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Grüne sehen sich in ihrer Sorge bestätigt

AKW-Strahlung: Streit um Deutungshoheit

Emmerthal (cb). Was Atomkritiker schon länger befürchten, hat das niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz nun bestätigt: Die Strahlenbelastung im Umfeld des AKW Grohnde steigt während der jährlichen Revision mit Brennelementewechsel an. Das geht aus der Antwort der Atomaufsichtsbehörde auf eine parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten Christian Meyer von den Bündnisgrünen aus Holzminden hervor. Die Interpretation der höheren Strahlenbelastung fällt unterschiedlich aus. Das Ministerium verweist darauf, dass in den vergangenen Revisionen die in der Genehmigung für das Kernkraftwerk Grohnde festgelegten Grenzwerte der Aktivitätsabgaben eingehalten worden seien. Meyer wertet die Zahlen hingegen kritischer. „Der starke Anstieg der Strahlenbelastung insbesondere bei kleinen Kindern ist besorgniserregend“, meint der Abgeordnete. „Die These, dass während der Revision besonders viele radioaktive Stoffe an die Umgebung abgegeben werden, scheint zu stimmen.“

veröffentlicht am 14.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

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Anlass für die Anfrage waren Äußerungen einer Referentin der atomkritischen Ärzteinitiative IPPNW in Hameln, die einen Zusammenhang zwischen der Revision und einem höheren Krebsrisiko bei Kindern nahe AKW-Standorten hergestellt hatte. Meyer meint nun unter Berufung auf die Angaben des Ministeriums: „Gefahren für die Bevölkerung müssen ausgeschlossen werden. Auch im Normalbetrieb verstrahlt das AKW die Umgebung.“

Laut Ministerium wurden 2011 während der 44 Tage dauernden Revision über die Kamin-Fortluft 66 Prozent der Edelgasaktivitäten, 52 Prozent der Jodaktivität und 71 Prozent der aerosolgebundenen Aktivität des Jahresergebnisses abgegeben. Begründet wird diese Erhöhung damit, dass für den Brennelementewechsel der Reaktordruckbehälter und somit der im Leistungsbetrieb hermetisch abgeschlossene Hauptkühlkreislauf geöffnet werden müsse. Neben „einem Bündel von Maßnahmen“ würde Vorsorge gegen einen erhöhten Austritt radioaktiver Stoffe getroffen, die Aktivitätsabgaben seien „sehr restriktiv festgelegt“. Es seien zusätzliche Tagesgrenzwerte festgelegt, die „nicht überschritten, sondern sogar vielfach noch weit unterschritten wurden“, heißt es aus dem Hause von Umweltminister Stefan Birkner (FDP). Der heimische Grünen-Abgeordnete sieht allerdings einige Zahlen der Behörde als sehr bedenklich an. „Die Strahlenexposition radioaktiver Stoffe für Kleinkinder von ein bis zwei Jahren durch Inhalation in der Schilddrüse stieg während der Revisionsarbeiten unter anderem am Reaktordruckbehälter um mehr als das Fünffache“, fasst Meyer zusammen.

Das Ministerium hatte darauf hingewiesen, dass die Messwerte in der Größenordnung einer Ortsdosisleistungsmesssonde des Bundesamtes für Strahlenschutz an einem Vergleichsstandort außerhalb des Einwirkungsbereiches kerntechnischer Anlagen liegen würden. Auch ein allein wie im Vorjahr auf die Brennelementschäden beruhender Anteil an der Strahlenbelastung in der Umgebung des Kernkraftwerks Grohnde könne messtechnisch und rechnerisch nicht ermittelt werden. Dennoch kritisiert der Abgeordnete den laxen Umgang der Landesregierung mit dem AKW. Besonders irritiert zeigt er sich über die Aussage des Ministeriums, dass die Abgabe radioaktiver Stoffe mit der Abluft während der Revisionen 2009 bis 2011 am AKW Grohnde über den Werten der anderen beiden Kernkraftwerke in Niedersachsen liege. Meyer: „Brennelemente gehen kaputt, während der Revision steigt die Strahlung, noch ist die Gefahr eines Super-GAU gebannt. Wir Grüne wollen daher weiterhin die schnelle Stilllegung des AKW Grohnde.“ Die Debatte um die Strahlung war vor allem durch die Kinderkrebsstudie neu entflammt, wobei für den Bereich Grohnde allerdings keine signifikanten Auffälligkeiten festgestellt worden waren. Das Bundesamt für Strahlenschutz, das als Auftraggeber der Studie weitere Untersuchungen folgen lassen will, meinte zu möglichen Ursachen für Krebserkrankungen: „Was die Hypothese eines Einflusses der radioaktiven Abgaben angeht, lässt sich feststellen, dass nach derzeitigem Kenntnisstand die zusätzliche Strahlenexposition der Bevölkerung durch den Betrieb der Leistungsreaktoren zu gering ist, um den Effekt erklären zu können. Sie müsste etwa 1000- bis 10 000-mal höher sein.“

Während der Revision mit Brennelementewechsel steigt die Abgabe radioaktiver Stoffe an die Umwelt deutlich an.



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