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Ihre Zahl steigt mit der Größe des Staates / Nester nicht selbst entfernen / Schlimme Zeit für Allergiker

Arbeitslose Wespen sind besonders aggressiv

Hameln (phi). Das Eis im Café, die Torte bei der Gartenparty und das Bier beim Grillabend – nichts ist bei sommerlichen Temperaturen im Augenblick vor ihnen sicher: die heimischen Wespen haben in Hameln und Umgebung die Lufthoheit übernommen.

veröffentlicht am 28.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:21 Uhr

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In diesem Jahr scheinen sie besonders zahlreich und vor allem aggressiv zu sein. „Sie sind tatsächlich ungewöhnlich angriffslustig“, gibt Harald Baumgarten von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont zu. Die Wespen, die den Menschen im Augenblick die gute Laune auf Terrassen und Balkonen verderben, sind vor allem die deutsche (lat. Vespula germanica) und die gemeine Wespe (lat. Vespula vulgaris). Allerdings sei die Population der Staaten nicht ungewöhnlich groß. „Hier treffen zwei Umstände zusammen“, so der Biologe. „Auf der einen Seite haben die Wespenvölker Ende August ihre volle Stärke erreicht, und zeitgleich lässt momentan das Wetter die Leute besonders gern draußen sitzen. Da gibt es dann schon mal einen Interessenkonflikt“, erklärt der Experte lächelnd.

Drei- bis viertausend Wespen umfasst ein ausgewachsener Staat. Die Tierchen sind in erster Linie bemüht, ihre Königin und den Nachwuchs zu versorgen und zwar animalisch, das heißt, mit Fleisch. Auf der Suche nach Beute fliegen die Arbeiterinnen herum und brauchen dabei selbst Energie. „Quasi als Flugbenzin tanken sie sich mit süßen Sachen auf“, weiß der Mitarbeiter der Naturschutzbehörde. Neben den Arbeiterinnen, die die Versorgung gewährleisten, stellt der Staat bei entsprechender Größe auch Wächterinnen zur Verteidigung auf. „Dann sind im Grunde alle Aufgaben im Nest verteilt, und wie in jeder Gesellschaft, lässt sich auch hier nicht für jedes Tier eine Arbeit finden“, so Baumgarten. Es gibt also unter den Wespen ein paar „Beschäftigungslose“, deren Zahl steigt, je größer der Staat wird. Diese Insekten versuchen, sich auf Nahrungssuche nach Fleisch oder Süßem allein durchzuschlagen. „Das sind dann auch diejenigen, die uns besonders lästig werden und die auch besonders angriffslustig sind, denn sie haben viel Freizeit“, so der Biologe augenzwinkernd. Eine erhöhte Zahl an Anrufen oder Anträgen bezüglich der Entfernung von Wespennestern verzeichnet die Behörde bislang nicht. Ohnehin würde man Nester nicht ohne triftigen Grund entfernen, sondern lediglich versuchen, die Wespen zu ihrem Einflugloch umzuleiten, so dass Menschen nicht gefährdet werden. Wer Nester eigenhändig entfernt, riskiert empfindliche Strafen.

Noch bis Anfang Oktober muss der Mensch sich mit den Insekten arrangieren. Dann stirbt die Wespenkönigin, und die befruchtete Jungkönigin fliegt aus. Damit zerfällt die Ordnung des Staates, und das Wespensterben beginnt. Und solange wird sich auch Manuel Meissner mit den Übergriffen der Tierchen beschäftigen müssen. Er ist Krankenpfleger in der Notfallambulanz des Kreiskrankenhauses und verzeichnet in diesem August „deutlich mehr Stiche“ der gelb-schwarzen Flieger als noch im Vorjahr. „Sie scheinen in diesem Sommer tatsächlich sehr aggressiv zu sein“, erläutert der Pfleger, rät aber trotzdem zu Gelassenheit. „Wegen eines Wespenstichs braucht kaum jemand in Panik auszubrechen. Der Stich sollte in jedem Fall gekühlt werden, viel mehr kann man nicht tun.“ Lediglich beim Entfernen des Stachels sei Vorsicht geboten.

Anders stellt sich die Situation allerdings bei Allergikern dar: „Sie sollten in jedem Fall umgehend einen Arzt rufen“, rät der Pfleger dringend. Eine Allergie sei immer dann zu vermuten, „wenn plötzliche Atemnot auftritt oder der Körper von Ausschlag befallen wird“. Dann sei höchste Eile geboten. Emilia Nunne, Mitarbeiterin der Apotheke am Thiewall, hat Präparate zur Behandlung von Wespenstichen griffbereit. Neben verschiedensten homöopathischen Mitteln sind insbesondere Kühlgels gefragt. Und wer plötzlich gestochen wird und nichts zur Hand hat, dem bleibt immer noch, die halbe Zwiebel auf die Stichstelle zu drücken – wie zu Omas Zeiten.

Derzeit ein häufiges Bild: Wespen haben sich auf einem Glas niedergelassen. Vor allem Süßes zieht sie magisch an.



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