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„Folterpaar“-Prozess: Angeklagte spricht das letzte Wort und unterstreicht ihre eigene Opferrolle

Angelika W. findet kaum Worte des Bedauerns

HÖXTER/PADERBORN. Mitleid könne sie nicht empfinden, sagt Angelika W. „Wenn ich es könnte, wäre vieles nicht passiert.“ Es sind beinahe ihre letzten Worte im „Horror-Haus“-Prozess.

veröffentlicht am 14.09.2018 um 16:14 Uhr

Angelika W. und Verteidiger Peter Wüller. Foto: Pfaff

Autor:

Ulrich Pfaff
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Die 49-jährige W., die weibliche Hälfte des „Folterpaars von Höxter“, hat gestern am vorletzten Prozesstag versucht, dem Paderborner Schwurgericht sich selbst und ihr Verhalten zu erklären. Reue und Bedauern hatten in den 90 Minuten Seltenheitswert.

Warum Annika W. aus Uslar sterben musste, ebenso wie Susanne F. aus Bad Gandersheim – dafür gab es vonseiten der 49-Jährigen keine Erklärung. Fast könnte man glauben, es handele sich um Todesfälle aus ungeklärter Ursache, ohne fremdes Zutun. „Ein gerechtes Urteil kann es nicht geben, Susanne und Annika sind und bleiben für immer tot.“ Sie selbst sei „stolz, überlebt und zur Wahrheit zurückgefunden zu haben.“ Der Mutter der 33-jährigen Annika, deren Leiche sie zersägt und verbrannt hatte, hätte Angelika W. „gerne gesagt, es tut mir leid, einen Begräbnisort für ihre Tochter verhindert zu haben“.

Sigrid K. hörte dies nicht mehr. Sie hatte es vorgezogen, zusammen mit allen Anwälten der Nebenkläger zuvor den Saal zu verlassen, nachdem Angelika W. in gut 70 Minuten noch kein Wort der Reue und des Bedauerns über die Lippen gekommen waren. „Jetzt ist für mich Schluss“, sagte die 77-Jährige vor dem Saal gegenüber der Presse: Angelika W. habe wie so oft in dem Prozess nur über ihre eigenen Befindlichkeiten gesprochen, die Schuld von sich gewiesen und alles auf ihren Ex-Mann und Mitangeklagten Wilfried W. geschoben.

Tatsächlich ließ sich Angelika W. in ihrem „letzten Wort“, das die Strafprozessordnung Angeklagten ausdrücklich einräumt, zu den Opfern kaum ein – dafür konzentrierte sich die 49-Jährige auf ihre Rolle als Opfer ihres Ex-Mannes, mit dem sie auch nach der Ehescheidung in unheiliger Allianz bis zur Festnahme im April 2016 zusammenlebte. Heute sei sie „froh, von Wilfried wegverhaftet worden zu sein“: Er habe sie immer kontrolliert, drangsaliert, quasi rund um die Uhr unterdrückt – und körperlich misshandelt, sobald etwas nicht nach seinem Willen gelaufen sei. „Er hat alles bestimmt, wollte ich was anderes, lag ich ruckzuck in der Ecke, blutend, blau angelaufen, verbrüht.“

Die Frauen, betonte Angelika W., habe sie selbst für Wilfried suchen müssen, „der war ja nicht alltagstauglich“, und diese Suche habe sie betrieben in der Hoffnung, dass endlich eine Frau auftauche, mit der Wilfried zusammenleben können – und sie dann ihre Ruhe habe. Nie habe sie per Anzeige „Frauen gesucht, um sie zu foltern oder zu töten“: „Ich wollte, dass die Frauen bleiben, dann wäre gegen mich weniger Gewalt zu erwarten.“ Es sind Worte, die man schon gehört hat in den vergangenen beiden Jahren, in 59 Verhandlungstagen. Es ist die gleiche Richtung, die Angelika W. von Anfang an eingeschlagen hat: Wilfried W. sei der eigentliche Täter, er habe sie so lange fertig gemacht, bis sie nicht mal mehr einen eigenen Willen hatte: „Er ist eiskalt, berechnend, ausnutzend.“ Bezüglich des Gutachtens frage sie sich: „Wo ist sein Manipulationstalent, wo seine ewige Kontrolle?“

Ob Wilfried W., der laut eben diesem Gutachten schwachsinnig sein soll, dazu etwas sagen wird, zeigt sich am 5. Oktober. Dann hat er das Recht auf des „letzte Wort“. Danach will das Gericht das Urteil verkünden.



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