weather-image
Nach Urteil im Folterpaar-Prozess

Anwalt legt Revision für Angelika W. ein

HÖXTER/PADERBORN. Fast zwei Jahre hat der Prozess gegen das „Folterpaar von Höxter“ gedauert, das Urteil des Landgerichts Paderborn gegen Angelika W. ist am Samstag nicht rechtskräftig geworden. Ihr Verteidiger Peter Wüller hat beim Landgericht Paderborn Revision eingelegt.

veröffentlicht am 16.10.2018 um 15:34 Uhr

Angelika W. mit ihrem Anwalt Peter Wüller im Landgericht Paderborn.

Autor:

Ulrich Pfaff
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Er wolle sich die Begründung des Schwurgerichts hinsichtlich der Verurteilung wegen Mordes durch Unterlassen in Ruhe ansehen, sobald das schriftliche Urteil vorliege. „Das ist eine rein rechtliche Erwägung“, erklärte Wüller. Mord durch Unterlassen sei eine Materie, die strafrechtlich „äußerst selten“ vorkomme. Sei die Argumentation des Gerichts für ihn überzeugend, werde er die Revision zurücknehmen. Die Frist zur Vorlage des schriftlichen Urteils beträgt 19 Wochen ab Verkündung – das wäre dann Ende der zweiten Februarwoche. Die Verteidiger von Wilfried W. und die Staatsanwaltschaft verzichten auf eine Revision.

13 Jahre Haft für Angelika W., 11 Jahre und Einweisung in die Psychiatrie für Wilfried W. – dieses Urteil hat das Schwurgericht verkündet. Das Strafmaß weicht zum Teil erheblich von den Anträgen der Prozessparteien ab. Für die 49-jährige Angelika W. hatte Verteidiger Wüller in erster Linie einen Freispruch beantragt, für Wilfried W. hielt Verteidiger Dr. Detlev Binder siebeneinhalb Jahre für angemessen. Oberstaatsanwalt Ralf Meyer hingegen beantragte für beide Angeklagte lebenslang. Das Schwurgericht kam zu der gleichen Bewertung wie die Anklage – Mord durch Unterlassen –, fand jedoch dabei Gründe für eine Milderung der für Mord üblichen lebenslangen Freiheitsstrafe. Wüller hatte etwa mit der umfassenden Aussage Angelika W.s argumentiert, seiner Mandantin komme eine Art Kronzeugenfunktion zu, was bei einer Verurteilung zu berücksichtigen sei. Bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung hatten die Verteidiger signalisiert, mit den jeweiligen Strafmaßen zufrieden zu sein – und ihre Mandanten auch.

Binder legte sich auch im Namen von Wilfried W. vor den Kameras der Medien fest: „Wir halten das Urteil für sachgerecht. Dem Schuldanteil wird damit genüge getan. Wir sind auch innerhalb der Grenzen, die wir uns vorgestellt haben“, sagte er. „Das ist eine ganz moderate Entscheidung, ein gutes Urteil“, betonte damals auch Wüller. Angelika W. sei „sehr gut davongekommen“. Allerdings wollte er die einwöchige Rechtsmittelfrist für sich und seine Mandantin nutzen, um das Urteil „sacken zu lassen“, hatte er angekündigt.

Oberstaatsanwalt Meyer hat keine Revision eingelegt. Er bewerte die Chancen nicht besonders hoch, beim Bundesgerichtshof ein höheres Strafmaß zu erwirken – er sei im Übrigen auch der Ansicht, der Schuldspruch des Schwurgerichts sei „juristisch vertretbar“ und „schlüssig begründet“.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt