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Sicherheitspersonal verweigert Irakern Einlass beim Volksfest in Fuhlen / „Männer waren betrunken“

Auf der Kirmes nicht willkommen?

veröffentlicht am 30.08.2016 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Das Weserdorf hatte sich am vergangenen Wochenende fein herausgeputzt. So wie jedes Jahr waren die Bürgersteige gefegt und bunte Girlanden schmückten den Ort. Kurzum: Fuhlen hatte „inloden tor Kermes“. Auf Hochdeutsch: zur Kirmes eingeladen. Doch war auch jeder beim Volksfest willkommen? Einige Rumbecker haben da ihre Zweifel.

Als sie am Freitag die Disko-Veranstaltung besuchen wollten, habe das Sicherheitspersonal zwei Begleitern den Einlass ins Festzelt verwehrt. Zufall oder nicht? Es traf zwei Rumbecker mit Migrationshintergrund. Die jungen Männer waren im November vergangenen Jahres aus dem Irak nach Deutschland gekommen.

Gegen 23 Uhr hatten sich Vanessa Roos, Pauline Fechtner, mehrere Rumbecker und eben die 23 und 26 Jahre Iraker zu Fuß auf den Weg nach Fuhlen gemacht. „Die zwei Flüchtlinge hatten sich sehr darüber gefreut, dass wir sie mitnahmen“, erzählt Roos. Den beiden Asylbewerbern wurde der Eintritt ins Zelt jedoch verweigert. Als Roos ruhig und sachlich nach einem Grund gefragt habe, hieß es, die beiden wären zu betrunken, so die 18-Jährige. „Fakt ist jedoch, dass die zwei – genau wie wir – 2 bis 3 Bier getrunken hatten“, beteuert die Schaumburgerin.

„Als mir dann dummerweise ‚nur weil die anders aussehen?‘ rausgerutscht ist, wurde ich als rassistisch bezeichnet und lautstark dazu aufgefordert, umgehend das Gelände zu verlassen“, sagt Roos. Mehr noch: Man soll der jungen Frau vorgeworfen haben, damit einen dunkelhäutigen Kollegen der Security-Mitarbeiter beleidigt zu haben. „Mit dem hatte ich aber kein Wort gewechselt“, betont sie.

Schlimm empfand es die 18-Jährige, dass die zwei jungen Männer auf dem Heimweg weinten und nicht verstanden, „warum man sie dort nicht haben wollte“.

Nach dem Vorfall sollen sie sich diskriminiert gefühlt haben und unglücklich gewesen sein, sagt Pauline Fechtner. Die Rumbeckerin streitet auch nicht ab, dass die beiden etwas getrunken hatten. „Wie wir waren sie angetrunken. Allerdings war ihr Zustand keinesfalls schlimmer als die der anderen Anwesenden auf der Veranstaltung“, meint die 19-Jährige. Ihr Vater habe noch erfolglos versucht, mit den Sicherheitsleuten zu reden, erinnert sie sich. Ihm soll daraufhin Hausverbot auferlegt worden sein. Als sich auch zwei junge Männer aus dem Rumbecker Kirmesverein einmischten, soll es plötzlich geheißen haben: „Das Zelt ist zu voll.“

Von den Vorwürfen der Rumbecker zeigt sich Sven Tönsgöke überrascht. „Davon haben wir nichts mitbekommen“, sagt der Vorsitzende des ausrichtenden Kirmesvereins.“ Bei uns ist jeder willkommen. Wir freuen uns doch über jeden Gast“, so Tönsgöke. Mit dem aus der Region Hannover kommenden Sicherheitsdienst arbeite man schon länger zusammen und sei mit der Arbeit der Firma bislang sehr zufrieden, heißt es. Absprachen, Leute abzuweisen, soll es zwischen dem Verein und dem Sicherheitsdienst auch nicht geben. Ausnahmen: Volltrunkene und Krawallmacher.

„Das ist Schwachsinn.“ Den Vorwurf, den beiden Rumbeckern wegen ihrer Herkunft den Einlass verwehrt zuhaben, weist einer der Security-Mitarbeiter entschieden zurück. „Die beiden Männer waren stark betrunken, kamen mit Bierdosen in der Hand auf uns zu und wollten die auch anfangs nicht abgeben“, begründet Sicherheitsfachmann Jimmy die Abfuhr. Der 45-Jährige schob mit neun weiteren Kollegen am Freitagabend in Fuhlen Dienst. „90 Prozent meiner Kollegen haben einen Migrationshintergrund“, betont er. Und gerade ein aus Afrika stammender Kollege habe den zwei Iraker den Zutritt untersagt. Ausländerfeindlichkeit könne man ihm auf keinen Fall nicht unterstellen, so Jimmy.

Den Fuhler Kirmesburschen mögen die Frauen keinen Vorwurf machen. Auf der Tanzveranstaltung am Folgetag haben auch die zwei Iraker Einlass gewährt bekommen. Und die Kirmesburschen hätten sich gut um die Gäste bemüht.



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