückgang von 10 bis 15 Prozent – und dies wirkt sich natürlich auch auf den Immobilienmarkt aus. Verwaiste Dörfer ohne Schulen und Kindergärten, ohne Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel und verödete Landstriche ohne Infrastruktur wird es dennoch nicht geben, da ist Immobilienmaklerin Störp sicher: „Aussterben werden unsere Dörfer nicht.“

Auch auf dem Land sind Immobilien-Preise von Dorf zu Dorf verschieden.

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