weather-image
17°
Naturschützer kritisieren Pläne des Ministeriums / Wirtschaft fordert bessere Verkehrsanbindung

Auf der Autobahn durchs Weserbergland?

Hameln-Pyrmont/Holzminden (ch). „A 2 Hannover Richtung Dortmund, zwischen Hannover/Langenhagen und Garbsen 5 Kilometer Stau“, „A 2 Hannover Richtung Braunschweig 6, 8, 10 Kilometer Stau, stockender Verkehr, Behinderungen, ein schwerer Unfall …“. Die A 2, die von Berlin durch Niedersachsen in Richtung Ruhrgebiet führt, ist vor allem im Bereich Hannover chronisch überlastet. Dennoch könnten solche Meldungen nach neuesten Vorschlägen des niedersächsischen Verkehrsministeriums bald der Vergangenheit angehören. Diese sehen einen achtspurigen Ausbau der Trassen rund um Hannover und zwei neue Autobahnen zur Entlastung vor. Die Idee einer neuen Strecken, die von Salzgitter über Holzminden nach Paderborn führen und damit an die A 39 und A 44 anschließen könnte, würde auch die Kreise Holzminden und Hameln-Pyrmont betreffen.

veröffentlicht am 11.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:21 Uhr

270_008_5742383_wb102_1108.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Die ganze Region hat den Nachteil, dass sie extrem schlecht angebunden ist“, sagt Jürgen Lohmann als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im Weserbergland (AdU). Er befürworte die Pläne des Verkehrsministers, die zu den Projekten Niedersachsens für den neuen Bundesverkehrswegeplan gehören. Schon immer habe sich der AdU dafür eingesetzt, die Verkehrsanbindung im Raum Hameln-Pyrmont und Holzminden zu verbessern. Ob dabei die Stadt Hameln oder Holzminden direkt durch eine Autobahnauffahrt angebunden werde, spiele für ihn keine Rolle. Wichtig sei insgesamt eine bessere Verkehrsanbindung des südlichen Niedersachsens. Das bestätigt auch Dr. Dorothea Schulz, Leiterin der Hamelner Geschäftsstelle der IHK Hannover. „Die Transportwege hier in der Region zu verbessern, ist per se gut, um die Wirtschaft zu fördern.“ Sie spricht sich prinzipiell für die Idee des Verkehrsministeriums aus, weist jedoch auch darauf hin, dass diese langfristigen Pläne Verkehrsprojekte, die auf regionaler und Landesebene bereits seit Längerem im Gespräch seien, nicht ersetzen würden. „Wenn sich Hameln mit dem Thema Südumgehung weiter so schwertut, hängt sich der Kreis immer weiter ab“, sagt sie.

Doch es ist nicht nur die Stadt Hameln, die mit dem Dauerthema Südumgehung so ihre Schwierigkeiten hat: Aerzen, Coppenbrügge, Eschershausen, Negenborn – die Liste der geplanten, doch lange nicht abgeschlossenen Ortsumgehungen in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden ist lang. Bevor man neue Projekte angehe, solle man sich erst dieser Liste zuwenden, findet die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller. „Parallel zu den bereits angefangenen oder geplanten Arbeiten kann man gerne neue Projekte planen, aber erst einmal sollte man das Angefangene zu Ende bringen.“ Allein auf ein ungewisses Zukunftsprojekt zu setzen, sei schlecht für die Infrastruktur der Region.

Bevor Verkehrswünsche Niedersachsens wie eine neue Autobahn im kommenden Sommer nach Berlin gemeldet werden, wird die vorläufige Liste auf Regionalkonferenzen beraten. Bürger und Verbände können Einsicht in die Planungen nehmen, und letztlich entscheidet die Finanzlage des Bundes.

Wenn das Projekt überhaupt realisiert wird, könnten so leicht mehrere Jahrzehnte verstreichen. „Das ist reiner Wahlkampf“, wirft der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer der niedersächsischen Regierungskoalition darum vor. Er hält die Pläne für nicht finanzierbar und kritisiert, mit immer neuen Plänen würde nur von bereits bestehenden Plänen in der Region abgelenkt. „Bei der dünnen Besiedlung der Region würden die Autobahn-Pläne letztlich in Berlin eh hinten runterfallen.“ Und selbst wenn nicht: Nicht erst in 20, 25 Jahren, sondern jetzt müsse in bereits bestehende Bundesstraßen investiert und zugleich Schwerpunkte bei anderen Verkehrswegen wie dem Schienenverkehr und der Schifffahrt gesetzt werden.

Prinzipiell gegen die vage Idee des Autobahnneubaus spricht sich der BUND Hameln-Pyrmont aus. „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, zitiert Ralf Hermes einen von Umweltschützern häufig bemühten Satz. Der Straßenraum in der Region sei bereits gut erschlossen, mit einer neuen Autobahn würde nur eine Verkehrsspirale weiter angeheizt. Auch der Nabu Holzminden kritisiert die Idee und verweist zustimmend auf die Stellungnahme der Landesgruppe des Naturschutzbundes. Sie beschreibt die „Parallelautobahn“ als „gutes Beispiel dafür, dass die Landesregierung verkehrspolitisch in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hängen geblieben“ sei, und kritisiert die damit verbundenen „gewaltigen Natureingriffe“.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare