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In Hameln-Pyrmont entbrennt ein Streit um die Untersuchung der Behördenfehler

Anklage im Fall Lügde wirft Hauptverdächtigem 293 Fälle vor

LÜGDE/HAMELN. Nach dem massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde werden dem Hauptverdächtigen Andreas V. in der Anklage 293 Fälle vorgeworfen. Demnach soll sich der 56-Jährige unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes von kinderpornografischen Schriften verantworten.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 15:48 Uhr

Tatort Lügde: Ein Kindertretauto und ein Hüpfball liegen vor dermittlerweile abgerissenen Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald im Lügder Ortsteil Elbrinxen. Foto: dpa
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Die Taten sollen im Sommer 1998 und seit Anfang des Jahres 2008 bis Dezember 2018 auf dem Campingplatz begangen worden sein, teilte das Landgericht Detmold am Freitag mit. Die Anklageschrift führe 22 Opfer auf, die zum Zeitpunkt der Taten alle minderjährig gewesen seien. Außerdem soll der Mann laut Anklage im Dezember 2018 im Besitz von 879 Bild- und Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt gewesen sein.

In 226 Fällen wird dem 56-Jährigen vorgeworfen, zehn Kinder vergewaltigt zu haben. In einem Fall soll er zwei Kinder veranlasst haben, sexuelle Handlungen aneinander vorzunehmen.

Ein Komplize (49) des Mannes aus Stade ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll er den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Darüber hinaus sollen bei dem Mann aus Stade im Januar 2019 42 719 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt gefunden worden sein.

Außer diesen beiden Angeklagten sitzt noch ein 34-Jähriger in Untersuchungshaft, der gesondert angeklagt werden soll. Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt ermittelt.

Derweil entbrennt in Hameln-Pyrmont ein Streit über die Kompetenzen, mit denen ein externer Prüfer des falles Lügde ausgestattet werden soll. Dieser Prüfer soll von der Kommunalaufsicht kommen und die im Hameln-Pyrmonter Kreishaus gemachten Behördenfehler untersuchen – soweit hatte sich die Kreis-Politik verständigt. Allerdings sind sich CDU und SPD völlig uneinig, mit welche Kompetenzen der Prüfer ausgestattet werden soll: Darf er alle Akten prüfen? Darf er alle Abläufe untersuchen? Hat er sämtliche Freiheiten bei seiner Untersuchung? Die CDU bejaht diese Fragen – die SPD tritt eher auf die Bremse. Die SPD-Kreistagsfraktion begrüßt zwar, dass „das Jugendamt einer freiwilligen und kooperativen Überprüfung durch die Kommunal- und Fachaufsicht des Innenministeriums nachkommt“. Aus Sicht der SPD müsse allerdings abgewartet werden, mit welchen Kompetenzen und Befugnissen das Land den Sonderermittler ausstatten werde. Die rechtliche Bewertung hierzu obliege primär der Kommunalaufsicht selbst. Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Uli Watermann, erklärt dazu: „Die abscheulichen Vorfälle in Lügde dürfen sich nicht wiederholen und müssen lückenlos aufgeklärt werden. Trotz des berechtigten Aufklärungsinteresses müssen die Persönlichkeitsrechte und das Wohl der betroffenen Kinder gewahrt bleiben.“ Diese könnten, so die Einschätzung Watermanns, bei einem unabhängigen Sonderermittler in den Hintergrund geraten.



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