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Unternehmerverband formuliert deutliche Worte zur Wirtschaftsförderung im Weserbergland

Anstoß der Kritik

WESERBERGLAND. Den Unternehmen im Weserbergland geht es gut: Knapp 57 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als gut bis sehr gut. Also sollte es keinen Grund zur Klage geben. Eigentlich.

veröffentlicht am 09.11.2016 um 17:35 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 19:26 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Vier von fünf Firmen melden auf hohem Niveau gleichbleibende oder sogar steigende Umsätze, jedes dritte Unternehmen verzeichnet steigende Gewinne, die Mehrzahl der Chefetagen will in Anlagen und Gebäude investieren und zudem neues Personal einstellen. Das sind die Ergebnisse der Konjunktur-Herbstumfrage des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im Weserbergland (AdU). Also sollte es keinen Grund zur Klage geben. Eigentlich.

Doch weit gefehlt: AdU-Chef Jürgen Lohmann redet Tacheles und lässt kein gutes Haar an der Wirtschaftsförderung im Weserbergland. Es ist nicht das erste Mal, dass Lohmann entlang der Weser eine intensivere Wirtschaftsförderung anmahnt. Und dass er ausspricht, was viele Unternehmer denken: Nämlich, dass es keine wirkliche Kümmerer-Mentalität gebe, wie sie bereits zig-fach eingefordert worden ist. Von Unternehmern. Von Verbänden wie dem AdU oder NiedersachsenMetall. Von Politikern.

Doch auch nach zahlreichen Appellen vermag Lohmann nicht zu erkennen, dass sich etwas zum Positiven bewegen würde: „Es fehlt an der Kreativität der Behörden, die Unternehmen zu unterstützen. Diejenigen, die uns eigentlich helfen sollten, behandeln das Thema Wirtschaftsförderung allzu stiefmütterlich.“ Lohmann benennt auch klar die Adressaten seiner Kritik: „Der Landkreis Hameln-Pyrmont und die Stadt Hameln behindern Investitionen. Die verwechseln Wirtschaftsförderung mit dem Hereinholen von Subventionen. Doch Wirtschaftsförderung ist nicht in erster Linie monetär. Es geht vielmehr darum, ein Klima zu schaffen, dass es für Industrie, Gewerbe, Handel und alle anderen Spaß macht, im Weserbergland zu investieren.“

Dies gelte gerade in der aktuellen Situation, die auch die Herbstumfrage offenbart: Viele Unternehmen seien am Kapazitätslimit oder sogar schon darüber hinaus, hätten die Auftragsbücher voll, wollten modernisieren, expandieren, investieren, ihre Betriebe vergrößern und Arbeitsplätze schaffen. Es gebe sogar eine Tendenz zu größeren Investitionen – und das in einer Zeit günstiger Rahmenbedingungen. Lohmann: „Das Geld am Kreditmarkt ist billig, die Energiekosten sind moderat, die Lohnentwicklungen vernünftig, die Lohnsummen steigen aufgrund von Verrentung und Rationalisierungen nicht.“ Also könnte ganz wunderbar investiert werden im Weserbergland. Wenn da nicht das Wörtchen „wenn“ wäre. Lohmann kritisiert Wirtschaftsförderer und Bauabteilungen in Kreishaus und Rathaus: „Der Gesetzgeber schießt mit mancherlei Verordnungen übers Ziel hinaus und sorgt so dafür, dass manches wie zum Beispiel Brandschutzmaßnahmen teurer wird als gedacht oder Firmen viele Monate lang auf Baugenehmigungen warten müssen.“

Schlussendlich beurteilt fast jeder dritte Unternehmer die Zusammenarbeit mit den Behörden im Weserbergland nur noch mit der Schulnote 4 oder 5, finden nur 15 Prozent der Unternehmen die Infrastruktur gut bis sehr gut, ist die Hälfte der Unternehmen mit der Internetanbindung unzufrieden – 30 Prozent bezeichnen sie gar als mangelhaft. Lohmann: „Der Landkreis kümmert sich nicht um diese Themen und in der Stadt sieht es auch nicht besser aus. Da verlieren die Unternehmen langsam die Lust, hier zu investieren.“



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