weather-image
23°

Als der Iguanodon in die Tonschicht trat

Von Nelli Oberlender
Obernkirchen. Zu Beginn soll kurz klargestellt werden, dass die Vertreter dieser Zeitung sich deutlich von den Vertretern anderer „schnelllebiger Medien“, wie Dr. Annette Richter sie liebevoll nennt, abgrenzen möchten; denn eine Sache haben diese definitiv gelernt und möchten sie auch gern in die Welt hinaustragen:

veröffentlicht am 01.08.2011 um 16:07 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:41 Uhr

Dinospuren
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Von Nelli Oberlender

Obernkirchen. Zu Beginn soll kurz klargestellt werden, dass die Vertreter dieser Zeitung sich deutlich von den Vertretern anderer „schnelllebiger Medien“, wie Dr. Annette Richter sie liebevoll nennt, abgrenzen möchten; denn eine Sache haben diese definitiv gelernt und möchten sie auch gern in die Welt hinaustragen:Dinosaurier sollten sich niemals zusammen mit Gräsern auf einem Bild befinden. Warum, sieht doch nett aus? Gräser entwickelten sich aber erst, als die mächtigen Lebewesen schon längst ausgestorben waren. „Diese Dinos haben nie einen Grashalm gesehen!“ erklärt Dr. Richter eindringlich. Und nachdem sich nun alle diese Tatsache fest eingeprägt haben, kann sie auch losgehen, die Exkursion in die Obernkirchener Sandsteinbrüche.

In ihrer Vorstellung laufen die Teilnehmer des „Sommerabenteuers“ natürlich durch einen sehr dicht bewachsenen tropischen Wald voller Baumfarn und Ginkgo – Fichten und Blütenpflanzen müssen sie sich wegdenken, denn die hat es, ebenso wie die Gräser, vor 140 Millionen Jahren noch nicht gegeben. „Die Saurier haben sich durch die Landschaft gefräst“, was alles andere als einfach gewesen sei, wie die Paläontologin erklärt. Die Pflanzen der Unterkreide waren zumeist sehr hart und stellten damit große Anforderungen an die Tiergruppe, die sich ausschließlich davon ernährte. Dazu gehörte unter anderem der Iguanodon, und der hatte auch noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, wie sich später herausstellen wird.

Strammen Schrittes geht es dann auch Richtung Sandsteinbruch und Dinospuren. Kurz in das Hier und Jetzt zurückverfallend, erscheinen hinter Fichten und Tannen gigantische Sandsteinauftürmungen. „Daraus kann man ein paar Mauern bauen“, bemerkt einer der Teilnehmer sehr treffend. Dann steht die Gruppe vor einem riesigen, ausladenden Loch. Zu sehen ist, natürlich, weit und breit viel Sandstein und ganz tief unten, auf dem Boden des Loches, Pfützen. Diese sind der erste Schritt der Anleitung: Wie geht ein Geologe vor? Mit tatkräftiger Unterstützung durch die „Nachwuchswissenschaftler“, die jüngsten Teilnehmer, macht Dr. Annette Richter Schritt für Schritt die Freilegung von Saurierfährten nachvollziehbar.

Die mit Regenwasser gefüllten Vertiefungen im Sandstein sind der erste „Verdachtsmoment“. Findet man davon nicht bloß einen, – was einer enttäuschenden „geologischen Depression“ gleichkäme, so Richter – dann lässt sich in den Gesteinsschichten unter den Vertiefungen ein ganzer Fährtenzug erwarten. Von diesen hat man hier im Steinbruch gleich mehrere gefunden. Ein Stückchen weiter und drei abgetragene Sandsteinschichten tiefer lassen sich dann wirklich richtige Saurierfährten erkennen, was natürlich vor allem die „Junggeologen“ begeistert: „Hier ist noch eine! Und was ist damit?“ rufen sie aufgeregt durcheinander. Langsam! Wer ein echter Geologe sein will, muss zuerst diese erste Fährte zuordnen, mahnt Dr. Richter. Es gibt keinen ersten und keinen fünften Zeh, die drei mittleren Zehen sind sehr breit und plump und außerdem haben sich keine Krallen abgezeichnet: Es muss sich also auf jeden Fall um einen Pflanzenfresser gehandelt haben. Genauer gesagt um einen Iguanodon, der, laut der Paläontologin, damals schon ein „echter Revolutionär“ gewesen sei. Mit seinen Mahlzähnen und Speicheldrüsen habe er die Pflanzen nicht nur abgerupft und runtergeschluckt, sondern zermahlt. „Der konnte schon, was blöde Säugetiere erst vor 65 Millionen Jahren konnten“ erzählt sie lachend.

Aufgrund der vorhandenen „Rippelmarken“ im Stein ließe sich feststellen, dass sich an dieser Stelle früher ein 80 bis 150 Zentimeter tiefes Gewässer befunden haben muss. Infolgedessen natürlich auch viel Schlamm. Dieser erschwerte der Iguanodon-Herde die Durchquerung dieses Gebietes, das den Übergang zwischen zwei Wäldern gebildet habe. Einer davon, in Richtung der heutigen Bückeberge, auf Inseln gelegen: „Paläo-Ostfriesische Inseln, damals noch ganz ohne Kurtaxe“, scherzt Dr. Richter.

An der letzten Station der Führung gibt es dann noch eine frisch entdeckte Spur zu sehen, die auch für die sehr erfahrene Paläontologin einen grandiosen Fund darstellt: In der tonhaltigeren Gesteinsschicht, die sich über der Hauptfährtenschicht befindet und die bisher immer mit dem Radlader abgetragen wurde, hat man eine einzigartig gut erhaltene Fährte freilegen können. „So was hat man bisher nur einmal 2004 in Münchehagen gefunden und es für einmalig gehalten“, erzählt Annette Richter. Diese Spur zeige deutlich, wie vorsichtig das Tier hier gelaufen sein muss, da es seinen Fuß tief in den Schlamm gebohrt und sogar wieder ein Stückchen herausgezogen habe. Anhand dieser Fährte ließen sich nun beispielsweise auch Aussagen über das Volumen des Fußes machen. Aufgrund dieses schönen Erfolges wolle man ab jetzt weiter vorsichtig per Hand abtragen. Die Profis würden dabei vor allem auch durch freiwillige Helfer unterstützt, die bei Grabungen immer herzlich willkommen seien, wirbt Dr. Richter.

Zum Schluss gibt es noch eine Ankündigung für alle Saurierinteressierten: Am 18. September findet im Obernkirchener Sandsteinbruch von 10 bis 17 Uhr wieder der „Tag des Geotops“statt, bei dem in Führungen oder auf eigene Faust die Fährten erkundet werden können.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?