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Jugendlicher tötet 15 Menschen und sich selbst / Blutbad in Realschule und auf der Flucht

Amoklauf schockiert Deutschland

Winnenden / Hameln-Pyrmont (ap/rtr/TT). Der Amoklauf eines Jugendlichen hat in Baden-Württemberg 16 Menschenleben gefordert. Der 17-jährige Tim K. richtete in seiner ehemaligen Realschule und auf der Flucht vor der Polizei ein Blutbad an, dem neun Schüler, drei Lehrerinnen und drei weitere Personen zum Opfer fielen. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei erlitt er einen Beinschuss und erschoss sich dann selbst. Die Motive für die Tat liegen nach Angaben von Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) im Dunklen.

veröffentlicht am 11.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

„Warum?“ Schüler aus dem Schulzentrum in Winnenden f
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Offenbar hatte er noch viel mehr vor

Gegen 9.30 Uhr drang der junge Mann in Militärkleidung und mit einer großkalibrigen Pistole in die Albertville-Realschule in Winnenden bei Stuttgart ein. In einem Klassenzimmer tötete er fünf Schüler. Anschließend erschoss er in einem anderen Zimmer zwei weitere Schüler, zwei Verletzte starben auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Täter gab vor allem Kopfschüsse ab. Dies zeige, dass er nicht wahllos geschossen habe, sagte Innenminister Rech. Acht der neun getöteten Schüler seien Mädchen.

Nach dem Massaker in der Schule erschoss Tim K. einen Passanten, entführte ein Auto und tötete nach einer Verfolgungsjagd zwei Menschen in einem Autohaus in Wendlingen. Bei dem anschließenden Schusswechsel mit der Polizei verletzte er zwei der Beamten schwer, bevor er nach Angaben der Staatsanwaltschaft verletzt wurde und die Waffe gegen sich selbst richtete.

Zu den möglichen Hintergründen der Tat sagte Rech, Tim K. habe keinen Anlass für Zukunftsängste gehabt. Keine Hinweise gebe es auch darauf, dass die Tat angekündigt worden sei. Der Innenminister erklärte, das frühe Eintreffen der Polizei nur zwei Minuten nach dem Notruf habe noch mehr Opfer verhindert. Dafür spreche die Flucht des Täters sowie die große Menge der zurückgelassenen Munition. „Der Täter hatte in der Schule möglicherweise weitaus mehr vor, als er dann angerichtet hat“, sagte der Waiblinger Polizeichef Ralf Michelfelder. Die Waffe und die Munition hat sich der Täter offenbar bei seinem Vater besorgt, der Mitglied in einem Schützenverein ist.

Entsetzen auch im Weserbergland

Die Nachricht vom Amoklauf von Winnenden hat sich gestern an Hamelns Schulen in Windeseile verbreitet. Schüler, Lehrer und Eltern reagierten mit Entsetzen. Der stellvertretende Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums, Till Becker, erklärte: „Leider ist das aktuelle Ereignis weder das erste noch das einzige, das unsere Schule mit derartigen Vorfällen konfrontierte. Vorfälle wie dieser erfordern von uns als Schule immer viel Fingerspitzengefühl. Einerseits muss man die persönliche Betroffenheit der Schüler, aber natürlich auch der Eltern und Lehrer sehen, andererseits muss man sehen, dass die Sucht nach Publicity auch mit als Auslöser von Amokläufen gesehen werden kann.“ Daher müsse die Schule sorgfältig abwägen, „wie wir darauf reagieren werden“. Am Schiller-Gymnasium sagte der stellvertretende Schulleiter Albrecht Brenneke, der schreckliche Vorfall werde „sicherlich im Unterricht thematisiert“. Das werde über die Klassenlehrer geschehen. Zusätzlich werde es am heutigen Donnerstag „eine allgemeine Ansage geben“. Angesichts des Amoklauf meint Brenneke: „Die Schulen müssen sich um jeden einzelnen Schüler so kümmern, dass sich keiner alleingelassen fühlt.“ So müssten auch Mobbing- oder Gewaltfälle an Schulen stets sofort und direkt besprochen werden. Der Schulleiter der Wilhelm-Raabe-Realschule, Werner Schmidt, weiß, dass der für ihn unerklärliche Amoklauf „automatisch Gesprächsgegenstand sein wird“. Es komme nun auf die Fähigkeit der Lehrer an, mit den Schülern „in einem angemessenen Umfang zu sprechen, ohne Panik zu machen oder das Thema zu beschönigen“.

Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) sagt ganz offen: „Niemand kann Gewaltvorfälle in Schulen mit 100-prozentiger Sicherheit verhindern.“ 72 Drohungen hat das Landeskriminalamt seit dem Amoklauf eines Schülers in Emsdetten im November 2006 bis Ende 2008 gezählt. Seite 2

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