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Tragischer Unfall auf Schulschiff Gorch Fock: 25-jährige Offiziersanwärterin stirbt bei Routineübung

Aus 27 Metern Höhe stürzt Sarah S. in den Tod

Bodenwerder/Salvador da Bahia (ll). Es sollte eine Kletterübung am Großmast des deutschen Segelschulschiffes Gorch Fock werden. Doch dieses Routinemanöver wurde Sarah S. am vergangenen Sonntag zum Verhängnis. Die 25-jährige Offiziersanwärterin aus Bodenwerder stürzte beim Herunterklettern aus der Takelage des Dreimasters aus 27 Metern Höhe auf das Schiffsdeck. Die junge Frau erlag in einem brasilianischen Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

veröffentlicht am 08.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 09:41 Uhr

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Die Übung am Schiffsmast im Hafen der brasilianischen Stadt Salvador da Bahia sei im Rahmen der „Segelvorausbildung“ für Offiziersanwärter abgelaufen, sagte Marinesprecher Jan Ströhmer auf Anfrage. Sarah S. war erst am 2. November mit 104 weiteren Soldaten der Marine nach Brasilien gekommen. Zum Zeitpunkt des Unglücks hatte die Gorch Fock im Hafen von Salvador da Bahia festgemacht. Dort standen Vorbereitungen für die weitere Reise und die „Seemännische Basisausbildung“ an. Marinesprecher Ströhmer erklärt, dass die Neulinge an Bord für etwa zwei Wochen zunächst im Hafen vor Anker ausgebildet werden, um erste Erfahrungen auf dem Großsegler zu sammeln. Grundlegende Handgriffe, so Ströhmer, würden zunächst nicht unter vollen Segeln erlernt.

Zur Ausbildung der Offiziersanwärter gehöre auch das ungesicherte Hinauf- und Hinabklettern am Großmast. „Eine Sicherung in der Takelage ist nicht üblich und auch nicht möglich“, sagte Ströhmer unserer Zeitung. Angeleint würden die Anwärter erst, wenn sie ihre jeweiligen Arbeitsstellen an den Maststreben des Schiffes erreicht hätten.

Beim Hinabklettern ist Sarah S. vor den Augen vieler Kameraden in den Tod gestürzt. Trotz des tragischen Unglücks wird die Reise der Gorch Fock laut Marinesprecher am 17. November planmäßig Richtung Argentinien fortgesetzt.

Sarah S. wurde in Bad Pyrmont geboren und war seit dreieinhalb Jahren bei der Bundeswehr. Sie gehörte der Marineschule Mürwik bei Flensburg an. Erst im Juli hatte die 25-Jährige die Ausbildung zum Offizier begonnen. Ihm Rahmen ihrer Anwartschaft stand nun auch ein rund fünfwöchiger Aufenthalt auf dem bekannten Segelschulschiff an. Am 8. Dezember hätte Sarah S. die Gorch Fock in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires wieder verlassen sollen, um zu ihrem Marinestützpunkt nach Flensburg zurückzukehren.

Wann der Leichnam der Soldatin ins Weserbergland überführt werden kann, ist noch unklar. Wie Marinesprecher Ströhmer mitteilt, seien die Ermittlungen der brasilianischen Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen.

Bei dem Sturz der jungen Frau aus Bodenwerder handele es sich um den sechsten tödlichen Unfall an Bord in der Geschichte des Schulschiffes, sagte Ströhmer. Die Gorch Fock ist 1958 in den Dienst der deutschen Marine gestellt worden. Erst vor zwei Jahren ist eine 18-jährige Offiziersanwärterin bei einer Ausbildungsreise von Kiel nach Hamburg bei hohem Wellengang über Bord gegangen und ertrunken. Die vier weiteren Todesfälle sind allesamt auf Stürze aus der Takelage zurückzuführen, sagte Ströhmer. Die Gorch Fock war am 20. August mit 229 Besatzungsmitgliedern an Bord zu einem ihrer längsten Ausbildungstörns nach Südamerika gestartet. Im Juni 2011 werde das Schiff in Kiel zurückerwartet.

Zurzeit macht die Gorch Fock im brasilianischen Salvador da Bahia fest. Beim Hinabklettern vom Großmast (in der Mitte) des Segelschulschiffes fiel Sarah S. aus der Takelage aufs Deck.

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